Alchemie

Hermes Trismegistos: Alles ist in Gott

70. Alles ist in Gott; jedoch nicht wie an einem bestimmten Platz, denn ein Platz ist körperlich und unbeweglich, und was irgendwo seinen Platz hat, zeigt keine Bewegung; die Dinge erscheinen im Unkörperlichen und auf eine völlig andere Art.

71. Wenn Du an ihn denkst, der alles in sich beschlossen hält, bedenke dann vor allem, dass nichts imstande ist, das Unkörperliche zu umgrenzen und dass nichts schneller und mächtiger ist als er. Er ist der Unbegrenzte, der Schnellste und der Mächtigste.

72. Prüfe es auch einmal bei Dir selbst, Befiehl Deiner Seele, nach Indien zu gehen und sie wird da sein, noch ehe Du es ihr befohlen hast.

73. Befiehl ihr, zum Ozean zu gehen und sie wird im gleichen Augenblick dort sein; nicht so, als ob sie eine Reise von einem ort zum andern unternommen hätte, sondern so, als ob sie sich schon dort befunden hätte.

74. Befiehl ihr sogar, zum Himmel aufzusteigen, sie wird dazu keiner Flügel bedürfen. Nichts kann sie behindern, weder das Feuer der Sonne noch der Äther, weder die gesetzmäßige Bewegung des Firmaments noch die Körper der Sterne; sie wird alle Räume durcheilen und sich in ihrem Flug bis zum äußersten Himmelskörper erheben.

75. Und wenn Du dann noch das Gewölbe des Universums selbst durchbrechen willst, um anzuschauen, was da draußen ist – jedenfalls, wenn etwas außerhalb der Welt besteht – dann kannst du auch das.

76. Sieh, welche Macht, welche Geschwindigkeit du besitzt! Und wenn Du das alles kannst, sollte Gott es dann nicht können?

77. Darum musst Du Gott so sehen: Alles, was ist, hält er als Gedanken in sich beschlossen: die Welt, sich selbst, das All.

78. Wenn du selbst nicht Gott gleich wirst, kannst Du ihn nicht verstehen; denn nur das Gleiche versteht das Gleiche.

79. Wachse auf zu maßloser Größe, entsteige allen Körpern, erhebe Dich über alle Zeit, werde Ewigkeit. Dann wirst Du Gott verstehen.

80. Lass den Gedanken Dich durchdringen, dass dir nichts unmöglich ist, betrachte Dich als unsterblich und fähig, alles zu verstehen, alle Kunst, alle Wissenschaft, die Art all dessen, was lebt.

Text: Ägyptische Urgnosis, 1. Teil von Jan van Rijckenborgh
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