Gnosis

Was ist Gnosis?

Welche Rolle spielt Wissen auf einem spirituellen Pfad? Um welche Art von Wissen geht es, und wie lässt es sich anwenden? Für die Beantwortung dieser Frage ist es hilfreich, Ursprung und Anwendung des Begriffes „Gnosis” (griech.: Wissen, Kenntnis) kurz zu beleuchten.

Als sich im 2. Jahrhundert nach Christus die Vielzahl von urchristlichen und verwandten Strömungen in Orthodoxe (griech.: Rechtgläubige), und Gnostiker spaltete, wurde durch diejenigen, die sich als orthodox bezeichneten, das Wissen vom Glauben getrennt, und der Begriff „Gnostiker” wurde zum Synonym für Abtrünnige und Ketzer.

Denn: Was kann der Mensch von Gott und vom Sinn seiner Existenz wissen, und was nützt es ihm? Ist nicht alles Wissen Stückwerk? Die Orthodoxie vertrat die Ansicht, dem Menschen sei Gläubigkeit dienlicher als Wissenwollen.

Gnosis jedoch, und das wurde häufig verkannt, ist kein Wissen des Verstandes, kein Wissen, das man sich aus Büchern aneignen kann, auch wenn spirituelle Schriften die Tür zur Gnosis öffnen können. Gnosis bedeutet Wissen aus erster Hand, also wirkliches Bewusstsein von der wahren Art des Menschseins und seinem göttlichen Ziel. Dieses Wissen, das eigentlich zum verborgenen inneren Menschen gehört und von Ewigkeit her anwesend ist, kann wach werden.

„Wisset ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?” (Paulus, 1. Korinther 3, Vers 16)

Wenn ich die obenstehenden Zeilen lese und in mich hineinhorche, kann Verschiedenes geschehen – entweder ich nehme die in ihnen enthaltene Behauptung und Frage zur Kenntnis und antworte: „Nein, in Wirklichkeit weiß ich es nicht.” Und, vielleicht: „Und ich glaube auch nicht daran.” Oder in mir erwacht ein vorher ungekanntes Wissen, und ich antworte: „Ja, ich weiß es sicher; ich erinnere mich wieder und wünsche, in Wahrheit dieser Tempel zu werden.” Und das ist möglich, denn Gnosis ist nicht nur Wissen, sondern zugleich auch verwandelnde Kraft.

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