Persönlichkeiten

„Stimme der Stille” von Helena Petrowna Blavatsky

Helena Petrowna Blavatsky war die Initiatorin der Schrift: „Die Stimme der Stille” ein Auszug aus dem „Buch der goldenen Lehren”.
Frau Blavatsky wurde am 11. August 1831 als Tochter des Oberst Peter von Hahn und der Prinzessin Fadejef aus dem Fürstenhaus der Doloroukies geboren. Schon im jugendlichen Alter verliess sie Russland und führte ein abenteuerliches Wanderleben. Eine Ehe, die ihr den Namen Blavatsky verlieh, beendete sie nach kurzer Zeit. Helena Petrowna war mit bedeutenden geistigen und psychischen Begabungen ausgestattet und fühlte sich vor allem von den geistigen Schätzen angezogen, die Tibet und Indien boten.
So gelang es ihr 1866 als erste Europäerin nach Tibet einzureisen und dort mehrere Jahre in den Einsiedeleien von „Meistern” zu leben, welche die von ihr geliebten Wahrheiten lebten und lehrten.
Was ist von Tibets frühen Geistesleben bekannt?
Etwa vom 6. bis zum 8. Jahrhundert erfolgte die Missionierung Tibets durch buddhistische Mönche. Und der Buddhismus breitete sich rasch über Tibet aus. Vor dem 6. Jahrhundert bestand die Urreligion der dort lebenden mongolischen Stämme überwiegend aus Naturverehrung und magischen Praktiken.
Wie Helena Petrowna Blavatsky erklärte, ist die Schrift „Die Stimme der Stille” 1889 entstanden und es handelt sich bei ihr nur um eine Übersetzung eines Originallehrstückes, das sie während ihres Aufenthaltes in Tibet auswendig gelernt hatte.
Sie starb am 8. Mai 1891 in London.
Anzumerken ist noch, dass der Inhalt es Textes von den Grundlehren der indischen Philosophie ausgeht. Dazu gehört die Lehre von der Wiedergeburt und vom Gesetz der Schicksalsverknüpfung (Karma), das die aufeinander folgenden Leben bis zu endgültigen Auflösung regelt.
Die von Frau Blavatsky bekannt gegebenen Texte lauten wie folgt:
1. Die Stimme der Stille
2. Die zwei Wege
3. Die sieben Pforten
Diese Texte finden sich in einer Ausgabe des Adyar-Verlages, Graz.
Es folgen einige Auszüge aus den einzelnen Texten:
Zitierte Worte aus: Die Stimme der Stille:
„Wer die Stimme des Geistes, den tonlosen Ton, hören und verstehen will, der muss das Wesen der geistigen Versenkung kennen lernen.”
Anmerkung zum Text zum Begriff Versenkung:
Sie wird erläutert als ein völliges Zurückgezogen sein von allem, was die Außen- und Sinneswelt betrifft.
„Ehe die Seele verstehen kann und sich erinnern kann, muss sie zuerst mit dem Schweigenden Sprecher vereint sein. Erst dann wird die Seele sich erinnern. Und dann wird zum inneren Ohr sprechen „Die Stimme der Stille.”
„Das große Gesetz sagt, wenn du die Erkenntnis des All-Selbstes erlangen willst, musst du zuerst dein wahres Selbst kennen lernen. Um die Erkenntnis dieses Selbstes zu erlangen, musst du dein Ich dem Nicht-Ich, dein Sein dem Nicht-Sein opfern. Gib dein Leben auf, wenn du leben willst.
Drei Hallen, du ermatteter Pilger führen zum Ende der Mühen.
Die erst Halle ist die Nicht-Erkenntnis.
Die zweite Halle ist die Halle des Lebens. In ihr wird deine Seele die Blüten des Lebens finden, aber unter jeder Blume ringelt sich eine Schlange.
Der Name der dritten Halle ist Weisheit. Der unzerstörbare Quell der Allwissenheit.
Suche ihn, den Weisen in dir, der dich zur Geburt bringen soll, wo alle Schatten unbekannt sind und das Licht der Wahrheit in nie verbleichender Herrlichkeit erstrahlt.
Bevor du deinen Fuß auf die oberste Sprosse der Leiter setzen kannst, der Leiter der mystischen Töne, musst du die Stimme deines Inneren Gottes auf sieben Arten hören.
Das Ich des Stoffes und das Selbst des Geistes können einander niemals begegnen. Eines von beiden muss weichen.
Lass` deine Seele ihr Ohr jedem Schmerzensschrei leihen, gleich dem Lotuskelch, der sein Herz öffnet, um den Strahl der Morgensonne zu trinken.
Lass` jede heiße Menschenträne auf dein Herz fallen und trockne sie nicht ab, ehe der Schmerz beseitigt ist.
Nur eine Straße führt zu heiligen Pfad. Und erst an seinem Ende kann die Stimme der Stille gehört werden.
Die Rose muss wieder zur Knospe werden, die vom Elternstamm geboren wurde, ehe der Wurm ihr durch das Herz genagt und ihren Lebenssaft getrunken hat.”

Zitierte Worte aus: Die zwei Wege
„Und jetzt, O Lehrer der Barmherzigkeit, weise du anderen Menschen den Weg.
Sieh all jene, die um Einlass bittend stehen und warten in Unwissenheit und Dunkelheit, dass sich ihnen das Tor des Guten Gesetzes öffne.
Sie Stimme der Jünger:
Willst du nicht, o Herr, aus deiner eigenen Barmherzigkeit die Lehre der Barmherzigkeit uns offenbaren?
Der Lehrer spricht:
Zwei Pfade gibt es, drei große Vollkommenheiten und sechs Tugenden, welche den Körper in den Baum der Erkenntnis verwandeln.
Wer wird zuerst die Lehre von den zwei Pfaden in einem erfassen, die Wahrheit des geheimen Herzens enthüllt erblicken?
Ach, dass alle Menschen an der Weltseele teilhaben und eins mit der Großen Seele sind und dass sie ihnen doch von so wenig Nutzen ist? Nämlich aus dem kostbaren Geschenk, die Wahrheit zu erfassen, der richtigen Wahrnehmung dessen, was da ist, und der Erkenntnis des Nichtvorhandenen!
Der Jünger spricht: Mein Lehrer, was soll ich tun, um Weisheit zu erlangen?
Suche die Pfade! Aber, o Jünger, lass dein Herz rein sein, ehe du die Wanderung beginnst. Lerne, das Falsche vom Wahren, das ständig Fließende vom ewig Dauernden zu unterscheiden, ehe du den ersten Schritt tust. Vor allem lerne, äußeres Wissen von Seelenweisheiten, die Lehre des Auges von der des Herzens zu trennen.
Die Samen der Weisheit können nicht in luftleerem Raum aufgehen und wachsen. Um zu leben und Erfahrungen zu sammeln, braucht das Gemüt Weite, Tiefe und Stützpunkte, die es zur Diamant-Seele ziehen. Suche diese Stützen nicht im Reich des äußeren Scheins. Erhebe dich über die Illusion, suche das ewige und unveränderliche Sein, misstraue den falschen Einflüsterungen der Einbildungskraft.
Suche, O Anfänger, Verstand und Seele zu verschmelzen.
Meide Unwissenheit, doch meide ebenso das falsche Wissen.
Meide das Lob, o Hingebungsvoller. Lob führt zur Selbsttäuschung.
Die Lehre des Auges ist für die Menge, die Lehre des Herzens ist für die Auserwählen.
Wenn dir gesagt wird, du müsstest aufhören, alle Wesen zu lieben, um ein Weiser zu werden, so antworte, dass dies eine Lüge ist.
Wenn dir gesagt wird, um Befreiung zu erlangen, müsstest du deine Mutter hassen, deinen Sohn missachten, deinen Vater verleugnen, und dürftest weder mit Mensch und Tier Erbarmen haben, dann antworte, dass dies eine falsche Rede ist.
Selbsterkenntnis ist das Kind von Taten der Liebe. Habe Geduld, o Jünger, wie einer, der kein Misslingen fürchtet und keinen Erfolg erstrebt.
Habe Ausdauer, wie einer, der für alle Zeiten ausharren wird.
Ertrage das Leiden irdischer Geburt.
Die Glückseligkeit der Vollendung erreichen und auf sie verzichten bedeutet den letzten, höchsten und erhabensten Schritt auf dem Pfad der Entsagung.
Sei demütig, wenn du Weisheit erlangen willst.
Sei noch demütiger, wenn du Weisheit errungen hast.
Sei wie das Meer, welches alle Ströme und Flüsse in sich aufnimmt. Des Meeres machtvolle Ruhe bleibt unbewegt, es fühlt sie nicht.
Beherrsche dein niederes Ich durch das Göttliche in dir.
Beherrsche das Göttliche durch das Ewige.
Ja, groß ist, wer seine Begierden überwindet.
Noch größer der, in dem das Göttliche Selbst sogar das Wissen um die Begierde vernichtet hat.
Habe acht auf das Niedere, auf das es das Höhere nicht beflecke.
Der Weg zur völligen Freiheit liegt in deinem Selbst.
Der Weg beginnt und endet außerhalb deines Ich.

Der eine Pfad wird zu zwei Pfaden, dem offenen und dem geheimen. Der eine führt zum Ziel, der zweite zur Selbstaufopferung.
Der Offene Pfad führt zum unwandelbaren Wandel – zur Vollendung, dem glorreichen Zustand des absoluten Seines, der Seligkeit jenseits menschlichen Erfassen. Also bedeutet der erste Pfad BEFREIUNG.
Der zweite Pfad jedoch ist – Entsagung, und wird darum der „Pfad des Leidens” genannt. Dieser GEHEIME Pfad führt den Eingeweihten zu unaussprechlichem Seelenleid.
Leid um der lebendigen Toten willen, und ohnmächtiges Mitleid für die Menschen, die in den schicksalsverknüpften Kümmernissen verhaftet sind; denn die Wirkung von Karma dürfen die Weisen nicht aufheben.
So steht es geschrieben: „Lehre alle Ursachen vermeiden, aber den Wirkungen, sowohl den kleinen Wellen als auch der großen Flut, musst du ihren Lauf lassen.”
Aber es heißt: „Die letzten werden die Größten sein.”
Er, der Erleuchtete, der Lehrer der Vollkommenheit, opferte sein Selbst für die Erlösung der Welt, indem er stehenblieb an der Schwelle der Vollendung – des reinen Seins.
Er spricht, erfüllt von göttlichem Mitleid:
„Um der anderen willen verzichte ich auf diesen großen Lohn” – und er vollbringt das Werk der größeren Entsagung.
Er ist EIN ERLÖSER DER WELT.”

Zitierte Worte aus: Die Sieben Pforten
„Schüler, bereite dich vor, denn du wirst allein zu wandern haben. Der Lehrer kann dir nur den Weg weisen. Der Pfad ist für alle der gleiche, die Mittel zum Erreichen des Zieles sind für jeden Pilger verschieden.
Du musst dir den Weg durch sieben Pforten erkämpfen, sieben Festungen, verteidigt durch grausame Gewalten, die fleischgewordenen Leidenschaften.
Sei guten Mutes, o Jünger, sei eingedenk der goldenen Regel. Wenn du einmal die Pforte durchschritten hast, welche das Eintreten in den Strom bedeutet, wenn dein Fuß einmal das Bett des Stromes berührt hat, welcher zur Vollendung führt, sei es in diesem oder einem künftigen Leben, dann hast du nur mehr sieben weitere Geburten vor dir, o du mit dem diamantenen Willen.
Was siehst du vor deinen Augen, o du nach Göttlicher Weisheit Strebender?
Der Mantel der Finsternis liegt über der Tiefe des Stoffes; in seinen Falten ringe Ich.
Ja, ich sehe den Pfad; sein Anfang liegt im Sumpf, seine Höhe verliert sich im glorreichen Licht der Vollendung. Und nun sehe ich auch die immer enger werdenden Pforten auf dem harten und dornigen Weg zur Erkenntnis.
Jede Pforte hat einen goldenen Schlüssel, der sie öffnet.
Dies aber sind die Schlüssel:
1. Bereitschaft zum stetem sich Verschenken, der Schlüssel der Barmherzigkeit und unsterblichen Liebe.

2. Ausgeglichenheit, der Schlüssel der Harmonie in Wort und Tat, der Schlüssel, der Ursache und Wirkung ausgleicht und keinen Spielraum mehr lässt für das Wirken von Karma.

3. Unerschütterlichkeit, selige Geduld, die nichts ins Wanken bringen kann.

4. Leidenschaftslosigkeit, Gleichmut in Freud und Leid, Zerstörung des Wahnes, Erfassen der Wahrheit allein.

5. Kraft, furchtlose Energie, die sich ihren Weg zur höchsten Wahrheit erkämpft, empor aus dem Sumpf irdischer Lügen.

6. Versenkung, deren Pforte, einmal geöffnet, den Weisen in das Reich des Ewigen Seins führt und zu dessen immerwährender Betrachtung.

7. Weisheit, die den Menschen zu einem Gott macht, zu einem Weltenerlöser, einem Sohn der Geister des Firmaments.

Das sind die goldenen Schlüssel der Pforten.

Hast du dein Herz und seine Seele in Einklang gebracht mit dem Herzen und der Seele der ganzen Menschheit? Das Herz dessen, der in den Strom eintreten will, muss erbeben im Widerklange jeden Seufzers und Gedanken all dessen, was lebt und atmet.
Du musst die Leere des scheinbar Vollen erkennen lernen und die Fülle des scheinbar Leeren.
Du musst dich von dem reinen Wesen der Weltseele durchdringen lassen, eins werden mit dem Seelen-Gedanken der Natur.
Hüte dich, dass nicht deine Seele aus Sorge um ihr Ich den Halt aus dem sicheren Boden der göttergleichen Erkenntnis verliert.
Hüte dich, dass nicht deine Seele, des Selbstes vergessend, die Herrschaft über ihr unbeständiges Denken verliert und damit auch die Früchte ihres Sieges.
Hüte dich vor der Veränderlichkeit! Denn sie ist dein großer Feind. Sie wird dich bekämpfen und zurückwerfen, fort von dem Pfade, den du beschritten, tief hinein in die Sümpfe des Zweifels.
Selbstverurteilt, durch künftige Weltalter zu leben, ohne Dank der Menschen und unerkannt, eingekeilt als Stein unter zahllosen anderen Steinen, die den „Schutzwall” bilden, das ist deine Zukunft, wenn du die siebte Pforte durchschritten hast. Von der Hand vieler Meister des Mitleids erbaut, aus deren Qualen zusammengefügt, mit ihrem Blute verkittet, schützt er die Menschheit, seit der Mensch Mensch ist, und bewahrt sie vor weiterem und noch größerem Elend und Leid.
Bleibe selbstlos bis zum nie endenden Ende.

Foto: Wikipedia
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