Selbsterfahrung

WELCHE WAHL LÄSST UNS DIE KRISE?

Was sind die Wurzeln einer Krise? Jeder Mensch hat Krisen durchgemacht. Aus jeder Krisensituation können wir etwas lernen. Wir können uns fragen: Woher es kommt, dass „immer ich” – wie es bei unliebsamen Dingen im Alltag bei uns fünf Kindern hieß – in der Krise stecke?

Als kleines Kind war ich oft krank und musste lernen, dass das mein „Schicksal” war. Ich war genötigt es anzunehmen. So lernte ich, Krisen für einen neuen Anfang zu nutzen.

Die Wurzeln der Krisen liegen im eigenen System. Indem sie ausbrechen, lernen wir uns kennen. Im Laufe der Jahre wird deutlich, dass wir nur überlebensfähig sind, wenn wir mit Krisen umgehen können. Sie ermöglichen notwendige strategische Veränderungen in unserem Leben.

Das gleiche gilt auf der Ebene der Gesellschaft. War es nicht lange vorauszusehen, dass das gesamte Geld- und Bankensystem einmal in die große Krise geraten muss? Jeder denkt nur an sich selbst und wie er sich auf Kosten anderer bereichern kann. Und denen, die auf diese Weise groß geworden sind, den Institutionen und Konzernen, wird nun eine Unsumme neu geschaffenen Geldes zugesteckt. Es kann sich nur als verhängnisvoll erweisen. Das System mit seinen bisherigen Denkmustern ist marode und muss untergehen. Es wird sich auflösen und wir werden den Preis dafür bezahlen. Doch wir werden zugleich die Chance erhalten, neu anzufangen.

Wir fragen meines Erachtens zu wenig danach, was Menschsein bedeutet. Wir verlieren uns darin, immer mehr wissen und besitzen zu wollen. Ein ungezügelter Egoismus ist aber keine krisensichere Basis für eine Gesellschaft. Er kann keine vernünftig sittlichen, verantworteten freien Entscheidungen herbeiführen.

Welche Wahl lässt uns die Krise? Wir können daran gehen, unser Leben selbst zu bestimmen, in Verantwortung und in dem vollen Bewusstsein, dass „nichts notwendig ist, dessen Gegensatz möglich ist”, wie Gottfried Wilhelm Leibniz es so trefflich ausdrückte.

Das ist eine hohe Anforderung, ein Ruf zu einem Bewusstseinswandel. Er wird möglich, wenn wir den Fragen nachspüren: Woher komme ich, was ist mein Auftrag hier auf Erden und wohin gehe ich?

Das tiefer Reichende hilft uns, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Es verschafft uns ein eigenverantwortliches Bewusstsein, das insgesamt Segen verbreitet.

Wir können in uns erfahren, dass es eine ursprüngliche Welt gibt, von der wir weit abgewichen sind. Hier, am Ort unserer jetzigen Existenz, können wir uns zu einer Umkehr entscheiden. Wir sehen uns dann vor die Aufgabe gestellt, unsere Welt so zu gestalten, dass sich möglichst viele Menschen auf den Weg der Erneuerung begeben können.
Das ist die große Chance, die aus jeder Krise erwachsen kann. Jeder kann sie auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrungen wahrnehmen.

Für mich bedeutet innere Umkehr, das in mir verborgene geistige Wesen zu befreien vom Rad der ewigen Wiederkehr.

Kann das Wählen der einen oder anderen politischen Partei aus der Krise führen? Wir wünschen uns das immer wieder. Aber so lange wir uns nicht selbst ändern, können wir auch von den Politikern nicht erwarten, dass sie „den Karren aus dem Dreck ziehen”.

Es gibt schreiende Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und Bedrohungen. In der Tat. Aber beginnen wir doch bei uns selbst. Versuchen wir, Wurzeln in uns herauszureißen, durch die, wenn sie sich im Großen zusammenfügen, die Krisen, Ungerechtigkeiten, Grausamkeiten und Bedrohungen entstehen. Jeder Einzelne hat die Chance, die Erneuerung und totale Veränderung einzuleiten.

Abb.: Quelle Wikipedia
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