Gnosis

Zimt, Koriander, Myrrhe, Weihrauch und Gold – der Duft aus Zeiten Salomos und der Königin von Saba

In der Zeitschrift Herz-Heute der Deutschen Herzstiftung las ich kürzlich einen Artikel über die positiven Einflüsse von Musik auf Krankheiten der Menschen. So soll u.a. Georg Friedrich Händels Ouvertüre zur Ankunft der Königin von Saba aus seinem Oratorium „Salomo” bei Herz-Kreislauf-Krankheiten verblüffende therapeutische Wirkungen zeigen. Sofort musste ich diese Musik anhören. Ich kannte sie schon, doch nun hörte ich sie auf neue Weise. Sie regte unmittelbar an, mitzuschwingen, zu tanzen, zu dirigieren. Die Stimmung änderte sich spontan.

Was hat es mit Salomo und der sabäischen Königin auf sich?

Einige Worte aus dem Oratorium versetzen uns 3.000 Jahre zurück in die Vergangenheit.

Nicaule (die Königin von Saba):

Von Arabiens würz´gem Strand,
den das dunkle Meer umgrenzt,
komm ich her, zu sehn dies Land,
wo dein Nam´ und Ruhm erglänzt.

Salomo (König Israels):

Sei uns willkommen! So hohen Gast
empfängt mit Freuden mein Palast,
den Tempel unsers Herrn sieht hier dein Aug´,
glanzvoll erhöht dem heil´gen Opferbrauch.
All unsern Schatz erblickst du hier
im Zedernbau voll Gold und Zier.

Salomo, der Sohn Davids und Bathsebas, hatte den königlichen Thron von Israel bestiegen. Sein Reichtum und seine Weisheit wurden sprichwörtlich. Die Thronfolge hatte er durch Intrigen Bathsebas sowie Mord und Todschlag erreicht. Die Legenden lesen sich wie Skandalberichte. Salomo, der es vorzog, Reichtümer zu sammeln, statt Kriege zu führen, besaß 700 Frauen und 300 Kebsweiber. Jehova nahm es ihm ernsthaft übel. Nun kam auch noch die Königin von Saba zu Besuch, Balkis, Nicaule, die Schönheit mit Schwimmhäuten an einem Fuß. Die Bibel berichtet von Gold und Gewürzen als Gastgeschenke und dass Weisheit und Prunk Salomos die Erwartungen der Königin weit übersteigen.

Es gibt Quellen, die behaupten, ein Sohn Salomos und der Balkis sei der Urahne der Negusse von Abessinien gewesen. Über Jahrhunderte hin zog sich der Streit, ob die Königin von Saba aus Äthiopien oder aus dem sagenumwobenen Reich im heutigen Jemen stammte, einer 1.500-jährigen Hochkultur, die unermesslichen Reichtum aus Gold- und Kupfervorkommen sowie vor allem aus der Gewürzproduktion erzielte.

Salomo, der im Traum mit Gott kommunizierte, kannte die damaligen religiösen Kulte gut, denn seine Frauen stammten aus allen Teilen der zu seiner Zeit bekannten Welt, aus den Ländern Afrikas, Asiens und Indiens. Er gestattete ihnen sogar ihre Religionen auszuüben. Weisheit und Toleranz waren an Salomos Hof gegeben.

War Salomo der esoterische Mensch, der das Bewusstsein der Erinnerung an den göttlichen Urgrund hatte?

Das erste Buch der Könige deutet Salomo als verantwortliches Ich mit einem verständigen Herzen an, das Einsicht in die geistige Welt hatte. Den für die Verwirklichung des Pfades notwendigen Tempel konnte Salomo allerdings nicht selbst bauen! Hierzu engagierte er den König von Tyrus, Hiram Abiff, den sogenannten Meisterbauer. Der Meisterbauer ist der transfigurierte Mensch, der die Mittel und Wege kennt, den wahren, inneren göttlichen Tempel zu errichten.

Im Altertum gab es immer wieder Perioden, in denen die religiösen Menschen von Eingeweihten geführt wurden. Diese Zeiten sind allerdings schon lange endgültig vorbei. Eine Rückführung des religiösen Menschen in die alttestamentarische Bevormundung ist nicht mehr möglich. Es ist nur noch möglich, ohne Zwischeninstanzen, frei von Autoritäten den Pfad in Eigenautorität, in freier Entscheidung zu gehen. Dazu ist es wie zu allen Zeiten notwendig, dass die Seele wieder bereit und in der Lage ist, sich mit der geistigen Kraft zu vereinigen.

Die Berichte aus der Vergangenheit können uns dabei als Symbole dienen, die die Stationen auf dem inneren Weg andeuten.

Die Symbolkraft der Bilder in Händels Oratorium ist eindeutig:

Das Streben nach Weisheit und geistigem Gold macht die Seele bereit, dem Geist zu begegnen.

Der Legende nach streiten zwei Mütter um ein neu geborenes Kind. Salomo spricht es der Frau zu, die verzichtet, damit es nicht durch das Schwert geteilt werde.
Das Neugeborene, das geistige Prinzip im Menschen wird durch das weise Urteil Salomos vor den Zerreißkräften der egozentrischen Welt geschützt.

So wie Händels Musik das Herz stärken kann, ist es möglich, dass die geistigen Kräfte in das Herz, in die königliche Seele, das „Herzheiligtum”, die „Königin von Saba” eindringen können. In einem Herzen, das so zubereitet ist, ist die Entstehung eines Tempels, eines göttlichen Raumes möglich, in dem sich die Königin von Saba mit Salomo vereinigt. Salomo ist ein Bild für das Bewusstsein, das es vermag, geistige Impulse aufzunehmen und in der materiellen Wirklichkeit zu offenbaren.

Hierdurch entsteht ein neuer Mensch, der mit den ursprünglichen Geistkräften wirken kann. Bereits in der fernen Vergangenheit wurde das Leitbild für unsere Zukunft umrissen.

Empfehlung: Georg Friedrich Händel: Oratorium Salomo HWV 67, RSO Berlin unter Heinz Rögner (deutschsprachige Aufnahme)
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