Symposium

Krise und Aufbruch des Ich

mit Prof. Dr. Wolfgang-Andreas Schultz, Hamburg, Martin Weyers, Heidelberg, Gary Lachman, London, Rüdiger Sünner, Berlin, Andreas Neider, Stuttgart, Angela Paap, Gstadt

Vom Potenzial im Menschen

Die Krisen nehmen zu, auf vielen Gebieten. Über eine von ihnen spricht man kaum, obwohl sie fast allen anderen zugrunde liegt: die Krise des Ich. Unser Ich hat sich stark entwickelt. Wir können eigenständig denken, können Entscheidungen treffen und haben uns durch Wissenschaft und Technik enorme Möglichkeiten verschafft.

Doch jetzt zeigen sich Grenzen. Bei vielen tritt psychische Ermüdung ein. Die Vielfalt der Dinge lässt sich kaum noch integrieren, die Entwicklung der Technik droht uns zu überrollen, die natürliche Umgebung weist mehr und mehr Vergiftungserscheinungen auf.

Entspricht das den Maßstäben unseres Innersten?
Finden wir noch einen tiefergehenden Sinn in unserem Leben?
Was ist das eigentlich, unser Ich?
Gibt es noch ein umfassenderes Bewusstsein als das, was wir jetzt besitzen?

Der Weg eines inneren Aufbruchs ist möglich. Das Potenzial dazu besitzen wir, Menschen zu allen Zeiten haben es bewiesen. An diesem Wochenende wollen wir hierzu Impulse geben. Künstler, Wissenschaftler und Repräsentanten spiritueller Bewegungen lassen uns eintauchen in geistig-seelische Ströme, in Möglichkeiten, die in uns angelegt sind. Es geht darum, sich selbst und die Welt neu auszuloten.

Eine Kunstausstellung mit Werken von Martin Weyers sowie Musikdarbietungen (u. a. mit einem Werk von Prof. Schultz) begleiten die Veranstaltung.

In den Bildern von Martin Weyers werden die Symbole des Mythos neu erfahrbar. Fremdartige Welten laden zur Kontemplation ein: weite Farbräume, als Landschaft oder Kosmos lesbar, bevölkert von „zwitterartigen Wesen, die Vogel, Pflanze und Mensch zugleich sind.”
(Petra Joswig, freie Kunsthistorikerin, Heidelberg).

Datum

Sa, 20.10.2018 – So, 21.10.2018
Beginn: 11:00 Uhr

Veranstaltungsort

Christian Rosenkreuz Konferenzzentrum
Haarlemer Straße 19
75365 Calw
Deutschland

Tickets

90 €, erm. 75 €; 1 Tag: Sa. 40 €, So 30 € (inkl. Übernachtung und Mahlzeiten), Einzelzimmerzuschlag 20 €. Näheres und Anmeldung: 07051-96820 oder www.stiftung-rosenkreuz.org

Mitwirkende

Prof. Dr. Wolfgang-Andreas Schultz, Hamburg

hat in Hamburg Musikwissenschaft und Philosophie studiert mit einem anschließenden Kompositions-Studium bei György Ligeti. Er arbeitete an der Musikhochschule Hamburg zuerst als Assistent von Ligeti, seit 1988 als Professor für Komposition und Musik-Theorie.

Sein Schaffen umfasst alle Gattungen von der Oper über Orchesterwerke bis zu Kammermusik und Lied. Seine letzten Publikationen: die CD Japanische Landschaften (2013) und die Bücher Avantgarde. Trauma.Spiritualität – Vorstudien zu einer neuen Musikästhetik (2014) und Die Heilung des verlorenen Ichs – Kunst und Musik in Europa im 21. Jahrhundert (2018).

Martin Weyers, Heidelberg

ist freier Maler und Grafiker mit Atelier in der Metropolregion Rhein-Neckar. Daneben beschäftigt er sich mit Mythen und Symbolen als Autor und Veranstalter. Er ist Vorsitzender von Symbolon – wissenschaftliche Gesellschaft für Symbolforschung e.V., sowie Mythological RoundTable® Director der Joseph Campbell Foundation, New York, NY.
www.martinweyers.com

Prätentiöse und egomanische Entwicklungen haben nicht nur die Kunst, sondern zugleich das „Projekt Mensch” in Verruf gebracht. Die Kunst kann mittels einer Regenerierung ihrer besten Elemente einen bemerkenswerten Beitrag zur Rückkopplung von Innen­ und Außenwelt leisten, in deren Durchdringung Novalis den „Sitz der Seele” vermutete. In Mythen und Symbolen entfaltet sich ein Grenzbereich, in dem sich neuartige und subtile Denk­, Emotions­ und Erfahrungshorizonte öffnen können.
Gelingt diese Instandsetzung unserer Tiefenwahrnehmung, werden sich Optionen zur Überwindung der gegenwärtigen Krisen mannigfaltiger Art abzeichnen.

Gary Lachman, London

ist Autor von 21 Büchern über Bewusstsein, Kultur und die Tradition westlicher innerer Wege: u. a. A Secret History of Consciousness, Lost Knowledge of the Imagination; seine neueste Veröffentlichung: Dark Star Rising: Magic and Power in the Age of Trump; die Werke wurden in mehr als zwölf Sprachen übersetzt; auf Deutsch liegt vor: Die Rudolf Steiner­Story: Ein neuer Blick auf Leben und Werk eines spirituellen Pioniers, 2010.
Lachman ist Mitarbeiter internationaler Journale und hält Vorträge in vielen Ländern. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Rock Band Blondie (1975) und wurde 2006 in die Rock and Roll Hall of Fame in den USA auf genommen. Er ist beigeordnetes Fakultätsmitglied des Californian Institute of Integral Studies. Lachman lebt sei 1996 in London.

Die Imagination ist in unserer Welt an den Rand gedrängt worden; man hat sie reduziert zu etwas, das an die Stelle der Realität tritt oder zu etwas „Erneuerndem” oder „Neuem”. In der westlichen Spiritualität gibt es jedoch eine Tradition, die Imagination als ein Wesensmerkmal des Seins ansieht und als eine Möglichkeit, Realität zu erkennen, und nicht etwa zu vermeiden.
Der Vortrag behandelt das „verlorene Wissen um die Imagination” und erläutert, warum sie für uns notwendig ist, wenn wir „wirklich Mensch” sein wollen.

Rüdiger Sünner, Berlin

ist freier Autor, Filmemacher und Musiker und lebt in Berlin. Seine Publikationen und Filme beschäftigen sich vor allem mit Grenzgebieten, so etwa Schwarze Sonne – Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus (1996), Das kreative Universum – Naturwissenschaft und Spiritualität im Dialog (2010), Nachtmeerfahrten – Eine Reise in die Psychologie C. G. Jungs (2011), Zeige deine Wunde – Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys (2015).
www.ruedigersuenner.de

Wir präsentieren den neuen Film von Rüdiger Sünner: Engel über Europa. Rilke als Gottsucher (Uraufführung September 2018 in Berlin). Als spirituell Suchender ließ sich Rilke auf seinen Reisen durch Spanien, Italien, Nordafrika und Russland auf die spirituellen Formen anderer Kulturen ein und durch seinen Kontakt mit Sinnsuchern wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Franz Marc, Stefan George, Alfred Schuler und Rudolf Steiner empfing er tiefgreifende Anregungen. Der Film zeigt, wie sich hieraus Rilkes Dichtung und Weg formten.

Andreas Neider, Stuttgart

aus Stuttgart war Lektor und Verleger im Verlag Freies Geistesleben und leitet seit 2002 die Kulturagentur Von Mensch zu Mensch in Stuttgart. Er ist freischaffender Autor und führt anthroposophische Veranstaltungen und pädagogische Kongresse durch. Veröffentlichungen u. a.: Der Mensch zwischen Über­ und Unternatur (2012), Aufmerksamkeitsdefizite – wie das Internet unser Bewusstsein korrumpiert und was wir dagegen tun können (2013).

Das Ich des Menschen steht heute vor einer zweifachen Herausforderung: Einerseits droht es sich in den immer weiter um sich greifenden Auswirkungen des Materialismus und seiner Speerspitze, der Künstlichen Intelligenz, zu verfangen, andererseits verlocken zahllose Angebote von Wellness bis zu Drogen, aber auch pseudospirituelle Schulungstechniken dazu, sich von allem Materiellen zu befreien. Zwischen diesen neuzeitlichen Gestalten von Skylla und Charybdis gilt es einen gangbaren Mittelweg zu finden.

Angela Paap, Gstadt

studierte Architektur an der TU München und arbeitet seit 1991 als Architektin, Fotografin und Malerin. Seit früher Jugend beschäftigt sie sich mit den inneren Lehren der Weltreligionen. Ihr Hauptinteresse gilt dem universellen Kern der Religionen und seiner Widerspiegelung im Wesen des Menschen. Hierüber hält sie im Rahmen des Lectorium Rosicrucianum und der Symposien der Stiftung Rosenkreuz Vorträge. Sie ist Redakteurin der Onlinezeitschrift LOGON und Vorstandsmitglied der Stiftung Rosenkreuz.

Wir Menschen suchen uns selbst und verursachen dabei unausweichlich Dysbalancen und Konflikte. Unser Ego ist gleichsam das Auge des Orkans, das sich nie füllt, weil alle Dinge zerrieben werden, bevor sie die Mitte erreichen können. Dieses Ego ist jedoch nicht das wirkliche Zentrum unseres Wesens – auch deshalb stellt sich nie Erfüllung ein. Voltaire hat gesagt: „Gott ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall und dessen Umfang nirgends liegt.” Als Träger eines göttlichen Funkens besitzt der Mensch die Möglichkeit, zu einem solchen Sein hinzuwachsen.
Auf dem Weg dorthin entwächst der Mensch all den konfliktträchtigen Begrenzungen, nicht durch Ausweitung seines Ego, sondern durch Belebung seines wahren Selbst, das universell und individuell zugleich ist.

Programm

Sa, 20.10.2018

11:00 UhrBegrüßung
11:15 Uhrbis 12:00 Uhr: Prof. Dr. Wolfgang-Andreas Schultz: Die Heilung des verlorenen Ichs – die westliche Idee vom Ich und die Krise der modernen Kunst
13:00 UhrMittagessen
14:30 Uhrbis 15:15 Uhr: Martin Weyers: Die stille Macht der Bilder. Kunst als „Sitz der Seele”
15:45 UhrKaffee
16:15 Uhrbis 17:30 Uhr: Gary Lachman: Imagination und Erkenntnis (Englisch mit Übersetzung)
18:00 UhrAbendessen
19:30 UhrFilm von Rüdiger Sünner: Engel über Europa anschließend Podiumsgespräch mit Rüdiger Sünner

So, 21.10.2018

9:30 Uhrbis 10:15 Uhr: Angela Paap: Im Auge des Orkans oder: Die „leere” Mitte
10:45 UhrKaffee
11:15 Uhrbis 12:00 Uhr: Andreas Neider: Die Krise des Ich aus anthroposophischer Sicht
12:30 UhrKleines Konzert
13:15 UhrMittagessen und Abschluss
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