Evangelien

Hermes Trismegistos: Befreit Euch von dem dunklen Licht

1. Befreit Euch von dem dunklen Licht und nehmt teil an der Unsterblichkeit, indem Ihr für immer Abschied nehmt vom Verderben.

2. Aber das will man nicht, und das versteht man auch nicht, denn man hält das dunkle Licht für das wahrhaftige Licht. Wenn jemand, der den Besitz eines innerlichen Königreiches entdeck hat, ein sehr starkes Ich-Leben hat und als reicher Jüngling seinen Besitz negativ pflegt, dann wird er, wenn wir zu ihm kommen und sagen: „Ihre Lebenshaltung taugt nichts, Sie ergeben sich einem Wahn,” sicherlich sehr böse werden. Wir weisen hierauf hin, weil dieses den Leser zur Selbstprüfung zwingt und weil wir Sie zu einem selbst entdeckenden Leben drängen wollen.

3. Befreit Euch von dem dunklen Licht und nehmt teil an der Unsterblichkeit, indem Ihr für immer Abschied nehmt vom Verderben. Dieses Wort der befreienden Liebe, der immer wirksamen Gnosis, will man nicht annehmen und vielleicht versteht man es auch noch nicht, weil man das dunkle Licht für das wahrhaftige Licht hält. Der dialektische Mensch ist ein fürstliches Wesen in der All-Natur, begabt mit gewaltigen Kräften. Alle Möglichkeiten der dialektischen Natur können in ihm und durch ihn frei werden. Der Fürst lässt sich nicht einfach entthronen. Man meint dann auch oft, wenn nicht immer, dass die Naturgestalt der wahre Mensch ist. Darum weckt der hermetische Diener bei vielen Unglauben, Spott und Widerstand. Gerade darum treibt der hermetische Mensch, ohne es zu wollen, so viele auf den Weg des Todes, den endlosen Weg der Erfahrung, den Weg der Strafe, weiter durch immer größere Bitterkeiten.

Es gibt aber, Gott sei Dank, auch solche, die hören und verstehen. Sie bilden zusammen die Ernte. Diese Ernte formt eine Gruppe, die von unten her den Pfad zu gehen beginnt. Diese Gruppe bildet eine Bruderschaft, eine Gnosis und ein Arbeitsfeld. So wächst ein gnostisch-magnetisches Strahlungsfeld, ein Lebendiger Körper, welcher fünffach wird und der durchbricht zu den Orten der der göttlichen Fülle. Bei dieser Arbeit vieler, durch viele, für viele, lernen alle Seelenarbeiter die Wege und die Mittel kennen, die zur Überwindung führen können. Schließlich werden alle in das Weisheitselixier, in das Wasser des wahren Lebens, getaucht.

So erweist sich, dass dieses alles den Teilhabern der jungen Gnosis völlig bekannt ist. Sie sind in einer Gruppe aufgenommen und bilden zusammen eine hermetische Bruderschaft. Die Urgnosis, die seit Jahrtausenden im Pymander des Hermes davon zeugt, beweist sich so in unseren Tagen bis in die kleinsten Besonderheiten erneut in der modernen jungen Gnosis. Und auch wir gehen weiter, von Kraft zu Kraft, bis zur sicheren Überwindung: vorausgesetzt, dass Sie mit uns gehen und mit uns die Konsequenzen ziehen; denn nur dann hat das Schülertum in einer gnostischen Geistesschule einen Sinn. Ein Schülertum, das die Konsequenzen negiert, schafft für den Betreffenden nur Gefahren, weil er bei einer solchen negativen Selbstdeklaration unvermeidlich den Weg der immer größeren Bitterkeiten gehen muss: den Weg des Todes, wie Pymander es sagt.

Abb.: Hermes Trismegistos
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