Poesie Lyrik

Stadt aus Gold

In den populären Radiosendern (z.B. 1 Live) kann man derzeit zunehmend Popsongs – abgemischt mit eher leichter Musik – mit nachdenklichen, kritischen Texten zur Lebensausrichtung der heutigen Menschheit anhören.

Es erscheint wie ein Bewusstseinssprung in der deutschen Popbranche.
Tiefsinnige Balladen auf der Suche nach Liebe gab es in der Musikwelt schon immer – doch derzeit kommt etwas Neues dazu:
Sehr deutlich beschreiben Interpreten des Pop Phänomene unserer Welt – die wohl die meisten Menschen ahnen oder sogar kennen – die aber bisher nur von wenigen so deutlich thematisiert werden:

1. Eine zunehmende Kälte und abnehmende Verbindlichkeit der Menschen untereinander.

2. Das klare Erkennen einer Lebensausrichtung, die u.a. auch tendenziell zur Zerstörung unseres Lebensfeldes – unserer Welt – führen kann.

3. Die immer tiefer bewusst werdende Sehnsucht nach einem Ausweg.
Ein Beispiel dafür ist der derzeitige „Ohrwurm” Stadt von Cassandra Steen und Adel Tawil:

„Es ist so viel, soviel zu viel.
Überall Reklame.
Zuviel Brot und zuviel Spiel.
Das Glück hat keinen Namen.

Alle Straßen sind befahren.
In den Herzen kalte Bilder.
Keiner kann Gedanken lesen.
Das Klima wird milder.

Refrain:
Ich bau ne Stadt für dich,
aus Glas und Gold und Stein.
Und jede Straße die hinausführt,
führt auch wieder rein.
Ich bau eine Stadt für dich – und für mich.

Keiner weiß mehr, wie er aussieht – oder wie er heißt.
Alle sind hier auf der Flucht – die Tränen sind aus Eis.
Es muss doch auch anders gehen – so geht das nicht weiter!
Wo find ich Halt, wo find ich Schutz – der Himmel ist aus Blei hier.

Ich geb keine Antwort mehr – auf die falschen Fragen!
Die Zeit ist rasend schnell verspielt – und das Glück muss man jagen.

Cassandra: Eine Stadt, in der es keine Angst gibt, nur Vertrauen.
Adel: Wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbauen.
Cassandra: Wo das Licht nicht erlischt.
Adel: Das Wasser hellt.
Cassandra: Und jedes Morgengrauen,
Adel: und der Traum sich lohnt.
Cassandra: Und wo jeder Blick durch Zeit und Raum in unsere Herzen fließt.”

Hört man diesem Lied tiefer zu, hebt sich dieser Song über die Ebene eines gewöhnlichen Liebesliedes zweier Menschen hinaus.
Hier eine mögliche Interpretation:

„Es ist so viel, soviel zu viel.
Überall Reklame.
Zuviel Brot und zuviel Spiel.
Das Glück hat keinen Namen.

Alle Straßen sind befahren.
In den Herzen kalte Bilder.
Keiner kann Gedanken lesen.
Das Klima wird milder.”

Die ersten beiden Strophen beschreiben eine zunehmende Veräußerlichung des Lebens. Der Konsum in unseren Ländern bietet nahezu grenzenlose Möglichkeiten – wirkliches Glück jedoch ist schwer zu finden. Es ist unbekannt – es hat keinen Namen.
Es fehlt eine Ernsthaftigkeit im Sinne von Tiefe. Die Herzen der Menschen berühren einander nur selten. Das Wissen um den wahren Sinn des Lebens ist dem Menschen abhanden gekommen. So sind dann auch die Bilder seines Herzens kalt – es fehlt ihnen an Wärme und Lebendigkeit. Das Herz kristallisiert zunehmend, es vibriert keine tiefere Lebendigkeit in ihm. Einen Menschen zu verstehen, scheint immer schwieriger zu werden.

Refrain:
Ich bau ne Stadt für dich,
aus Glas und Gold und Stein.
Und jede Straße die hinausführt,
führt auch wieder rein,
Ich bau eine Stadt für dich – und für mich.

Doch eine Veränderung, eine Umkehr ist möglich. Eine NEUE Stadt kann erbaut werden. Die Stadt ist hier Symbol für ein ganz anderes Lebensfeld. Hier gelten andere Gesetze als die bisher erfahrenen: Die Stadt besteht aus Glas (Transparenz, Anmut), Gold (etwas sehr Wertvolles – ein wahrer Wert, das Gold des Geistes) und auch Stein (eine solide Basis, Halt). Eine Stadt entsteht aus vielen Menschen, die miteinander leben. Die Stadt aus Glas und Gold besteht aus Menschen mit einem erneuerten Bewusstsein.

Ein höheres Bewusstsein muss zugleich einem höheren Lebensfeld angehören – mit ihm in Verbindung stehen. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft sind geborgen. Jeder geht seine Erfahrungs- und Lebenswege, erfüllt seine Aufgaben (Straßen, die hinaus führen), bleibt aber mit dem Kern der Gemeinschaft in Liebe verbunden (die Straßen führen wieder hinein). Und diese Stadt ist für alle erbaut, „für dich – und für mich.”

„Keiner weiß mehr, wie er aussieht – oder wie er heißt.
Alle sind hier auf der Flucht – die Tränen sind aus Eis.
Es muss doch auch anders gehen – so geht das nicht weiter!
Wo find ich Halt, wo find ich Schutz – der Himmel ist aus Blei hier.

Ich geb keine Antwort mehr – auf die falschen Fragen!
Die Zeit ist rasend schnell verspielt – und das Glück muss man jagen”.

Es ist wie ein Spiegel, der dem Menschen vorgehalten wird:
Er hat seine wahre Identität verloren. Er hat keinen Namen mehr, verliert sich im Bedeutungslosen – und ist auf der Flucht vor dieser ängstigenden Erkenntnis. Der Schmerz kann kaum zugelassen werden – Tränen sind aus Eis. So geht es nicht weiter.

Doch das tiefere Wissen, dass es eine Rettung gibt, funkelt gelegentlich wie ein Sonnenstrahl in unser Bewusstsein – und zwar dann, wenn der Mensch keine Antworten mehr auf die falschen Fragen gibt!

So ein Mensch erlebt seine egozentrisch orientierte Lebenshaltung als Behinderung für seine tiefere Lebensbestimmung. Sie blockiert die lebendige Wirklichkeit, die in ihm selbst liegt – in seinem innersten Wesen. Als Folge darauf kann es geschehen, dass ein Mensch nicht mehr auf das Drängen des egozentrischen Selbstes reagiert. Dieser Bewusstwerdungsprozess hat eingreifende Folgen: Das Ego-Selbst wird weniger genährt und somit schwächer. Zugleich wird unser innerstes Wesen mehr und mehr bewusst – und schließlich der bestimmende Faktor in unserem Leben.

Die neue Freiheit des inneren Menschen wird hier in einer Vision der neuen Stadt gezeigt:

Cassandra: Eine Stadt, in der es keine Angst gibt, nur Vertrauen.
Adel: Wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbauen.
Cassandra: Wo das Licht nicht erlischt.
Adel: Das Wasser hellt.
Cassandra: Und jedes Morgengrauen,
Adel: und der Traum sich lohnt.
Cassandra: Und wo jeder Blick durch Zeit und Raum in unsere Herzen fließt.

Es ist die Vision eines Lebens in vollkommender Harmonie (Vertrauen), einer absoluten Fülle und Achtsamkeit gegenüber allem Lebendigem.

Das Licht strahlt in Ewigkeit – es existiert keine Dunkelheit. Denn das Licht verlöscht niemals.

Das Wasser des Lebens schafft eine vollkommen reine Atmosphäre.
Das Leben ist vollkommene Einheit mit allem Leben.
„Jeder Blick durch Zeit und Raum fließt in unsere Herzen”.

Ob die Interpreten wissen, dass der Weg zu dieser Stadt in Wahrheit existiert?

Musikvideo
"Stadt" von Cassandra Steen und Adel Tawil
Nachhörbar und -fühlbar im Internet unter:
http://www.youtube.com/watch?v=jG1lujlMMsg

Musikvideo 
Weiterer Hör- und Sehtip "Schöne Neue Welt" von Culcha Candela
http://www.youtube.com/watch?v=SZR6Jfr3--0
Gemälde: Johfra Ausschnitt Pforte des Saturn
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