Poesie Lyrik

Claudius Matthias: Der Mensch

Empfangen und genähret
Vom Weibe wunderbar,
Kömmt er und sieht und höret
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret
Und bringt sein Tränen dar;
Verachtet und verehret,
Hat Freude und Gefahr;

Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet und zerstöret
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst und zehret;
Trägt braun und graues Haar.
Und alles dieses währet,
Wenns hoch kommt, achtzig Jahr.

Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder,
Und er kömmt nimmer wieder.

Gemäldeausschnitt: Bettina Runge
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