Selbsterfahrung

Verkleiden Sie sich?

Sich kleiden kann man gut, vornehm, lässig, nachlässig, bewusst … „Kleider machen Leute”. Das „Kleid” steht für das Äußere und zeigt auch innere Zustände an. Seelisches strahlt hindurch. Wir können versuchen, uns hinter einer Kleidung zu verstecken, doch schaut man uns in die Augen, zeigt sich noch anderes.

Sich ver-kleiden bedeutet, als jemand anderes aufzutreten. Die Silbe „ver-” hat oft die Bedeutung von negativ, nicht gerade heraus (verdreht, verrückt, verlassen, verraten …).
Man kann Wünsche, Sehnsüchte ausleben in einer Verkleidung. Man kann etwas Neues ausprobieren oder vor der Realität fliehen oder sich vor ihr verstecken.

Doch man kann sich auch dem Leben stellen. Es ist eventuell nicht leicht. Aber es führt zu Einsichten. Möglichkeiten werden deutlich, Chancen, die sich individuell eröffnen. Geheime Wünsche kann man näher anschauen. Wo kommen sie her? Was wollen sie mit mir tun? Das wäre eine ehrliche, ungeschminkte Herangehensweise.

Eine Maske bewirkt, dass wir nicht ganz ehrlich sind. Wünsche und Sehnsüchte werden dann größer, zeigen sich vielleicht als „Verbotenes” bei besonderer Gelegenheit.

Die Frage kann sich stellen: Ist das, was wir tagaus, tagein leben, vielleicht insgesamt ein Maskenspiel? Das ganze Dasein?

Wenn die Frage Macht über uns erhält, wird es beunruhigend. Vielleicht begeben wir uns dann auf den Weg, um nach „unserem Ort” zu suchen, unserem Zuhause, wo wir ohne Maske leben können. Auf einem solchen Weg zeigt sich, dass an der äußeren Lebenssituation nicht immer etwas verändert werden muss. Dieses Dasein insgesamt erscheint ja als Maskerade, an all seinen Orten.

Wir suchen das Antlitz hinter der Maske, das in uns verborgene Wesen, den „Anderen” in uns. Er hat keine klaren Konturen. So versuchen wir, uns ihm zu nähern.

Man kann die Suche nach der wahren Identität lange hinauszögern, viele Leben lang. Doch die Frage: „Wer bin ich?” kommt.

Die Antwort kann nur ein Weg sein, ein Weg der Annäherung an das „Gesicht”, an das Bewusstsein, das verborgen in uns ruht und auf seine Erweckung wartet.

Fotoquelle: Wikipedia
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