Aufrüttelnde Texte

Richard Wagner: Gralserzählung aus Lohengrin

Im fernen Land, unnahbar euren Schritten,
Liegt eine Burg, die Monsalvat genannt.

Im fernen Land, unnahbar euren Schritten,
Liegt eine Burg, die Monsalvat genannt.
Ein lichter Tempel stehet dort inmitten,
So kostbar, wie auf Erden nichts bekannt:
Drin ein Gefäß von wundertät’gem Segen
Wird dort als höchstes Heiligtum bewacht;
Es ward, daß sein der Menschen reinste pflegen,
Herab von einer Engelschar gebracht.
Alljährlich naht vom Himmel eine Taube,
um neu zu stärken seine Wunderkraft:
Es heißt der Gral, und selig reinster Glaube
Erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft.
Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren,
Den rüstet er mit überird’scher Macht;
An ihm ist jedes Bösen Trug verloren;
Wenn er ihn sieht, weicht dem des Todes Nacht.
Selbst wer von ihm in ferne Land’ entsendet,
Zum Streiter für der Tugend Recht ernannt,
Dem wird nicht seine heil’ge Kraft entwendet,
Bleibt als sein Ritter dort er unerkannt.

Gemälde von Auguste Renoir: Richard Wagner

Foto von Hermann Achenbach: Blick von der Burg Roquefixade


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