Poesie Lyrik

Sri Aurobindos Epos Savitri

Sri Aurobindos Epos Savitri hat mich stark berührt. Deshalb möchte ich es kurz vorstellen. Er hat es in einem Zeitraum von über 30 Jahren geschrieben. Immer wieder hat er den Text seinem aktuellen Bewusstseinszustand angepasst. Er entstammt seiner direkten Gotteserfahrung, seiner Intuition.

Es handelt sich um ein Epos von 28 000 Zeilen. Savitri, eine Prinzessin (ein Mensch mit einer bewussten ewigen Seele) ist in diese Welt gekommen, um sich dem Tod entgegen zu stellen und ihn für alle Menschen zu überwinden, und zwar aus Liebe zu Satyavan, einem Prinzen. Der Text enthält eine Fülle schöner Bilder.

Savitri findet Satyavan nach langem Suchen. Er wohnt in einer wunderschönen Waldlichtung. Sie bleiben beieinander. Nach einem Jahr stirbt Satyavan. Der Tod holt ihn ab und Savitri folgt ihnen. So gehen sie durch viele verschiedene Gebiete der nichtstofflichen Welten und es kommt zu tiefgreifenden Dialogen zwischen dem Tod und Savitri. Der Tod versucht fortwährend, Savitri zu entmutigen und ihr die Unmöglichkeit ihres Unterfangens deutlich zu machen.

Hier ein Beispiel:

Der Tod sagt: Wenn Freiheit, Seligkeit und Unsterblichkeit gefunden werden sollen, dann kann das erst nach Eintritt des Todes geschehen. Er begründet dies differenziert und überzeugend. Doch Savitri fragt ihn: Wenn diese Schöpfung aus dem Nichts entstanden ist, wenn Materie sich aus Energie bildet und Leben aus Materie und Verstand aus Leben und wenn die Seele durch das Fleisch hinaus schauen kann, was kann dann falsch daran sein, darauf zu hoffen, dass der unvollkommene Mensch von heute sich eines Tages in die Vollendung Gottes transformieren wird? Sogar jetzt lassen sich im Menschen schon leuchtende Spuren dieser zukünftigen Vollkommenheit finden.

Ein kleines Stück aus dem übersetzten Original:

„Was kann Gott daran hindern, sich hineinzustehlen,
wer will ihm denn verbieten, die schlafende Seele zu küssen?
Schon ist Gott nahe, Wahrheit ist schon dicht bei uns …
Doch weil ich am leuchtenden Rand der Ewigkeit stehe,
habe ich entdeckt, dass die Welt ER war (Satyavan).
Ich bin dem Geist mit Geist, dem Selbst mit Selbst begegnet.
Ich habe auch den Körper meines Gottes sehr geliebt.
Ich bin ihm nachgegangen hier in seiner irdischen Gestalt.
Einsame Freiheit kann niemals ein Herz befriedigen,
das eins geworden ist mit jedem Herzen.
So bin ich eine Abgesandte der Strebenden Welt.
Die Freiheit meines Geistes fordere ich für alle.”

Der Tod gibt ein Stück des Weges frei:

„In einem flammenden Moment apokalyptischer Erleuchtung
warf die Inkarnation ihren Schleier zur Seite.
Wenn auch in der Unsterblichkeit nur eine unbedeutende Gestalt,
stand sie doch da und schien des Ewigen wahrhaftiges Haus zu sein,
wie wenn das Zentrum dieser Welt gerade ihre Seele wäre
und all der weite Raum nur deren äußeres Gewand.
Ewigkeit blickte in des Todes Augen.
Die Finsternis sah Gottes lebendige Wirklichkeit.”

Der Tod gibt nicht auf. Er will Savitri ins Paradies einladen, damit sie dort mit Satyavan zusammen ist.

Savitri spricht jedoch:

„Ich steige nicht empor zu deinem immerwährenden tag,
wie ich auch deine ewige Nacht abgewiesen habe.
Die Erde ist der ausgewählte Ort mächtigster Seelen.
Die Erde ist des heldenhaften Geistes Kampfplatz,
die Schmiede, wo der Erz-Baumeister seine Werke formt.
Die Dienstbarkeiten auf der Erde, König, sind viel größer
als all die wunderbaren Freiheiten des Himmels.
Für mich sind deine Himmel vom leidenden Menschen viel zu weit entfernt.
Unvollkommen ist jene Freude, die nicht von allen geteilt werden kann.

Savitri gelangt schließlich zur endgültigen Überwindung. Sie kehrt am Schluss zusammen mit dem lebenden Satyavan von ihrem Gang durch die Welten zurück zu dieser Welt.

(Ein kleines preiswertes Heft mit Textauszügen und Erklärungen:
ISBN 81-7060-213-0. Internet: www.sriaurobindosociety.org.in)
Altindisches Gemälde
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