Philosophie

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Schiller am 10.11.2009: Der Freiheitsgedanke

Sollte es mehr als ein Zufall sein, dass Friedrich Schillers 250. Geburtstag am 10.11.2009 mit dem Fall der Mauer vor 20 Jahren zusammenfällt? Ich vermute, dass der Mauerfall ein Ereignis nach Friedrich Schillers Geschmack gewesen sein dürfte. Warum können wir das annehmen? Schillers Dichtung ist von Freiheitsliebe und Freiheitsdrang durchdrungen. Er entflammte Unzählige mit dem Impuls der Freiheit, der in ihm wirkte. Es ist ein Impuls, der zu den tiefgehendsten Anliegen von Menschenhäuptern und Menschenherzen gehört.

Schiller selbst hatte unter staatlicher Kuratel in verschiedener Art und Weise gelitten. Aber er war ein Mensch, der sich vor autokratischen Maßregelungen auf seine eigene geistige Art distanzieren konnte. Er konnte sich seelisch einen Platz der Freiheit erringen, auch wenn er sich äußerlich in Unfreiheit befand. In dieser Hinsicht lebte er der Menschheit etwas vor.

Vor allem in seinen philosophischen und psychologischen Schriften setzte sich Schiller intensiv mit dem Wesen des Menschen auseinander.

Wie sah er den Menschen und welches Menschheitsziel stand ihm vor Augen?

In vielen Abhandlungen, so auch in seiner Schrift über die ästhetische Erziehung des Menschen, sucht er nach der wesentlichen Essenz des Menschen, die ihn befreit von der Diktatur der Sinnesorgane und einer Denkkraft, die hauptsächlich auf stoffliche Aspekte gerichtet ist. Es sind diese beiden Pfeiler, der sinnliche Tiermensch und der Mensch als denkendes Wesen, die er vereinen und einer höheren Ebene zuführen will. Wenn er feststellt, dass der abstrakte Denker oft ein kaltes Herz hat und der Tiermensch nur durch Pflicht und Vernunft sich verändern kann, stehen ihm Lösungen vor Augen.

Die befreiende Synthese sah Schiller in der Schönheit. Sie verknüpft nach seiner Auffassung die zwei entgegengesetzten Zustände des Empfindens und des Denkens auf der höheren Ebene. „Der Künstler ist da, um die Menschheit zur inneren Harmonie zu führen.”

Die Schönheit, die hier gemeint ist, ist so etwas wie der goldene Schnitt im Denken, Fühlen und Wollen, wodurch der Mensch zur Freiheit gelangen soll. „Harmonie, Wahrheit, Ordnung, Schönheit, Vortrefflichkeit geben mir Freude, weil … sie mir die Gegenwart eines vernünftig empfindenden Wesens verraten und meine Verwandtschaft mit diesem Wesen mich ahnen lassen”, so schreibt er in seinen Philosophischen Briefen.

Freiheit des Gemütes ist eine Tugend, die erobert werden will.
Sie benötigt Ideen, Wagemut, Liebe, um ins Dasein zu treten. Sie liebt die Abhängigkeit nicht. Sie muss sich selbst erobern.

Und was verstehen wir heute unter Freiheit? Wir sehen vor allem materielle Freiheiten, die sich auf unseren Körper, unsere Beschäftigung, das Geld, also insgesamt gesehen auf die äußere Entfaltung unserer Persönlichkeit beziehen. Aber aus Erfahrung wissen wir, dass diese Lebensäußerungen einer ständigen Veränderung unterliegen.

Schiller spricht eine Freiheit an, die die Grenzen der materiellen Welt hinwegnimmt. Wo ist sie zu finden? Nach meiner Erfahrung nicht in der uns bekannten dreidimensionalen Welt, weder in der stofflichen noch der feinstofflichen.

Freiheit vom Stoff, vom Griff der Materie, der den Menschen in vielerlei Hinsicht einengt, gibt es nur auf einer zu erringenden Seelenebene.

Nur derjenige, der sich den göttlich-geistigen Kräften zuwendet, die nicht von dieser dreidimensionalen Welt sind, kann sich seelisch über die Grenzen erheben. Nach langem Suchen in der Welt der Materie kann eine „Urerinnerung” aufleuchten und das geistige Licht in uns freilegen. Ein „Lichtfunke” aus dem eigenen Innersten kann aufflammen. Er ist Träger der Ideale.

In einer Gemeinschaft mit Gleichgesinnten, die ein „Feld des Lichtes” aufbauen, kann ich den geistigen Lichtfunken in mir stärken.

Friedrich Schiller sagt:
Darum ist unbegrenzte Freiheit nur im seelischen Bereich zu finden. Die Seele kann sich frei fühlen von Zeit und Raum.

Flügel gibt ihr die Liebe:
die Liebe zur Natur;
die Liebe zum Nächsten;
die Liebe zum Du;
die Liebe zum Göttlichen.

„Alle Geister werden angezogen von der Vollkommenheit. … Anschauung des Schönen, des Wahren, des Vortrefflichen ist augenblickliche Besitznehmung dieser Eigenschaften. Welchen Zustand wir wahrnehmen, in diesen treten wir selbst. In dem Augenblick, wo wir sie denken, sind wir Eigentümer einer Tugend …”.

In der Liebe ruht das Geheimnis, „das Ewige aus dem Vergänglichen zu retten”. Diese Sätze aus den Philosophischen Briefen gleichen einem Wegweiser, der über die Jahrhunderte hinweg wirkt. Sie entfalten ihre Wirksamkeit, wenn im Leben von Einzelnen und Völkern der richtige Zeitpunkt hierfür gekommen ist.

Abbildung: Gemälde von Friedrich Schiller (wikipedia)
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