Poesie Lyrik

VAGABUND – SUCHER

Vagabund nennt man jemanden, der keine Heimat hat, keinen ständigen Wohnsitz, jemanden, der durch die Welt wandert.

Ist er auf der Suche nach etwas?
Nach einem besseren Ort? Als wenn keiner gut genug wäre, um sich dauerhaft an ihm aufzuhalten?

In seinem Lied „Vagabund” singt der bosnische Popsänger Zdravko Colict:

Ich jage durch die Prärie
streife über die Berge
suche nach hellen Sternen

kämpfe mit den Winden
verstecke mich in den Wäldern
bin Freund mit Streunenden.

Vielleicht reagiert auch in deinem Herzen etwas auf dieses Bild, das die innere Unruhe abbildet? Vielleicht kannst du dich irgendwo in deinem Inneren mit diesem Bild identifizieren?

Bist du schon ein Sucher geworden?

Alle Menschen suchen mehr oder weniger nach etwas im Leben. Selbst wenn sie nie den Ort ihrer Geburt verlassen haben, sind ihre Gedanken immer auf der Suche nach etwas,
ihr Herz hofft und harrt. Einige suchen nach bestimmten Dingen, wählen aus, was sie für wertvoll halten, kämpfen dafür und versuchen gleichzeitig, das abzuwehren, was ihnen als unerwünscht erscheint. Nie schaffen sie es vollständig, und so sind sie abwechselnd glücklich und traurig und versuchen stets, sich eine neue, erfolgreichere Strategie auszudenken. Aber auch die anderen, die nicht genau wissen, was sie wollen, irren auf die eine oder andere Weise durch die Welt, hoffen auf etwas, auf ein wahres Glück, das aber nie kommt, oder das, wenn sie es scheinbar gefunden haben, wieder entweicht.

Und so ist es immer wieder …

Aber das sind keine echten Sucher. Das sind diejenigen, die schlafen und im Traum suchen.

Es gibt jedoch Menschen, die die ultimative Vergeblichkeit von Allem zu ahnen beginnen, für die es keinen Platz mehr gibt, an dem ihr Herz dauerhaft verweilen könnte …

In ihnen erwacht auf einmal ein Gefühl für die Existenz von etwas Anderem, Wunderbarem und Wirklichem, auch wenn es noch unsichtbar ist. Unsichtbar, weil ihre Augen für eine lange Zeit geschlossen waren, bis sie sich durch die Frage nach dem Sinn zu öffnen beginnen. Dann werden sie Suchende – Menschen, die sich von der Sehnsucht nach dem Finden des eigentlichen Sinnes und der ultimativen Wahrheit leiten lassen.

Dieses Begehren, im Einklang mit dem ewigen Gesetz, das den Menschen zu einer Verwandlung aufruft, zieht auch die Kraft an, die nötig ist, um auf diesem Weg auszuharren bis zum guten Ende.

Diese Kraft kommt aus dem unvergänglichen Reich. Denn „etwas” in mir sucht das Ewige.

Und das Unvergängliche ist das einzige wirklich Existierende.
Und das einzige, das es wirklich wert ist, gesucht zu werden. Das einzige, das unseres Herzens, unseres Lebens wirklich wert ist.

Die Verse des Liedes lauten weiter:

Was ist Leben und Tod,
Was ist Angst?
Es gibt nur Dich,
Du gibst Hoffnung und Macht,
damit ich weiter und immer weiter suche
das Haus, in dem Du lebst.

Wenn wir diesem am Anfang noch so leisen Strom treu bleiben, dieser Sehnsucht,
wird das Licht im eigenen Herzen immer stärker werden und uns durch Angst
und Hindernisse sicher führen, zu dem Haus, in dem das Licht und die Liebe wohnen und das unsere wahre Heimat ist.

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