Alchemie

Rumi Dschelaladdin: Wie ich die Liebe auch erklären will

Wie ich die Liebe auch erklären will –
Komm ich zur Liebe, schweig ich schamvoll still.
Erklärung mag erleuchten noch so sehr,
Doch Liebe ohne Zungen leuchtet mehr.

Die Feder eilt im Schreiben, kaum zu halten –
Kommt sie zur Liebe, muss sie gleich sich spalten.
Verstand, der deutet: Esel im Morast!
Die Liebe wird nur durch die Lieb erfasst.
Nur Sonne von der Sonne Zeichen gab.
Brauchst Zeichen du, wend dein Gesicht nicht ab.
Der Schatten mag von ihr wohl Zeichen geben –
Die Sonne schenkt der Seele Licht und Leben…
Fremd bist du in der Welt ohn Sonnenlicht _
Der Seele Sonne bleibt, kennt Zeichen nicht.
Steht auch die Sonne draußen ganz allein –
Leicht bildest du dir ihresgleichen ein.
Der Seele Sonne, frei vom Ätherband,
Ihr ähnelt nichts im All, nichts im Verstand.
Einbildungskraft hat keinen Raum für sie,
Nie nahte Ähnliches der Phantasie…

Abb.: Rumi Dschelaladdin 1207 – 1273  Persischer Sufi
Text: Aus dem Methnewi von Rumi
Gemäldeausschnitt: Elli Vincon
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