Evangelien

Maori: Die Schöpfungen

Erste Periode (Gedanke)

Von Empfängnis zu Wachstum,
Von Wachstum zu Gedanke,
Von Gedanke zu Erinnerung,
Von Erinnerung zu Bewusstsein,
Von Bewusstsein zu Verlangen.

Zweite Periode (Nacht)

Die Welt wurde fruchtbar,
Sie wohnte im schwachen Schimmer,
Sie brachte die Nacht hervor,
Die große Nacht, die lange Nacht,
Die tiefste Nacht, die höchste Nacht,
Die undurchdringliche Nacht, die man spüren kann,
Die Nacht, die zum Schneiden ist,
Die Nacht, die man nicht sieht,
Die Nacht des Todes.

Dritte Periode (Licht)

Vom Nichts die Zeugung,
Vom Nichts das Wachstum,
Vom Nichts der Überfluss,
Die Macht des Wachstums,
Der lebende Atem.
Er wohnte im leeren Raum,
Er zeugte die Luft, die über uns ist,
Die Luft, die über der Erde schwebt.
Das große Firmament über uns wohnte in der
Morgendämmerung,

Und der Mond kam hervor.
Die Luft über uns wohnte in der Hitze,
Und die Sonne trat hervor.
Sie wurden nach oben geworfen,
Als die großen Augen des Himmels.
Da wurden die Himmel hell,
Die Morgendämmerung, der frühe Tag,
Der Mittag,
Der Glanz des Tages am Himmel.

Abb.: Maorikunst
In abstrakten Schritten wird die Schöpfung bei den Ureinwohnern Neu Seelands, 
den Maori in einem der großartigen Maori-Gesänge beschrieben. Es wird keine Gottheit 
vorausgesetzt. Eher scheint es, dass der Schöpfungsvorgang vom Menschen als innere 
Erfahrung und darum objektiv geschieht.
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