Gnosis

Was bedeutet Avalon für mich?

AVALON – ein mystischer, geheimnisvoller Ort?
Aber wo liegt er oder wo war er zu finden? Vom Wortgepräge her wallisischer Herkunft, bedeutet Avalon „Insel der Äpfel”. War es ein in Nebeln verborgener Ort in Britannien?
Oder sollte Avalon das versunkene Atlantis gewesen sein? Es gibt verschiedene Vermutungen, aber keine Gewissheit.

Könnte Avalon auch ein Symbol für eine geistige, nicht sichtbare Welt sein?

Was fasziniert mich so an diesem entschwundenen Avalon, mit dem sich viele Schriftsteller auseinandergesetzt haben und von dessen besonderem Zauber sie zu berichten wussten?

Sollte Avalon vielleicht kein realer Ort auf dieser Erde sein, sondern eine geistige, für uns hinter Nebeln verschleierte spirituelle Realität?

Was sagte man vom „alten Avalon” in den Erzählungen und Mythen?

Man sagte zum Beispiel: Es gab dort Eingeweihte und es wurde Magie ausgeübt, mit der u.a. die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde beherrscht wurden.
Einerseits sollten in einer abgeschiedenen Atmosphäre bestimmte geistige Werte bewahrt und gefördert werden. Andererseits wurden mit Magie auch weltliche Ziele verfolgt, um Reiche zu schützen oder zu sichern.

Auch heute wird viel von Magie gesprochen: von Ich-Magie, Naturmagie, von weltlicher und göttlicher Magie.

Das Wort Magie ist ein vielfach befrachteter und unklarer Begriff geworden. Magie kann zum Beispiel mit der Bedeutung Zauber verbunden werden, aber auch mit Geheimkunst und verborgenen Wissenschaften. Diese Hinweise führen mich nicht sehr weit.

So habe ich mich bemüht, in Bezug auf Avalon Schein von Wahrheit zu trennen.

Was gehört zum Schein?
Meine Illusionen und Träume, meine Ich-Ambitionen? Die Pseudo-Welten, die virtuellen Welten, in die ich eintauchen kann?

Die Erfahrung lehrt: Wenn es Schein ist, stellt sich früher oder später Enttäuschung ein. Dadurch wächst aber die Möglichkeit, um, wie der Volksmund sagt, die Spreu von Weizen zu trennen.

Im Zusammenhang mit Avalon wird von Eingeweihten und Einweihung gesprochen.

Was ist unter einem Eingeweihten zu verstehen?
Es wird gesagt, es sei ein Mensch, dessen Erkenntnis über das Physische hinaus ins Geistige geht. Dabei entwickeln sich aufs Vollkommenste die verschiedenen menschlichen Anlagen: das Denken, Fühlen und Wollen.

Ich habe gelernt: Den Eingeweihten, bei dem das Denken besonders ausgebildet ist, bezeichnet man als Weisen. Die Eingeweihten des Fühlens, die vor allem Kenner der Psyche sind, werden auch Heiler genannt und die Beherrscher des Willens Magier.

Einweihung ist für mich in erster Linie Selbsteinweihung zur Selbstfindung und zum Dienst an anderen. Es ist ein Prozess, in dem „der Stein der Weisen” von mir zu schleifen ist.

So muss ich mich fragen: Wie steht es mit meiner Selbsteinweihung, der die Selbsterkenntnis vorausgehen muss? Kann ich die Nebelschleier des großen „Avalon” in mir und um mich herum lüften?

Die geistige Welt, die göttlich-geistigen Kräfte, sie sind wie hinter einem Schleier von Nebeln verborgen. Es ist, als würde der Christus auch zu mir sagen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.”

Wie kann ich mir dieses Reiches und seiner geistigen Werte, die nicht von dieser Welt sind, bewusst werden?

Ich erlebte es als großen Schritt, seelisch zu erspüren und zu erkennen, dass es neben unserer Welt noch eine Realität gibt, die wir nicht sehen, schmecken oder riechen können, die aber existiert als göttlich-geistige Welt.

Früher war eine solche Annahme für mich tabu, das Bestehen einer nebulösen unsichtbaren Realität, die ich mit Hellsehen in Zusammenhang brachte, ängstigte mich.

Das änderte sich im Laufe meines Lebens. Ich erfuhr von feinstofflichen Bereichen im eigenen menschlichen System und auch im Kosmos. Zwar haben sie mit Göttlichkeit nicht unbedingt etwas zu tun, doch machten sie mir das Bestehen einer göttlichen Sphäre plausibler. Ich merkte auch, dass ich trotz mancher Zweifel immer an eine höhere Ordnung geglaubt habe.

Der erste Schritt hinter die Nebel der Stofflichkeit, so lernte ich, ist der Weg der Selbsterkenntnis. Je mehr mir meine Wünsche, Träume und Begehren bewusst wurden, je mehr ich sie aus innerer Distanz anschauen konnte, umso mehr öffnete sich ein neuer Weg. Es entstand Freiraum in mir, durch den ich mich einer höheren Wahrheit zuwenden konnte.

Mir wurde etwas von der Wirksamkeit des göttlichen Funkens in meinem Innersten bewusst. In bestimmten Momenten fühle ich etwas von der höheren Wahrheit. Ich merke, dass sie mein Bewusstsein erneuern will.

Ich taste mich vor auf der Suche nach einem neuen geistigen Seinsland, das hinter meiner Ich-Zentralität verborgen liegt. Ich spüre, dass dieses Land in mir ist und „in Freiheit gesetzt” werden will.

Wenn das ab und zu ein wenig geschieht, eröffnet sich mir etwas von der neuen Seinsrealität. Ich verstehe die Worte, dass der „Andere in uns” wachsen will.

Und ich habe Weggefährten gefunden. Es ist eine große Erleichterung, wenn mehrere gemeinschaftlich ein „Kraftfeld” für die Seele unterhalten. Es ist ein Intermediär auf dem Weg in das neue Seinsland.

Diese aus der Tiefe auftauchende neue geistig-seelische Realität möchte ich als Avalon bezeichnen.

Gemälde: James Archer, Tod von König Artus - im Hintergrund die Barke nach Avalon
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