Poesie Lyrik

Tagore, Rabindranath: Pause

Erlaube mir, nur eine kurze Zeit
Ganz dir mich zuzuwenden:
Das Werk, der schwebenden Stunde geweiht,
Ich will es später vollenden.

Bin ich ferne von deinem Angesicht,
Dann find ich nicht Ruhe noch Rast,
Mein Werk, es sichtet das Ufer nicht
Im Meere der Mühe und Last.

Sein Summen und Seufzen trägt heute zu mir
Der Sommer zum Fenster herein;
Die Bienen murmeln ihr Minnebrevier
Im Tempel, dem blühenden Hain.

Oh, jetzt ist Zeit, sich der Muße zu weihn:
Ich schmiege mich ganz dir zu
Und singe dir dar mein Leben und sein
In der schweigenden, schwelgenden Ruh.

Abb.:Tagore, Rabindranath 1861 – 1941  bengalischer Dichter
1 Kommentar
  • norbert prettenthalerBeantworten

    gerade in zeiten des turbokapitalismus und der gallopierenden vorwärts hastenden zeitlosen beschleuniger entdeckt das intervall der pause in ruh die ruach - den geist - der gewartet hat und singt.

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