Frieden

Khalil Gibran: Die beiden Eremiten

Auf einem einsamen Berg lebten zwei Eremiten, die Gott im Gebet
verehrten und einander liebten. Beide besaßen nur eine irdene Schale,
und diese war ihr einziger Besitz.

Eines Tages beschlich ein böser Geist den älteren der beiden. Der
ging darauf zu dem jüngeren und sagte: „Lange lebten wir zusammen.
Es ist Zeit, dass wir uns trennen. Lass uns unseren Besitz teilen.”

Da war der jüngere Eremit traurig und sagte: „Es betrübt mich, Bru-
der, dass du mich verlassen willst. Aber wenn du gehen musst, so soll es
sein.”

Und er brachte die irdene Schale und gab sie dem anderen mit den
Worten: „Wir können sie nicht teilen, Bruder, sie sei dein.”

Da erwiderte der ältere: „Ich nehme keine milden Gaben. Ich will
nichts als mein Eigentum. Es muss geteilt werden.”

Der jüngere sagte: „Wenn die Schale erst zerbrochen ist, wem wäre
sie dann noch von Nutzen? Lass uns das Los werfen.”

Aber der Alte entgegnete: „Ich will Gerechtigkeit und mein Eigen-
tum und werde sie nicht blindem Zufall überlassen. Die Schale muss ge-
teilt werden.”

Da konnte der jüngere nicht länger rechten und sagte: „Wenn es also
durchaus dein Wille ist, dann lass uns die Schale zerbrechen.”

Da wurde der Alte blutrot vor Zorn und schrie: „Verdammter Feig-
ling, du willst nicht streiten!”

Eines Tages beschlich ein böser Geist den älteren der beiden. Der
ging darauf zu dem jüngeren und sagte: „Lange lebten wir zusammen.
Es ist Zeit, dass wir uns trennen. Lass uns unseren Besitz teilen.”

Da war der jüngere Eremit traurig und sagte: „Es betrübt mich, Bru-
der, dass du mich verlassen willst. Aber wenn du gehen musst, so soll es
sein.”

Und er brachte die irdene Schale und gab sie dem anderen mit den
Worten: „Wir können sie nicht teilen, Bruder, sie sei dein.”

Da erwiderte der ältere: „Ich nehme keine milden Gaben. Ich will
nichts als mein Eigentum. Es muss geteilt werden.”

Der jüngere sagte: „Wenn die Schale erst zerbrochen ist, wem wäre
sie dann noch von Nutzen? Lass uns das Los werfen.”

Aber der Alte entgegnete: „Ich will Gerechtigkeit und mein Eigen-
tum und werde sie nicht blindem Zufall überlassen. Die Schale muss ge-
teilt werden.”

Da konnte der jüngere nicht länger rechten und sagte: „Wenn es also
durchaus dein Wille ist, dann lass uns die Schale zerbrechen.”

Da wurde der Alte blutrot vor Zorn und schrie: „Verdammter Feig-
ling, du willst nicht streiten!”

Gemälde: Khalil Gibran: Harmonie auf dem Gipfel

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