Religion Spiritualität

Von der Ekstase

Der Sufimystiker Rumi geriet in Ekstase, als er seine Verse zum Klang der Laute hörte, so wird erzählt. Man erzählt auch noch anderes. Rumi habe nämlich den Großteil seines Verswerks Mathnawi im ekstatischen Drehtanz konzipiert und seinem Freund Husam-ud-din Chelebiunmittelbar diktiert. Da scheint die Ekstase zeitweise den Normalzustand überwogen zu haben.
Ekstase gilt uns normalerweise als nicht-bei-sich-sein, als verrückter Zustand. Hazrat Inayat Khan schreibt, materialistisch gesonnene Menschen misstrauten allen Erfahrungen, die nicht von ihren Sinnen stammten – also auch der Ekstase. Dabei hat diese Wachsamkeit etwas für sich. Denn wird in der Ekstase nicht der Platz des „Selbst” ver-rückt? Wodurch geschieht das, und zu wessen Gunsten? Der Mensch hat zu prüfen, wem er sein Herz und sein Bewusstsein öffnet.
Wenn aber eine höhere Wahrheit, die zugleich sein innereigenstes Geheimnis ist, sich in Wort und Klang hüllt, dann kann das Herz weit werden und das Ich in dieser Weite gleichsam verschwinden. Dann rückt es zur Seite und macht dem universellen Selbst Platz, von dem Mansur al Hallaj sagte: „Ich bin die absolute Wahrheit.” (Ana-l-haqq.) Und verliert sich in dieser Annäherung des Universellen, in Freude und Schmerz zugleich.

O Flöte, obwohl du keine Zunge hast,
jammerst du den ganzen Tag.
Um wen weinst du?
Die Flöte erwiderte:
„Sie nahmen mich von Seinen süßen Lippen
Was kann ich anderes tun als weinen?”

Alle Freuden dieser Welt
können dieses Verlangen nicht stillen.
Es gibt nur ein Heilmittel – den Geliebten.

Genug, genug, genug von diesem Feuer!
– schrie ich und verbrannte in diesem Schrei.
Dann blieb ich still und brannte in der Stille.
Dann hielt ich mich von Extremen fern
und ging den Weg der Mitte,
und ich verbrannte in der Mitte.

Die Liebe kam und machte mich leer.
Die Liebe kam und erfüllte mich mit dem Geliebten.
Sie wurde zu Blut in meinem Körper.
Sie wurde zu meinen Armen und Beinen
Sie wurde zu allem!
Alles was ich nun noch habe, ist ein Name.
Der Rest gehört meinem Geliebten.

(Rumi)

Foto: Angela Paap

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