Persönlichkeiten

René Descartes: Substanz, die keines anderen Wesens bedarf

Das Dasein Gottes wird bloß dadurch empirisch (a posteriori) bewiesen, dass die Idee desselben in uns ist. Unter Substanz können wir nur ein Wesen verstehen, welches so existiert, dass es zu seiner Existenz keines andern Wesens bedarf. Und zwar kann unter der Substanz, die in keiner Weise eines anderen Wesens bedarf, nur eine einzige verstanden werden, nämlich Gott. Dagegen lassen sich die körperliche Substanz und der geschaffene Geist oder die denkende Substanz unter diesen gemeinschaftlichen Begriff fassen, dass sie Wesen sind, die zu ihrer Existenz bloß Gottes Mitwirkung bedürfen. In den Dingen, worüber die Religion Nichts lehrt, darf der Philosoph nichts für wahr gelten lassen, das er nicht als wahr eingesehen hat, und wenn er den Sinnen mehr Glauben schenkt, so heißt dies so viel, als den unbedachten Urteilen des kindischen Alters mehr trauen als der reifen Vernunft.

René Descartes, 1596-1650, lat. Cartesius. Bedeutsamster Vertreter eines
rationalistischen Weltbildes und mechanisch-mathematischer Naturauffassung.
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