Nachdenkliches

Tötet die Liebe nicht

Dieser Ausspruch, den ich einmal hörte, taucht von Zeit zu Zeit und zu bestimmten Gegebenheiten in meinem Gedächtnis auf.
Wann töte ich die Liebe, frage ich mich?
Und habe ich es schon einmal erlebt und wie ein Totsein erfahren, wenn ich meinte, dass sie mir genommen wurde?
Liebe ist auch das große Mitempfinden in Denken, Fühlen, Wollen und Handeln für einen anderen, und nach Möglichkeit ohne zu verletzen.
Vielleicht in dem Sinne, „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg` auch keinem anderen zu.”
Aber manchmal entwickeln sich in unserem Leben Umstände und Beziehungen so, dass man sich zu einem Handeln gezwungen sieht, etwas aufzugeben, was man eigentlich nicht verlieren möchte.
Wie aus einem inneren Zwang entspringt dann ein Handeln, das bewusstseins-mäßig nicht wirklich realisiert werden kann.
Oft ist es dann so, dass man dieses Handeln oder den Entschluss, der dazu geführt hat, immer wieder hinterfragen muss, weil Zweifel an der eigenen Willensentscheidung besteht.
Doch auch in dieser Situation steht das Herz noch im Mitempfinden, denn es sorgt sich noch um den anderen sowie über die Richtigkeit des eigenen Tuns.
Ist es nicht oft so, dass eigenes Handeln und eigene Entscheidungen an unüberwindbare oder vermeintliche unüberwindbare Grenzen stoßen, die das System aber nicht objektiv realisieren kann.
Aber auch in diesem unbefriedigenden Zustand ist das Herz noch lebendig, denn es sehnt sich nach einer harmonischen Auflösung aller Schwierigkeiten und Begrenzungen, wenn auch vorerst nur im eigenen Wesen. Es ist noch Hoffnung da.
Und Hoffnung lässt auch Sehnsucht keimen, weil das Herz mit einer höheren Form des Seins verbunden ist, mit jenem Schatz des Herzens, der nicht verletzt werden oder verloren gehen kann. Er ist unirdischen Ursprungs und lebt in mir und in jedem anderen Menschen, auch wenn das Lebensschiff nicht immer den Weg findet, den das Selbst gerade gehen möchte.
Dann klingen in mir die Worte:
„Herr, nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.”
Es erscheint mir müßig, über karmische sowie über die Grenzen der persönlichen Existenz zu reflektieren, wenn sie nicht bewusst gemacht werden können, und ihr Ursprung weiterhin verhüllt bleibt.
Und ich frage mich auch, ist es egoistisch, den Frieden im eigenen Wesen halten zu wollen, anstelle ein Handeln zu wählen, das mich eventuell ausliefert an unabsehbare, äußere Gegebenheiten und vielerlei fremde Erscheinungen?
Diese Fragestellung scheint in mir noch unaufgelöst. Es ist gleichzeitig die Frage nach dem Innen und Außen dieses existenziellen Bestehens.
Dennoch weiß ich, dass es eine innere Verpflichtung gegenüber dem göttlichen Anderen in mir gibt, der auf mein Zugewendetsein und meine Aufmerksamkeit wartet.
Es ist gleichsam eine Gratwanderung bei der ich mich aber zunächst nur wieder auf den inneren Frieden des Herzens berufen kann. Er trägt bewusst oder unbewusst den Schatz in sich, der mich mit einer höheren Form des Seins jenseits von Zeit und Raum verbinden kann, und mir die Resultate aus dieser inneren Haltung als Nebeneffekt geschenkt werden.
Eine andere Lösung sehe ich im Augenblick für mich nicht.

Töte die Liebe nicht
oder gib die Liebe nicht auf!
Den Weg dahin muss jeder für sich selbst finden und leben.
Wer vermag es?

Foto: Pixabay

1 Kommentar
  • Brunhilde WitteBeantworten

    Sehr geehrte Frau Vierkant. Heute habe ich Ihren Blog -Beitrag ,töte die Liebe nicht gelesen. Da ich einem Lesekreis der Theosophischen Gesellschaft angehöre und wir gerade über die Liebe verschiedene Beiträge lesen, bitte ich sie hiermit um die Erlaubnis ,Ihren schönen Text über die Liebe benutzen zu dürfen.
    Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich Brunhilde Witte.

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