Literatur

Schöpfungsgedicht der Kurden

War der Atem schwer,
alt geworden vor der Zeit,
gab es keinen, der den Frieden
ruhelos gefunden, eh er ihn besaß,
wurde niemand je gefragt,
ob der Anfang aller Dinge
Gott gewollt – so wie der Vater
Schöpfer seines Sohnes ist.

Nahm die Kette aller Folgen
das Gesetz in ihre Hand
und die Menschen unserer Erde
wurden Spielzeug –
unwillkürlich wurde alles Handeln
ihnen entzogen,
bis die Spitzen dieses Sturmes
der Welten Gefüge erzittern ließen.

Denken jemals, Mann und Frau,
an das Morgen, wenn die Lust
vereinter Freuden Leben zeugt?

Alles ist in dieser Zeit nur ein Borgen,
abgelaufen ist die Frist,
die dem Wort des Buches folgend
jeden auf den gleichen Weg,
alle Güter dieser Erde
unbesehen in die Wiege
seines Anfangs legt.
Nicht verschlossen – weit geöffnet
liegt das Sein der glücklich‘ Hoffnung
jedem, der noch hoffen kann,
offen in bereiten Händen.
Glücklich ist, der suchend bleibt.

Vollendet wie das Gotteswort
ist die Hoffnung,
und der Tod gleicht nur dem Ende,
nicht dem Sein im Reich des Lichtes.

Text aus: Das ungeschriebene Buch der Kurden
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