Gnosis

Über das Gute und das Böse

Das Böse gibt es nicht und nicht das Gute…

Ständig laufen wir aus gewohnter Angst getrieben der Zukunft hinterher, dem Phantom des Irrtums; Angst gebärend weiterhin. Und so kommt die Bosheit in die Welt.

Obwohl uns seit alten Tagen übertragen wird: Das Böse gibt es nicht, außer es wird durch euch in die Welt gesetzt.

„Wie kommt’s, dass wir eben dieses Böse in die Welt setzen?”, fragte ich den väterlichen Freund, der mir zur Antwort gab:

„Die meisten sind gewohnt, dem Irrtum mehr zu glauben als der Wahrheit – und so wird aus Irrtum dann das Böse.”

„Gibt es denn DIE Wahrheit hier in diesem Leben?”

„Ja – Bewegung. Bewegung und steter Wechsel.Zu glauben, die Schatten seien beständig, das ist DER Irrtum!”

„Krankheiten gibt es, von denen man sagt, sie seien bösartig – so ist auch das ein Irrtum?”

„Ja, auch das ist Irrtum! Krankheiten sind nichts als Umwege des Lebens, vorgesehen im Lauf der Natur, um wieder zu genesen. Wo wir dies nicht begreifen, machen wir aus einfachen Vorgängen komplizierte, und der Irrtum beschreibt sich selber, und sagt: Das ist aber böse.”

Und da entstand eine lange Pause in unserem Gespräch, wir saßen da, blickten ins Feuer und eine weitere Frage drängte sich mir auf: „Wie ist es dann mit dem Guten, gibt es auch das nicht?”

„Ja, auch das gibt es nicht.”

Vor uns brannte ein gutes Feuer und da fragte ich: „Aber das Holz ist doch gut, dass wir´s warm haben?”

„Und nachdem es verbrannt ist, ist es weg! – Also auch das, was du gut nennst, löst sich auf.”

Düster und trübsinnig kam mir das Leben vor, ohne jeden Sinn. – Irgend etwas in mir jedoch wehrte sich heftig gegen den Gedanken, unser Leben sei nur so etwas wie Schnee; kommt die Sonne des Frühlings, zerrinnt er…

Und wieder fragte ich: „Was ist DAS GUTE? Meine Seele sagt mir sicher: ES ist da.”

„DAS wahrhaft Gute kann nur das sein, was die Bewegung hervorbringt und selbst in ewiger Ruhe ist.”

„Das heißt, dass alles, was die Bewegung und den Wechsel der Natur hindert, nie gut sein kann?”

„So ist es.”

Zitathinweis: 10. Buch des Corpus Hermeticum von Hermes Trismegistos: Das Gute ist allein in Gott und sonst nirgends.
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