Mythologie

Friedrich von Schiller: Die Antike an einen Wanderer aus Norden

Über Ströme hast du gesetzt und Meere durchschwommen,
Über der Alpen Gebirg trug dich der schwindliche Steg,
Mich in der Nähe zu schauen und meine Schöne zu preisen,
Die der begeisterte Ruf rühmt durch die staunende Welt;

Und nun stehst du vor mir, du darfst mich Heil’ge berühren,
Aber bist du mir jetzt näher und bin ich es dir?
Hinter dir liegt zwar dein neblichter Pol und dein eiserner Himmel,

Deine arkturische Nacht flieht vor Ausoniens Tag,
Aber hast du die Alpenwand des Jahrhunderts gespalten,
Die zwischen dir und mir finster und traurig sich türmt?
Hast du von deinem Herzen gewälzt die Wolke des Nebels,
Die von dem wundernden Aug wälzte der fröhliche Strahl?
Ewig umsonst umstrahlt dich in mir loniens Sonne,
Den verdüsterten Sinn bindet der nordische Fluch.

Selbstportrait von Marie Braquemond

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