Freiheit

Helga Günther: Tagesanbruch

Wenn in dunkler Nächte Kammer
peinigend die Unruh quält,
und der ganze Erdenjammer
dich bedrückend überfällt,

dann mag Einsicht dir beschieden
sein in die Vergänglichkeit
allen Hassens, allen Liebens
deiner kurzen Erdenzeit.

Drehst dich suchend stets im Kreise
bis die Seele müde ist
einer hoffnungsleeren Reise,
die des Lichtes Glanz vermisst.

Fragst dich nach dem Sinn des Lebens,
den du nicht im Dasein find’st;
wo das Ende allen Strebens
grausam dir entgegengrinst.

Fragst nach Auftrag, Ziel und Richtung,
die dich retten aus der Not
aller irdischen Verflechtung
und der Qual von Leid und Tod.

Trennst dich von den alten Welten,
die dich binden an den Wahn;
niemals ihr Versprechen halten
und dich zieh’n auf falsche Bahn.

Suchst nicht mehr nach Glück und Freiheit
In der kalten Erdenpracht;
find’st im Innern deiner Kleinheit,
was dir hilft aus dunkler Nacht.

Hoffst auf Gott, den Allerhöchsten,
dass er gebe, was dir fehlt,
weil du stets allein zum Besten
deines Egos hast gewählt!

Musst zuerst dein Ich verlieren,
werden wie ein Kind so klein;
eh’ du Gottes Wort kannst hören,
musst du still im Herzen sein.

Deine Seele kennt die Wahrheit,
bringt dich auf die rechte Bahn;
führt dich auf dem Weg der Klarheit
fort aus allem Erdenwahn.

Gemälde: Ulla Schreiber (Ausschnitte)
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