Alchemie

Das Evangelium der Wahrheit

Das Evangelium der Wahrheit ist höchste Freude für alle, die vom Vater der Wahrheit die Gnade empfangen haben, ihn zu erkennen durch die Kraft des Wortes, das aus der Fülle der Fülle gekommen ist; das Wort, das im Denken und im Geist des Vaters war; das Wort, das Erlöser genannt wird; das der Name ist für das Werk, das er vollbringen sollte zur Errettung all derer, die den Vater nicht kannten.

Das Evangelium der Wahrheit ist höchste Freude für alle, die vom Vater der Wahrheit die Gnade empfangen haben, ihn zu erkennen durch die Kraft des Wortes, das aus der Fülle der Fülle gekommen ist; das Wort, das im Denken und im Geist des Vaters war; das Wort, das Erlöser genannt wird; das der Name ist für das Werk, das er vollbringen sollte zur Errettung all derer, die den Vater nicht kannten.

Denn der Name des Evangeliums ist: Offenbarung der Hoffnung, und: Finden all derer, die ihn, (den Vater), suchen.

Nun wandte sich das All zu ihm zurück, aus dem es hervorgekommen war. Denn das All war in dem Undenkbaren, Unfassbaren gewesen, der über alles Denken erhaben ist.

Doch die Unkenntnis über den Vater hatte Angst und Furcht hervorgebracht. Die Angst aber verdichtete sich wie ein Nebel, so dass niemand mehr etwas sah. Und so gewann der Irrtum an Einfluss. Ohne Vernunft wirkte er auf die Materie ein, denn er kannte die Wahrheit nicht. Er brachte mit großer Anstrengung eine Schöpfung hervor, in der (gleisnerische) Schönheit an Stelle der Wahrheit herrscht.

Aber für ihn, den Undenkbaren, Unfassbaren, war das keine Einbuße an Herrlichkeit. Denn ein Nichts war die Angst und der Verlust der Erkenntnis und die Schöpfung der Lüge vor ihm; während die fest gegründete Wahrheit unveränderlich unerschütterlich und vollkommen schön ist. Verachtet daher den Irrtum.

Denn er hat keine Wurzel. Und ein dichter Nebel verbirgt ihm den Vater, während er unablässig durch seine Anwesenheit (unvollkommene) Werke, Verlust der Erkenntnis und Ängste hervorbringt, um durch sie die Bewohner der Mitte (des Reiches zwischen der Vollkommenheit und dem Totenreich) zu verführen und gefangen zu nehmen.

Niemandem aber war bewusst geworden, dass durch den Irrtum ein Verlust der Erkenntnis eingetreten war. Beim Vater gibt es keinen [Verlust der Erkenntnis]. Bei ihm kann ein solcher Verlust gar nicht entstehen; wohl aber kann er durch eine (falsche) Reaktion auf ihn entstehen. In ihm entsteht immer nur Erkenntnis.

Sie wurde nun offenbar, damit der Verlust der Erkenntnis aufgehoben und der Vater wieder erkannt werde. Da ein Verlust der Erkenntnis entsteht, wenn der Vater nicht erkannt wird, verschwindet dieser Verlust sofort, sobald der Vater erkannt wird.

In dieser Tatsache besteht das Evangelium dessen, nach dem so lange Ausschau gehalten worden war. Er hat es den Vollkommenen durch die Barmherzigkeit des Vaters geoffenbart, er, das geheime Mysterium, Jesus Christus. Durch ihn hat (der Vater) diejenigen erleuchtet, die wegen des Verlustes der Erkenntnis in Finsternis leben. Er hat sie erleuchtet und ihnen einen Weg eröffnet. Der Weg aber ist die Wahrheit, die (der Sohn) ihnen gezeigt hat.

Deshalb geriet der Irrtum in Zorn über ihn, verfolgte und bedrängte ihn und richtete ihn zugrunde. Er wurde an einen Baum genagelt. So wurde er die Frucht zur Erkenntnis des Vaters.

Es war aber eine Frucht, die nicht zugrunde richtete (wie die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen), wenn man davon aß, sondern sie wurde denen, die davon aßen, zu einem herrlichen Fund. Denn er, der Undenkbare, Unfassbare, der Vater, fand sie in dieser Frucht und sie waren in ihm, gleichwie sie ihn in sich fanden, ihn, den Vollkommenen, der das All schuf, in dem das All war und zu dem das All hindrängte.

Denn zuvor ruhte ihre Vollendung noch (als Möglichkeit) in ihm, (dem Vater), er hatte sie dem All noch nicht geschenkt. (Nicht aus Missgunst).

Niemals war irgend eine Missgunst im Vater. Wie hätte daher Missgunst treten können zwischen ihn und seine Glieder?

Wenn er dem All [die Vollendung] missgönnen würde, könnten sie, (die Bewohner des Alls), nicht zum Vater kommen. Im Gegenteil; er hält ihre Vollendung in sich beschlossen und hält sie für sie bereit, wenn sie zu ihm zurückkehren; auch die vollkommene, unteilbare Erkenntnis hält er für sie bereit.

Er ist es, der das All geschaffen hat, und das All war in ihm und das All bedurfte seiner.

Es ist genau so, wie wenn einer, von dem andere nichts wissen, wünscht, dass sie ihn kennen- und lieben lernen; den wessen bedurfte das All, wenn nicht der Kenntnis des Vaters? Daher wurde er zum geduldigen Lehrer, der stets für seine Schüler da war. Er trat mitten unter sie in ihre Schulen, er sprach als Lehrer das Wort zu ihnen.

Da aber kamen die, die sich für die allein Weisen hielten und stellten ihn auf die Probe. Er jedoch überführte sie ihrer Torheit, und so hassten sie ihn, weil sie nicht wirklich weise waren.

Dann kamen die, denen die Erkenntnis des Vaters verheißen ist. Sie waren erst noch klein (nur Anfänger). Als sie aber heranwuchsen, lernten sie alles über die Wirkungen, die vom Vater ausgehen. Jetzt erkannten sie und wurden erkannt. Sie wurden gepriesen und priesen selbst.

In ihren Herzen wurde das lebendige Buch des Lebens offenbar, das im Denken und im Geist des Vaters geschrieben ist, das Buch, das vor Grundlegung der Welt im Unfassbaren war. Niemand hat die Kraft, es zu nehmen, außer der, dem es auferlegt ist, geopfert zu werden. Keiner von denen, die an die Rettung glaubten, konnte (nach seinem wahren Wesen) offenbar werden, bevor dieses Buch zu ihnen in die Mitte (die Welt) gekommen war.

Daher erduldete der Barmherzige, der Getreue, Jesus, all seine Leiden, bis er das Buch an sich nehmen konnte. Denn er wusste, dass sein Tod für viele das Leben bedeutete.

Es ist wie bei einem Testament: Bevor es eröffnet wird, ist das Vermögen des verstorbenen Hausherrn verborgen. So auch mit dem All: Es ist verborgen, solange der Vater des Alls unsichtbar ist, er, der aus sich selbst ist, aus dem die Räume des Alls hervorgekommen sind. Nun aber offenbarte sich Jesus, er nahm das Buch an sich. Er wurde an einen Baum genagelt. Und er eröffnete den Willen des Vaters; am Kreuz. O unermessliche Lehre! Er begab sich hinab in den Tod, obwohl er mit dem ewigen Leben bekleidet war!

Nachdem er aber die vergänglichen Kleider (seines Leibes) abgestreift hatte, zog er die Unvergänglichkeit an, die niemand ihm rauben kann.

Er stieg hinab in die Räume der Furcht und wandelte unter den Menschen, die durch den Verlust der Erkenntnis ihrer (unvergänglichen) Kleider beraubt waren, er, der die Erkenntnis und Vollendung war, und er verkündete, was im Vater ist, er belehrte als Lehrer alle, die bereit waren, die Lehre anzunehmen.

Die aber die Lehre annehmen, das sind die Lebenden, die ins Buch des Lebens eingeschrieben sind. Sie empfangen Belehrung über sich selbst. Und sie werden vom Vater aufgenommen, sobald sie wieder zu ihm zurückkehren.

Die Vollendung des Alls ist im Vater. Daher muss das All zu ihm emporsteigen. Dadurch, dass einer die Erkenntnis zurückgewinnt, empfängt er eben das, was ihm bestimmt ist, und er nimmt es an sich: (die Vollendung).

Denn wer unwissend ist, leidet Mangel. Und es fehlt ihm etwas Großes, nämlich das, was ihn vollendet: (die Erkenntnis). Da aber die Vollendung des Alls im Vater ist, muss das All zu ihm emporsteigen. Dann empfängt ein jeder, was ihm bestimmt ist. Dazu hat (der Vater) sie vorher (ins Buch des Lebens) eingeschrieben und zubereitet, damit ihnen, die aus ihm hervorgekommen sind, gegeben würde.

Er hat alle, deren Namen er am Anfang (der Zeiten) gekannt hat, am Ende (der Zeiten) gerufen.

Wenn der Vater einen beim Namen ruft, so gewinnt dieser Erkenntnis. Aber wer nicht beim Namen gerufen wird, bleibt unwissend. Wie soll denn einer überhaupt hören, wenn er nicht beim Namen gerufen wird? So jemand bleibt bis zum Ende (der Zeiten) unwissend, er ist ein Geschöpf des Verlustes der Erkenntnis und wird mit dem Verlust aufgelöst. Wäre es nicht so, hätten ja diese Bedauernswerten einen Namen und würden sie beim Namen gerufen.

Also ist jemand, der Erkenntnis gewinnt, (prinzipiell) einer von oben. Wird er (beim Namen) gerufen, so hört er, antwortet, wendet sich dem zu, der ruft, steigt zu ihm empor und gewinnt in diesem Ruf Erkenntnis. Und da er nun weiß, tut er den Willen dessen, der ihn gerufen hat. Er begehrt nur danach, ihm zu gefallen, und wird der Ruhe teilhaftig.

Ihm wird der Name des Einen zuteil. Wer so erkennt, erkennt, woher er kommt und wohin er geht. Er erkennt wie jemand, der trunken war und wieder nüchtern geworden ist. Und indem er sich sich selbst zuwendet, bringt er seine Angelegenheiten in Ordnung.

Er, (Jesus), brachte viele aus dem Irrtum zurück. Er zog vor ihnen her bis zu ihren Wohnungen, aus denen sie sich entfernt hatten, indem sie in den Irrtum fielen (und sich täuschten) über die Tiefe dessen, der jeden Raum umfasst, aber von keinem umfasst wird.

Es ist ein großes Wunder:

Zuerst waren sie im Vater, ohne ihn zu kennen. Dann konnten sie selbstständig aus ihm heraustreten, da sie (in diesem Zustand) nicht im Stande waren, den in sich aufzunehmen und zu erkennen, in dem sie waren, als sein Wille noch nicht aus ihm herausgegangen war.

Er aber offenbart sich als Erkenntnis, und stets sind die aus ihm entstehenden Offenbarungen (die Eigenschaften des Alls) in Übereinstimmung mit ihm. Sie sind die Erkenntnis des Buches des Lebens, das er den Äonen, (der Welt), am Ende (der Zeiten) als seine Buchstaben offenbart hat. Aber er hat sie nicht offenbart als Vokale oder Konsonanten, die jemand lesen und töricht interpretieren könnte, sondern es sind Buchstaben der Wahrheit, die nur der aussprechen kann, der sie kennt.

Jeder dieser Buchstaben ist ein vollkommener Gedanke, ein vollkommenes Buch, denn diese Buchstaben sind geschrieben von der vollkommenen Einheit, dem Vater. Er hat sie geschrieben, damit die Äonen, (die Welt), durch Buchstaben den Vater erkennen.

Seine Weisheit schafft das Wort, seine Lehre spricht es aus, die (von ihm ausgehende) Erkenntnis macht es offenbar. Wie eine Krone ist sein Wille über (dem Wort); verbunden mit dem Wort ist seine Freude, sein Ruhm hebt es empor. Sein Bild offenbart sich im Wort, seine Ruhe nimmt es in sich auf; seine Liebe verkörpert sich in ihm, seine Treue hält es umfasst.

So geht das Wort des Vaters hinaus ins All und wieder heraus aus dem All, als Frucht seines Herzens und Kind seines Willens. Es trägt das All, es erwählt (die Seinen), es nimmt die Gestalt des Alls an.

Und dann reinigt er sie und bringt sie zurück zum Vater, zurück zur Mutter: er, der Jesus der grenzenlosen Barmherzigkeit.

Der Vater zeigt sein Herz. Er zeigt es durch den Heiligen Geist, der sein Verborgenes offenbart; sein Verborgenes ist sein Sohn -, so dass die Äonen, (die Welt), ihn, (den Vater), durch die Gnade des Vaters erkennen und aufhören, sich zu quälen in ihrer Suche nach dem Vater, und endlich in ihm Ruhe finden, in der Erkenntnis, dass er die Ruhe ist.

Als (Jesus) den Mangel (an Erkenntnis) beseitigt hatte, löste er alle Erscheinungen auf. Die Welt, in der (Jesus) diente, ist die Erscheinung des Mangels. Denn Eifersucht und Streit sind Ausdruck des Mangels. Der Ort aber, an dem die Einheit ist, ist vollkommen. Der Mangel an Erkenntnis besteht darin, dass sie den Vater nicht erkannten. Daher besteht der Mangel nicht mehr, sobald sie den Vater erkennen.

So wie sich Unwissenheit durch Erkenntnis auflöst, wie die Finsternis schwindet, wenn das Licht scheint, so löst sich der Mangel in der Vollkommenheit auf. Und von diesem Augenblick an verschwinden auch die äußeren Erscheinungsformen. Sie lösen sich auf in der Einheit, denn alles Ungleiche wird gleich gemacht, wenn die Einheit die Räume der Welt vollendet.

Und durch die Einheit empfängt ein jeder sich selbst. Denn in der Erkenntnis reinigt ein jeder sich aus der Vielheit zur Einheit, indem er wie ein Feuer die Materie in sich verzehrt, die Finsternis durch Licht, den Tod durch Leben (auslöscht).

Haben wir dies nun wirklich erfahren, so lasst uns doch darauf achten, dass unser Haus rein werde und still für die Einheit, (und uns verhalten) wie Leute, die unbrauchbar gewordene Gefäße zerbrechen und wegwerfen, wenn sie einen Ort verlassen. Dadurch erleidet der Hausherr ja nicht den geringsten Schaden. Im Gegenteil, er freut sich, denn nur gute Gefäße können gefüllt werden, schlechte nicht.

Darin, (im Zerbrechen schlechter Gefäße), besteht das Gericht, das von oben kommt und jeden richtet. Es ist wie ein gezücktes zweischneidiges Schwert, scharf nach dieser und nach jener Seite.

Als das Wort, das im Herzen der Menschen ist, die es aussprechen, zur Mitte kam, war es nicht nur eine Stimme, sondern es wurde körperlich, und es entstand eine große Verwirrung unter den (menschlichen) Gefäßen. Denn einige wurden leer, andere wurden voll, einige wurden aufgefüllt, andere ausgegossen. Einige wurden rein und fest, andere wurden zerbrochen. Und alle Räume der Welten bebten und waren bestürzt, denn sie hatten keine Festigkeit und keine Dauer. Der Irrtum geriet in furchtbare Erregung und wusste nicht, was er tun sollte. Er war traurig, klagte, quälte sich, weil er nichts wusste.

Wenn sich die Erkenntnis dem Irrtum nähert, ist dies sein Untergang und der all seiner Offenbarungen; er erweist sich als leer und nichtig.

Die Wahrheit kam in die Mitte, und all ihre Offenbarungen, (ihre Geschöpfe,) erkannten sie. Sie grüßten den Vater in der Wahrheit und der vollkommenen Kraft, durch die sie mit dem Vater verbunden sind. Denn jeder (solche Mensch) liebt die Wahrheit, da sie der Mund des Vaters ist.

Seine Zunge ist der Heilige Geist. Wenn jemand den Heiligen Geist empfängt, so wird er mit der Zunge des Vaters verbunden, die ihn wiederum mit dem Mund des Vaters verbindet, der Wahrheit.

So verbindet der Heilige Geist mit der Wahrheit. Er ist die Offenbarung des Vaters und dessen Erscheinung für die Äonen, für alles, was von ihm ausgegangen ist. Er offenbart das Verborgene des Vaters und erklärt es.

Denn wer existiert in Wirklichkeit? Doch nur der Vater allein. Alle Räume der Welten sind von ihm ausgegangen. Sie erkannten (jetzt), dass sie aus ihm hervorgekommen waren wie Kinder aus einem vollkommenen Menschen. Sie erkannten, dass sie (im Ursprung) von ihm noch keine Form und keinen Namen erhalten hatten, die der Vater für jeden Einzelnen schafft: die Form, die sie von ihm empfangen, um ihn erkennen zu können. Denn solange sie (unbewusst) in ihm sind, erkennen sie ihn nicht.

Der Vater hingegen ist vollkommen, er kennt alle Welten, die in ihm sind. Er will; und lässt in Erscheinung treten, was er will, indem er ihm Form und Namen gibt. Und er gibt allem einen Namen und veranlasst so, dass es ins erscheinende Leben tritt.

Wer aber noch nicht ins Leben getreten ist, kann den nicht wieder erkennen, der ihn hervorbringt.

Ich behaupte also nicht, dass diejenigen, die noch nicht ins Leben getreten sind, nicht existieren. Sondern sie sind noch in dem, der einst ihr Leben wollen wird, so wie er die zukünftige Zeit wollen wird. Noch bevor alle Dinge in Erscheinung treten, weiß er, was er hervorbringen wird. Aber die Frucht, die noch nicht in Erscheinung getreten ist, weiß noch nichts und kann auch nicht handeln.

So stammt auch jede Welt, die im Vater ist, aus dem Unvergänglichen. Zusammengesetzt aber hat er sie (ihrer erscheinenden Gestalt nach) aus dem Vergänglichen.

Und wer keine Wurzel hat (im Unvergänglichen), hat auch keine Frucht (keine erscheinende Gestalt).

Wenn nun einer bei sich denkt: „Ich bin in Erscheinung getreten, und (als erscheinende Gestalt) bin ich unvergänglich”, so wird er, eben weil er so denkt, wieder aufgelöst werden.

(Entscheidend ist doch die Wurzel): Wenn nicht etwas Unvergängliches da ist, kann auch nichts in Erscheinung treten.

Daher soll ein Mensch von sich denken: „Ich bin in Erscheinung getreten, aber wie ein Schatten und Trugbild der Nacht.” Wenn das Licht ihm nämlich diesen Schrecken (der Nacht) beleuchtet, erkennt er, dass der Schrecken ein Nichts ist.

Wenn die Menschen unwissend sind über den Vater, da sie ihn nicht sehen, so ruft das, weil durch diese Unwissenheit Schrecken, Bestürzung, Ohnmacht, Zweifel und Spaltungen entstehen, allerlei Hirngespinste und Wahnbilder hervor, wie es dem Schläfer in wirren Träumen geschieht.

Da flieht man und weiß nicht wohin, da hat man alle Kraft verloren und wird verfolgt, da ist man in Schlägereien verwickelt und wird verprügelt, da fällt man von Türmen herunter oder schwebt ohne Flügel durch die Luft. Dann wieder hat man die Empfindung, man schwebe in Todesgefahr, obwohl gar kein Verfolger in Sicht ist, oder man selbst mordet seine Nachbarn und besudelt sich mit ihrem Blut. Und solange man sich in all diesen Verwirrungen befindet und durch sie hindurchgeht, sieht man nichts, eben weil alles pure Einbildung ist. Erst wenn man aufwacht, (sieht man).

So auch verhält es sich mit allen, die die Unwissenheit von sich abschütteln wie Schlaf. Sie halten nichts mehr vom Schlaf. Auch von den Ausgeburten des Schlafes halten sie nichts mehr, da sie ja keinen Bestand haben, sondern sie lassen sie hinter sich wie Träume der Nacht. Die Erkenntnis des Vaters ist ihnen das Licht.

So verhalten wir uns alle, wenn wir noch schlafen, das heißt, unwissend sind, und so ergeht es uns, wenn wir erkennen, das heißt, wach werden.

Das ist das Höchste für den Menschen: zu sich zu kommen und aufzuwachen.

Und gesegnet sei er, (Jesus), der den Blinden die Augen öffnet. Auf dem Fuß folgt ihm der Geist, während er den noch am Boden Liegenden aufrichtet. Er reicht dem Liegenden seine Hand und stellt ihn auf die Füße, denn selbst kann er nicht aufstehen.

Der Geist gab (den Menschen) die Möglichkeit die vom Vater kommende Erkenntnis und die Offenbarung seines Sohnes zu erfahren. Denn indem sie den geliebten Sohn sahen und hörten, ließ (der Vater) sie von ihm essen und riechen und ihn berühren. Indem sich (der Sohn) offenbarte, zeigte er ihnen den unfassbaren Vater. Und indem er ihnen einhauchte, was in seinem Geist war; so vollzog er den Willen (des Vaters) -, empfingen viele das Licht und wandten sich ihm zu. Aber die an die Materie gebundenen Menschen waren ihm fremd, sie sahen nicht seine (wahre) Gestalt und erkannten ihn nicht, weil er in Fleischesgestalt gekommen war.

Und niemand konnte seinen Gang (durch die Welt) hindern, denn die Unvergänglichkeit ist unfassbar.

Er sprach in neuen Worten und sprach aus, was im Herzen des Vaters war. Er sprach Worte der Unverderblichkeit. Das Licht sprach durch seinen Mund, und seine Stimme gebar das Leben.

Er gab den Menschen Denken, Verstand, Erbarmen, Rettung und Stärke des Geistes, hervorgegangen aus dem grenzenlosen Vater, dessen Güte süß schmeckt. Er machte den Strafen und Leiden ein Ende, denn sie hatten den Blick der Menschen getrübt, die eher Mitleid brauchten, da sie in ihren Irrtümern gefesselt waren.

Mit Kraft löste er diese auf und machte ihre Nichtigkeit offenbar, durch Erkenntnis.

Er wurde ein Weg für die Irregeführten, eine Erkenntnis für die Unwissenden, ein Finden für die Sucher, ein fester Halt für die Schwankenden und Reinigung für die Unreinen.

Er ist der Hirte, der die neunundneunzig Schafe verließ, die sich nicht verirrt hatten, und kam, um das eine zu suchen, das sich verirrt hatte. Und er freute sich, als er es fand. Bis zur Zahl neunundneunzig rechnet man mit den Fingern der linken Hand. In dem Augenblick aber, da eins hinzugenommen wird, geht das ganze Rechnen auf die rechte Hand über. So auch ist es mit dem, dem das eine Schaf fehlt. Er ist die rechte Hand, der das eine, das fehlt, an sich zieht, (alles) von der linken Hand nimmt und auf die rechte überträgt. So wird die Zahl der (Erlösten) voll: Hundert. Sie ist das Zeichen für die Eins, die sich in ihr ausspricht: für den Vater.

(Der Erlöser) arbeitete auch am Sabbat für das Schaf, das er fand, als es in die Grube gefallen war. Er holte es aus der Grube und erhielt es dadurch am Leben, damit ihr, Kinder der Einsicht, erkennt, was es mit dem Sabbat auf sich hat; auch an ihm darf die Rettung nicht ruhen -, und damit ihr den oberen Tag verkündet, für den nicht Nacht wird, und das nie verlöschende Licht, das vollkommen ist.

Sprecht also aus vollem Herzen, ihr, die ihr der vollkommene Tag seid und in denen das nie verlöschende Licht wohnt: Sprecht von der Wahrheit zu allen, die sie suchen, und von der Erkenntnis zu allen, die in ihrem Irrtum gesündigt haben.

Stützt den Fuß der Strauchelnden und reicht eure Hände den Kranken. Speist die Hungrigen, verschafft den Leidenden Ruhe, richtet auf, die aufstehen wollen, und weckt die Schlafenden. Denn ihr seid die Klugheit, gezückt (wie ein Schwert). Wenn die Stärke mit dieser Klugheit verbunden ist, wird sie erst wirklich stark. Achtet auf euch selbst, achtet nicht mehr auf das, was ihr schon aus euch ausgestoßen habt. Kehrt nicht zu dem zurück, was ihr erbrochen habt, um es wieder zu essen. Lasst euch nicht zerfressen von den Motten, lasst euch nicht zernagen von den Würmern, ihr habt sie doch schon abgeschüttelt. Gebt dem Teufel keine Wohnstatt, ihr habt ihn doch schon abgewiesen!

Stärkt nicht die Hindernisse, die schon im Begriff sind wegzufallen, weil das eine [Wiederherstellung des Falschen] wäre. Denn der Ungesetzliche ist ein Nichts und schadet sich selbst mehr als dem Gesetz. Er tut unrechte Werke, der Rechtschaffene aber handelt recht vor aller Augen.

Tut daher den Willen des Vaters, denn ihr stammt aus ihm.

Und süß schmeckt die Güte des Vaters, und gut ist, was aus seinem Willen stammt. Er hat von euren (Taten) Kenntnis genommen, damit ihr in ihnen ruhen sollt. An den Früchten nämlich erkennt man euch, an euren Taten.

Die Kinder des Vaters sind sein Geruch, sie stammen aus der Gnade seines Angesichts. Und der Vater liebt seinen Duft und lässt ihn ausströmen allerorten. Und wenn er sich in die Materie einsenkt, teilt er seinen Duft dem Licht mit und in seiner Ruhe übertrifft er jede Gestalt und jeden Laut. Denn nicht die Ohren riechen ja den Geruch, sondern der Geist zieht im Geruchssinn den Geruch an sich und versinkt im Duft des Vaters. Dieser holt ihn zu sich in seine Geborgenheit und nimmt ihn hinauf an den Ort, aus dem er gekommen ist. Er ist ja ursprünglich aus dem Duft (des Vaters) gekommen, (er war ein Teil des Duftes Gottes). Später jedoch ist dieser Teil erkaltet. Und so wurde er eine Seelenform, wie kaltes Wasser, das [erstarrt]. Das Wasser ist nun fest wie Kristall, ist aber in Wirklichkeit nicht fest.

Wer es dann sieht, glaubt, es bestehe aus festen Kristallen.

Aber es kann sich wieder auflösen. Denn wenn ein (warmer) Hauch es trifft, wird es warm. So auch stammen die kalten (erstarrten) Gerüche aus der Trennung (von Gott). Daher kam Gott und beseitigte die Trennung. Er brachte die warme Fülle der Liebe, damit die Kälte verschwinde und die Einheit des vollkommenen Denkens sei. Sie ist das Wort des Evangeliums, die Ankunft der Fülle der Fülle für alle, die auf die Rettung von oben warten. Sie warten auf die Offenbarung der Hoffnung und warten auf das, dessen Gestalt Licht ohne Schatten ist: die Fülle der Fülle, die kommen wird zu ihrer Zeit.

Die Bedürftigkeit der Materie ist nicht aus dem Vater entstanden, der grenzenlos ist. Er kam in diese Zeit der Bedürftigkeit, obwohl doch niemand hätte ahnen können, dass der Unvergängliche so (ins Vergängliche) kommen würde. Denn die Tiefe des Vaters war unergründlich, und das Denken des Irrtums reichte nicht an ihn heran.

Als aber der Vater kam, um zurückzuführen, was verloren war, richtete sich das Ohnmächtige und Gefallene wieder auf und fand den Vater.

Das ist die Rückkehr, die Reue genannt wird. Und zu diesem Zweck hauchte der Unvergängliche (einen warmen Hauch) aus. Er suchte den Sünder, damit dieser Ruhe fände. Und was kann denn das Licht, das Wort der Fülle, in (der Welt) des Mangels anderes tun, als zu vergeben? Eilt nicht auch der Arzt an die Stätte, an der ein Kranker ist, weil ihn sein Wille dazu drängt?

Wer also an etwas Mangel leidet, verberge diesen Mangel nicht, denn es gibt jemanden, der besitzt, was ihm fehlt. So auch füllt die Fülle, der nichts mangelt, den Mangel auf, wenn man ihn nur nicht verborgen hält. Die Fülle will das auffüllen, was dem Menschen fehlt, damit die Gnade ihn herausreiße aus dem Ort, an dem er Mangel leidet und keine Gnade besitzt. Und an der Stätte, an der die Gnade nicht ist, hat man den großen Wert zu einem „Nichts” verkleinert. Nun aber empfängt er dieses „Nichts” wieder, und es erscheint ihm als Alles. Das ist das Finden des Lichtes der Wahrheit, das in seiner Unveränderlichkeit zu ihm kommt.

Daher sprachen die Bewohner der Mitte mit Christus, damit sie, die Verirrten, die Möglichkeit der Rückkehr erhielten und er sie mit seiner Salbe salbte. Die Salbe ist das Erbarmen des Vaters, der sich ihrer erbarmt. Die er aber salbt, sind die Vollendeten. Die vollen Gefäße nämlich sind es, die man mit Salbe versiegelt. Wenn aber die Salbe sich ablöst, fließt die Flüssigkeit aus. Und die Ursache des Schadens ist eben das Gefäß selbst, von dem die Salbe abgeht. Das geschieht dann, wenn ein (schädlicher), aus einer (feindlichen) Kraft stammender Wind das Gefäß umweht.

Aber bei einem makellosen Gefäß löst sich die Siegelsalbe nicht ab, noch fließt irgendetwas aus, sondern, woran es auch Mangel leiden mag; der Vater füllt es. Denn er ist gut. Er kennt seine Gewächse, er ist es ja, der sie im Paradies gesät hat. Sein Paradies aber ist die Stätte seiner Ruhe.

So erfolgt die Vollendung aus dem Geist des Vaters und so geht sie aus den Worten seiner Weisheit hervor. Jedes einzelne seiner Worte kommt aus seinem einigen Willen durch die Offenbarung seines einigen Wortes hervor.

Jedes einzelne seiner Worte war in der Tiefe seines Denkens. Aber das einige Wort, das zuerst aus ihm hervorkam, hat alle (einzelnen) Worte und das Denken geoffenbart, indem es sprach. Das einige Wort kommt aus der Gnade, welche Schweigen ist.

(Die einzelnen Worte) nannten den Vater „Denken”, da sie in der schweigenden Gnade waren, bevor sie in Erscheinung traten. Das einige Wort aber trat zu dem Zeitpunkt in Erscheinung, als es dem Willen dessen, der will, gefiel. Der Wille aber ist es, in dem der Vater ruht und der ihm gefällt. Nichts entsteht ohne ihn, nichts entsteht ohne den Willen des Vaters. Und sein Wille ist unfassbar. Nur als Fußspur ist der Wille (für uns) da, und niemand kann ihn (unmittelbar) erkennen noch existiert er (für uns) so, dass man seine Aufmerksamkeit auf ihn richten könnte, um ihn zu erfassen. Sondern sobald der Vater will, ist, was er will, vorhanden, ob es (den Menschen) gefällt oder nicht. Nichts sind sie bei Gott, dem Willen.

Der Vater kennt Anfang und Ende von ihnen allen. Und am Ende wird er sie fragen: Was habt ihr getan? Das Ende aber bedeutet, Erkenntnis davon zu empfangen, was bis dahin verborgen war. (Erkenntnis) aber ist der Vater, von dem der Anfang ausgegangen ist. Zu ihm kehren alle, die von ihm ausgegangen sind, zurück.

Ins erscheinende Leben aber treten sie ihm zur Ehre und zur Freude seines Namens. Der Name des Vaters ist der Sohn.

Der Vater ist es, der zuerst den benannte, der aus ihm hervorging, der er selbst war. Denn er zeugte ihn als Sohn. Er gab ihm seinen Namen, der ihm gehörte.

Denn ihm gehören alle Dinge, sie sind bei ihm, dem Vater.

Er hat den Namen, er hat den Sohn. Der Sohn selbst kann sichtbar werden, der Name aber kann nicht sichtbar werden, weil er das ganze Geheimnis des Unsichtbaren ist. Es kann nur zu Ohren gelangen, die ganz von ihm erfüllt sind. Tatsächlich kann der Name des Vaters nicht ausgesprochen, nur in einem Sohn offenbar werden.

Denn groß ist der Name. Wer kann also den Namen, den großen Namen, aussprechen außer dem, dem der Name gehört, und außer den Söhnen des Namens, in denen sich der Name des Vaters zur Ruhe niedergelassen hat und die sich ihrerseits in seinem Namen zur Ruhe niedergelassen haben?

Da der Vater ungeworden ist, ist er es allein, der sich (den Sohn) als Namen hervorgebracht hat, bevor er den Äonen, (den Kräften der Welt), ihre Ordnung gab.

So ist der Name des Vaters über ihrem Haupt und er ist der Herr; das ist sein wahrer Name -, der sicher steht in seiner Macht und vollkommenen Stärke.

Denn sein Name gehört nicht zu den bloßen Bezeichnungen, er ist nicht einfach eine Benennung, sondern er ist unsichtbares (Wesen). Er (der Vater) gab seinen Namen allein (seinem Sohn), weil nur (der Sohn) den (Vater) sieht. Der Vater allein ist es, der dem Sohn einen Namen geben kann. Denn wer nicht existiert, hat auch keinen Namen. Welchen Namen sollte man jemandem geben, der gar nicht existiert? Dieser aber, (der Vater), existiert und daher existiert er auch mit seinem Namen, und der Sohn allein kennt den Vater und der Vater allein gibt dem Sohn seinen Namen.

Der Sohn ist der Name des Vaters.

Der Vater hat sich also nicht verborgen im Verborgenen, sondern er war der Sohn. Er allein gab dem Sohn seinen Namen. Der Name aber ist der des Vaters, ebenso wie der Name des Vaters der Sohn ist, das Erbarmen. Wo also sollte er einen Namen finden außer im Vater?

„Das ist doch selbstverständlich”, wird der Freund zum Freund sagen: „Wie kann einer jemandem, der vor ihm war, einen Namen geben? Empfangen die Kinder nicht den Namen von denen, die sie gezeugt haben?”

Wir müssen zuerst eines erkennen: Was ist dieser Name?

Es ist der wahre Name. Es ist der Name aus dem Vater, also der eigentliche Name. (Der Sohn) hat den Namen nicht wie andere als ein Darlehen erhalten, so wie das bei denen ist, die voneinander verschiedene Gestalten haben. Sondern er ist der eigentliche Name. Niemand anderer hat ihn ihm gegeben, und er war unnennbar und unaussprechbar bis zu dem Zeitpunkt, da der Vollkommene ihn aussprach. Und nur der Sohn ist es, der des Vaters Namen auszusprechen und den Vater zu sehen vermag.

Als es dem Vater gefiel, den Namen, seinen Namen, auszusprechen, der sein Sohn ist, und als der, der aus der Tiefe ist, den Namen gab, sprach dieser, (der Sohn), über das Verborgene (des Vaters), da er wusste, dass im Vater nichts Böses ist. Deshalb hat ja der Vater diesen Sohn hervorgebracht, damit er über den Ort und die Stätte des Vaters, der die Ruhe ist, aus der er hervorgekommen ist, spreche und die Fülle der Fülle, die Größe des Namens des Vaters und die süß schmeckende Güte des Vaters preise.

Und so spricht dann auch der Sohn über den Ort, aus dem jeder Mensch gekommen ist, damit er sich eilends zurück zu der Wohnung begebe, aus der sein wahres Wesen stammt.

Jeder soll wieder weggebracht werden aus diesen Orten, in denen er sich (solange) aufhielt, da er nun vom Ort (des Vaters) gekostet und Nahrung und Wachstum empfangen hat.

Und der Ruheort des Sohnes ist die Fülle der Fülle. Alles, was vom Vater ausgegangen ist, ist Fülle, und alles, was von ihm ausgegangen ist, hat seine Wurzel in ihm, der alles aus sich selbst hat wachsen lassen. Und jedem Einzelnen teilte er seine besondere Grenze (der Entwicklung) zu.

Und alle Einzelnen sind geoffenbart worden (als Erscheinungen), damit sie aus ihrem eigenen Denken Erkenntnis finden. Denn der Ort, zu dem sie dann ihre Gedanken senden, ist ihre Wurzel. Erheben sie sich zu ihr, werden sie in die höchsten Höhen zum Vater hinauf erhoben. Sie werden dann eins mit seinem Haupt, das ihre Ruhe ist, und ganz nahe halten sie sich bei ihm, so dass man sagen könnte, sie versicherten sich durch Küsse seines Anblicks.

Und solche Menschen treten nicht wieder ein in die Welt der Erscheinungen, denn sie erheben sich nicht über sich selbst. Weder gebricht es ihnen an Ehrerbietung gegenüber dem Vater, noch denken sie geringschätzig über ihn, noch halten sie ihn für grimmig oder zornig, sondern sie wissen, dass er ohne alles Böse ist, unerschütterlich und von süßer Güte.

Er kennt alle Räume der Welten, noch bevor sie entstanden sind, und hat es nicht nötig, dass man ihn belehrt.

So also sind diejenigen beschaffen, die an der unermesslichen Erhabenheit der Höhe teilhaben, indem sie nur auf den einen warten, den Vollkommenen, der für sie da ist. Sie brauchen nicht mehr in die Reiche der Hölle hinunterzutauchen, noch ist Begierde oder Qual oder Tod in ihnen. Sondern sie ruhen im Ruhenden, werden nicht gequält durch Sehnsucht nach der Wahrheit und sind nicht verwickelt in die Suche nach der Wahrheit. Im Gegenteil: sie selbst sind die Wahrheit. Und der Vater ist in ihnen und sie sind im Vater. Denn sie sind vollkommen und untrennbar von dem wahrhaft Guten und leiden keinen Mangel an irgendetwas, sondern sie leben in der Ruhe und werden stets vom Geist erquickt.

Und sie erkennen ihre Wurzel, sie haben Zeit, sich ihrer Wurzel zuzuwenden und fügen ihrer Seele keinen Schaden zu.

Das ist der Ort der Seligen, ja das ist ihr Ort.

Die übrigen mögen, an ihren (unteren) Orten, wissen, dass ich von nichts anderem mehr sprechen kann, nachdem ich mich einmal an diesem Ort der Ruhe befunden habe. Denn dort will ich bleiben und mich für alle Zeiten mit dem Vater des Alls beschäftigen und mit meinen wahren Brüdern, über die sich die Liebe des Vaters ergießt und in deren Mitte kein Mangel an ihm ist.

Sie sind es, die in der Wahrheit offenbar werden, weil sie im wahren, ewigen Leben sind und stets von dem vollkommenen Licht sprechen, das voll ist von der Zeugungskraft, (dem Samen), des Vaters und das in seinem Herzen und in der Fülle der Fülle ist.

In einem solchen (Vollkommenen) freut sich der Geist (des Vaters) und preist den, in dem (der Vollkommene) ist. Denn (der Vater) ist gut, und seine Kinder sind vollkommen und seines Namens würdig.

Und solche Kinder liebt der Vater.

Aus: Apokryphe Evangelien aus Nag Hammadi, 
neu formuliert und kommentiert von Konrad Dietzfelbinger, Dingfelder Verlag, Andechs 1988

Abb.: Valentinus
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