Kultur

Fedor Dostojewskij: Darin liegt der ganze Glaube

Die Verneiner Gottes und Christi haben nicht einmal daran gedacht, wie ohne Christus in der Welt alles sofort schmutzig und sündhaft wird… Indem sie Christus beseitigen – entfernen sie das unerreichbare Ideal der Schönheit und Güte aus der Menschheit… Christus ist ja doch nur deswegen gekommen, damit die Menschheit es erfahre, dass auch ihre irdische Natur, der menschliche Geist wirklich in einem so himmlischen Glanz tatsächlich und leibhaftig erscheinen kann und nicht nur geistig, als Ideal. Die Anhänger Christi, die dieses durchleuchtete Fleisch anbeteten, bewiesen unter den grausamsten Martern, welch Glück es ist, diese Leibhaftigkeit in sich zu tragen, der Vollkommenheit dieser Gestalt nachzuahmen und an ihre Leibhaftigkeit zu glauben. Die anderen aber, die das sahen, welch ein Glück diese Leibhaftigkeit gab, kaum dass der Mensch anfing, ihrer teilhaftig zu werden und sich in Wirklichkeit ihrer Schönheit zu nähern – wunderten sich, staunten und wollten schließlich selbst diese Seligkeit genießen: sie wurden Christen und freuten sich schon im voraus der Qualen. Das Ganze liegt hier eben darin, dass „das Wort” wirklich „Fleisch” ward. Darin liegt der ganze Glaube und der ganze Trost der Menschheit, der Trost, auf den sie niemals verzichten wird.

…Liebet die ganze Schöpfung Gottes, die ganze Welt und jedes Sandkörnchen auf Erden! Jedes Blättchen, jeden Lichtstrahl Gottes habet lieb! Liebet die Tiere, liebet die Pflanzen, liebet jedes Ding! Wirst du aber jedes Ding lieben, dann wirst du auch Gottes Geheimnis in den Dingen erfassen.

Fedor Dostojewskij, 1821-1881; russischer Romanschriftsteller
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