Gnosis

Intermediarius: aus Die Weisheitslehre des heiligen Graal

„Heilbegehren”

Solange der Mensch, auf Erden lebend, noch. hineinschauen kann in die höheren Regionen, die er verlassen hat, so lange hat jener geistige Kern, der in die irdische Form eingeschlossen ist, noch Nahrung aus der Sehnsucht nach der Wiederkehr zum Paradiese.

Je mehr aber die irdische Form sich mit der Verfestigung der Erde gleichfalls verdichtet und der Mensch, während er auf Erden lebt, statt der höheren Regionen zunächst die Wesen und Kräfte wahrnimmt, die ganz zur Erd-Entwicklung gehören — sodann jene, die nur auf Erden wirken, bis er schließlich nur noch Organe hat, die ihn befähigen, die Formen seiner irdischen Umwelt wahrzunehmen, welche durch die Wesen der 4 Elemente aufgebaut sind, desto fester wird der geistige Kern mit der Erde verbunden, desto stärker ist auch die Wirkung der zur Form und zur Erde gehörenden Kräfte. Es wird dem Menschen dann immer schwieriger beim Tode, das Band zu lösen, das diesen geistigen Kern mit der irdischen Form verbindet, und die zu ihr gehörigen Kräfte, als das feinere Kleid, ebenso zu verlassen. Der Tod wird dem Menschen immer schmerzvoller im Laufe der Zeiten. Wenn anfänglich noch an Befreiung gedacht wurde, als der Erdenmensch nach den höheren Regionen sich sehnte, so nahm das Interesse für die Erde selber in dem Maße zu, dass der Mensch die Beziehung zum Geistigen verlor, bis zuletzt die Trennung von der irdischen Form und vom Leben auf Erden als etwas Tragisches betrachtet wird. Mit dieser Auffassung verbindet sich das noch schmerzvollere Erlebnis, welches auftritt, wenn der geistige Kern auch die an die Erde gebundenen Kräfte als das feinere Gewand ablegen muss. Dies ist der zweite Tod, der von dem erdgebundenen Menschen schmerzlicher empfunden wird als der erste Tod, weil die materielle Hülle nicht so fest mit dem geistigen Kern selber verwoben ist wie die zarte Hülle, die aus seelischen Kräften besteht.

Johanna van der Meulen schrieb unter der Bezeichnung Intermediarius eine Gesamtschau der 
Trinität, der himmlischen Welten und der kosmischen Entwicklung. Sie knüpft mit ihren 
Schriften an die Theosophie, die Anthroposophie und die Rosenkreuzerströmungen Anfang des 20. Jh. an.
Foto: Hermann Achenbach
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