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19. August 2011 von Rita Lippert und Angelika Häusler

Wer ist Pandora? Und was hat es mit der Büchse auf sich?

In vielen Juweliergeschäften wird das Pandora-Armband angeboten. Ein Schmuck, zu dem man sich nach und nach Perlen kaufen kann, bis ein schönes einzigartiges Armband zusammen getragen wird. Aber wer ist die Pandora, die diesem Schmuckstück ihren Namen gegeben hat? Man hat davon gehört, dass die Dame eine Büchse besaß, die, wenn sie geöffnet wird, viel Elend über die Welt bringt. Also ist Pandora schön und schrecklich zugleich?

Wer ist nun diese Pandora?

Bei den Griechen werden wir fündig:

Vor langer, langer Zeit, in den Anfängen, waren die Menschen unsterblich.
Wie träumende Kinder wussten sie noch nichts von Mann und Frau. Eine Anziehung gab es noch nicht und so gab es auch keine Entwicklung. Alle göttlichen Eigenschaften lagen in ihnen verborgen, aber sie konnte nichts damit anfangen. So lebten sie friedlich, aber unbewusst, nach dem Willen der Götter. Der Titan Prometheus liebte die Menschen sehr. Darum stahl er bei den Göttern das Feuer, das den Menschen für eine Entwicklung noch fehlte und brachte es ihnen.

Das Feuer ist die Kraft, die lebendig macht. Das Feuer steckt in unseren Wünschen, es lässt uns forschen und treibt unsere Weiterentwicklung an. Alle Begierden sind voll von Feuer. Liebe und Leidenschaft brennen durch das Feuer. Feuer ist unsere Lebenskraft.

Göttervater Zeus, der Unterwerfung gewohnt war, betrachtete mit Misstrauen das Treiben der Menschen, die in Aussehen und Verstand den Göttern immer ähnlicher wurden.

Verärgert ließ er Prometheus, aus Rache für seinen Verrat, an einen Felsen schmieden. Jeden Tag kam ein Adler und fraß ein Stück seiner Leber, die aber in der Nacht immer wieder nachwuchs.

Wie sollen wir das nun verstehen?

Prometheus hat sich durch seine hingebungsvolle Tat an die Menschheit und damit an die steinharte Realität der Stoffnatur gekettet.

Ist Prometheus ein Symbol für den Gottesfunken in unserem Herzen, der befreit werden will?

Prometheus bringt uns das Feuer des Geistes, in dessen Licht wir beginnen, unser wahres Wesen zu erkennen. Wer sind wir? Obwohl wir unsere wahre Herkunft vergessen haben, erreichen uns doch immer wieder Impulse aus dem Gottesfunken, wie eine Urerinnerung, die eine unerklärliche Sehnsucht wach ruft. Sie lässt uns nicht zur Ruhe kommen und treibt uns dazu an, immer weiter zu forschen und zu suchen.

Sigmund Freud wird nachgesagt, dass er jede Form von Lebensantrieb als Sexualtrieb interpretiert. Wir lassen es gelten, denn ist Sexualität nicht auch Schöpfungskraft?

Plato sieht es so, dass der Eros die treibende Kraft im Universum ist, die auf allen Ebenen versucht, aus zweien eins zu machen, bis hin zur höchsten Form menschlicher Entwicklung, der göttlichen Liebe (der „platonischen Liebe“). Die Schöpfungskraft führt uns, Raum und Zeit durchdringend, letztendlich in die Einheit Gottes zurück. Doch dafür sind wir noch lange nicht bereit.

Gut und schön, und was hat es mit der Leber auf sich?

Der Körper ist ein wundervolles Instrument. Nicht nur auf der stofflichen Ebene regelt er unsere Stoffwechselprozesse, sondern auch auf der feinstofflichen Ebene. Jedes Organ hat dabei seine besondere Funktion. Die Leber übernimmt bei der Energieversorgung des Körpers eine zentrale Aufgabe. Sie bereitet, indem sie das Giftige und Unverdauliche herausfiltert, alles Aufgenommene so weit zu, dass es für den Körper verwertbar ist.

Auch die göttlichen Feuerkräfte, die durch den in uns angeketteten Prometheus in uns einfließen, werden in der Leber zubereitet und so weit herunter transformiert, dass sie als Lebenskraft aufgenommen werden können. Über den Blutkreislauf werden sie dann mit all den anderen Nährstoffen, die durch die Nahrung aufgenommen wurden, zu den einzelnen Zellen des Körpers transportiert.

Die Leber versucht immer, das Blut vollkommen mit dem Bewusstseinszustand in Harmonie zu bringen. Darum filtert sie die fremde göttliche Schwingung immer wieder heraus. Doch wenn der Mensch beginnt, bewusst eine Verbindung mit dem Göttlichen Funken aufzunehmen, zirkuliert immer mehr Lichtkraft im Körper, der sich nach und nach vollkommen verändern kann, bis in die Zellen hinein.

Jetzt endlich können wir das wunderbare Geschehen erkennen, warum
Prometheus an den Felsen gekettet ist und welch wunderbares Opfer er bringt.
Prometheus, der Gottessohn, ist erfüllt vom reinen göttlichen Licht. Er hat sich der Menschheit hingegeben. Ja, sogar an jeden einzelnen von uns unlösbar gekettet.

Unser Blutkreislauf ist mit dem seinen im Herzen verbunden. Unser Blut vermischt sich mit seinem. Und so kann das Göttliche in uns einfließen.

Auch der Adler (die Naturkräfte), der immer wieder etwas von der Leber auffrisst kann nicht verhindern, dass die göttlichen Kräfte in uns eintreten, denn dieses Licht ist unerschöpflich. Es erfüllt den mit Gott verbundenen Menschen so sehr, dass die Leber, kaum angegriffen, wieder nachwächst.

Na, und endlich kommen wir zu Pandora und ihrer Büchse…

Denn die Götter, so sagt die Mythologie, wollten nicht nur Prometheus bestrafen, sondern auch die Menschen. Deshalb erschufen sie eine „mit allen Gaben“ ausgestattete, verführerische Frau namens Pandora und schickten sie zu den Menschen. Als Geschenk gaben sie ihr eine Büchse, mit der Mahnung, sie unter gar keinen Umständen zu öffnen.

Wir wissen, das die Büchse natürlich doch geöffnet wurde und dass aus ihr alle Plagen hervor kamen, die die Götter hinterlistiger weise vorher hinein gelegt hatten und mit denen die Menschen noch heute zu kämpfen haben. Schnell schloss Pandora die Büchse wieder, so blieb als letztes nur das einzig Gute, die Hoffnung, in der Büchse zurück.

Mit Pandora tritt die Frau als Verlockung für den Mann in die Welt. Sie begegnet dem Mann als Sinnbild für die Seele, als fehlender Pol und beide entbrennen in Liebe zu einander.

Erkennen wir nun, was da Wundervolles geschieht? Durch die Liebe zu dem Teil, der ihm fehlt, bricht der Mensch aus dem Gefängnis des vermeintlichen Paradieses aus. Er befreit sich aus seiner Unbewusstheit und wird aktiv. Er will das Wunder der Welt vollkommen verstehen und darum muss die verbotene Büchse geöffnet werden.

Aus ihr kommen: Alter, Krankheit und Tod. Denn alles, was lebt, ist den Naturgesetzen unterworfen. Denn Leben heißt Veränderung (Alter), Erfahrung (Krankheit) und Erneuerung (Tod). Endlich haben wir die Möglichkeit, uns durch diese Geschenke aus dem „Gelebt-werden“ zum eigenen befreienden Leben aufzuschwingen. Dann werden wir reif, die letzte Gabe aus der Büchse der Pandora zu empfangen: die Hoffnung.

Die Hoffnung, Prometheus aus seinen Ketten zu lösen, indem wir mit ihm eins werden. Dann fließt in seinen wie in unseren Adern das gleiche Blut.

Hat Göttervater Zeus vielleicht doch alles auf gute Weise für uns geplant?

Gemälde Rosetti: Pandora

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