Selbsterfahrung

Um einfach zu werden, muss man sich entfalten…

Bald ist es wieder so weit. Der rote Klatschmohn wird blühen. Die Knospe bricht dann auf und die Blütenblätter werden zum Vorschein kommen – hauchzart, aber voller Falten und zerknittert. Langsam werden sie sich dann entfalten und ihre Schönheit preisgeben

In einem Text über Maria Magdalena fand ich einen interessanten Hinweis. Dort wird von der Einfachheit der Seele gesprochen, von ” aplotes”, d.h. ” ohne Falten sein.” Maria Magdalena stand Jesus besonders nahe, da sie diese Einfachheit der Seele verkörperte. Dem steht die ” dipsulia”, die Duplizität gegenüber. Die Duplizität der Seele wird beschrieben als ” Falten und Winkel unserer Erinnerung.” In der Summe ist es dies, was wir auch unser Ich nennen können.

Was bedeutet das nun konkret?

Wir sprechen doch oft davon, dass wir uns entfalten wollen oder dass uns jemand – oder auch wir selbst – in unserer Entfaltung behindert. Aber das meint oft genau das Gegenteil von der ursprünglichen Bedeutung. Entfaltung kann aber auch heißen, dass wir uns, wie die zerknitterte Mohnblüte, auseinander falten und faltenlos werden. Was passiert dabei? Die ” Falten und Winkel unserer Erinnerung” kommen ans Tageslicht – werden sichtbar – bevor wir sie, um zur Einfachheit der Seele zu gelangen, loslassen.

Warum ist dies so schwer?

Ich glaube, dass das daran liegt, das wir die ” Falten und Winkel unserer Erinnerung” sind und weil sie die Basis für unser Urteil über uns selbst, die anderen und die Welt sind. Wir müssten alles und jeden neu sehen, vorurteilslos.

Ist es denkbar, dass auch dies mit dem Jesus-Wort ” Siehe, ich mache alles neu” gemeint ist?

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