Poesie Lyrik

Vom Glück, nicht wissen zu müssen

Bin echt froh, nichts wissen zu müssen, sonst wär’s Leben halb so lustig, rief der Clown zu den Menschen und fuhr fort, Räder über die Wiese zu schlagen. Die Leute standen herum und gafften verblüfft, manche auch grantig, denn er tue, indem er Räder schlage, nichts Ordentliches. Und die Kinder liefen johlend und schreiend hinter ihm her und freuten sich sehr. Dann war der Clown weg.

Sie fanden ihn nicht. Niemand fand ihn. Ein stilles Kind mit großen wachen Augen, die jüngste Tochter des Tischlers im Orte, blickte dem Clown nach und sagte zu sich: Das war doch der Herr Bürgermeister. So schnell sie konnte, lief sie ins Bürgermeisteramt und er war nirgends zu finden, der Bürgermeister. Sie wartete; hörte eine Türe knarren, schlich vor ein Schlüsselloch und sah, wie ein gesetzter Herr sich eine Maske vom Gesicht nahm, die Perücke weg legte und aus dem Clown entstand binnen kürzester Zeit wieder der Herr Bürgermeister. Die jüngste Tochter des Tischlermeisters schmunzelte siegreich, verließ auf Zehenspitzen das Amtsgebäude und sah nun immer, wenn sie den Bürgermeister traf, einen Clown, der Räder schlägt. Und großes Einverständnis lag zwischen ihnen, wo sie sich trafen.

2
Der Punkt, der wesentliche, ist überall, und er ist überall Mittelpunkt. Wie das geht? – Das ist eines der Geheimnisse, das zu lüften leichter ist, als 17 mal 21 im Kopf zu rechnen. – – – Und doch zu lösen schwerer als die schwerste aller mathematischen oder sonstigen Aufgaben.

3
Ach, wie sind wir bloß geschäftig;
ist’s darum, weil wir das Wesentliche nicht sind?

4
Es könnte so einfach sein –
denn das Leben, die Gegenwart, die Stille des unendlichen Ozeans, das Licht selbst sind die Lehrer – überall und immer.

5
Ich weiß nichts, gar nichts – – –
und kann zutiefst davon überzeugt sein,
dass ALLES in meinem Nicht-Wissen liegt;
auch DAS EINE WISSEN, das große.

6
Vor lauter Plänen leben wir nicht. Leben ist etwas, das uns zustößt von Moment zu Moment, während wir in unseren Plänen und Sorgen – den morgigen Tag betreffend – vertrocknen, verdörren.

7
Eingeschlafen in den Gewohnheiten eines dunklen Vegetierens, was wir sehr, sehr überheblich LEBEN nennen, vergeht unsere Lebenszeit, statt dass wir im Drange unserer Herzen zu erwachen beginnen. Dieses Erwachen fällt uns nicht automatisch zu, nie. Es fordert Mut – in allen Phasen der Geburt.

8
Und dafür gibt es nur einen Lohn:
Im Gefühl, im innerlichen Wissen zu stehen,
dass das, was ist, nicht anders sein kann, als es ist,
dass das, was ich tue, nicht anders getan sein will.

9
Einzig endlos ist die endlose,
die raumlose Weite lebendiger Gegenwart.

10
Ostern – zusammengefasst: Stirb und Werde. Der Untergang des Alten am guten freien Tag und Phönix´ Geburt am Sonntag danach.

11
Jeder Stolperstein, so heißt es,
kann zum Stein der Weisen werden, ja – wie wahr;
mit dem Kiesel im Schuh
verhält es sich natürlich nicht anders.

12
Feuer
Erinnerung an die Urzeit,
als wir noch Feuer waren und Licht,
junge Sonne im unendlichen Ozean der Sonnen –
Feuer – nun lebendige Sehnsucht,
einer Vorahnung gleich,
wieder Feuer zu werden
Phönix – – – Bewohner des Lichtes
und todlos.

Feuer
Erinnerung an die Zukunft,
diese kann nirgendwo sein als
hier und heute
lebendige Gegenwart.

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