Alchemie

Spiralengang

Fast jeder Mensch träumt von einem Aufstieg. Bildlich gesprochen könnte man sagen, er wünscht sich, den „Turm von Olympus” zu ersteigen, den Turm, der bis in den Himmel reicht.

Das Bild ist ein altes Symbol für den spirituellen Aufstieg.

Findet der Mensch dort die Glorie und die Wahrheit seines Lebens und Werdens?
Findet er den wahren Sinn seines Lebens und die Hilfe, ihn zu realisieren?

Fest steht, dass die Spitze des Turmes nur über einen langen Spiralengang zu erreichen ist. Was kann das für mich und mein Leben bedeuten?

Bedeutet es, etwas erfahren, erleiden, erkennen zu müssen? Immer wieder, bis eine Heilssehnsucht in mir aufsteigt, die mich veranlasst, mich aus den Niederungen des bisherigen Lebens zu erheben? Aus den Niederungen des Stoffes und des damit verbundenen Fühlens und Wollens und des materiellen Denkens?

Ja, so erfahre ich es. Und mit jeder weiteren Stufe steht vor mir, was noch nicht von mir gelöst oder aufgelöst werden konnte. Auf jeder neuen Stufe gibt es Neues zu erkennen, zu erleiden und zu erfahren.

Setzt man den Aufstieg fort, ohne sich von äußeren Dingen ablenken zu lassen, kann man bemerken, dass die Last des Schicksals mit der Zeit leichter wird, bis schließlich kaum noch Gewicht empfunden wird. Dieses Ziel steht mir vor Augen. Denn liegt die Spitze des Olymp in unmittelbarer Nähe, wird die Pilgerschaft durch Not und Tod bald bewältigt sein. Oben angekommen, können wir eine neue Lebensaussicht genießen. Das Land der Seele und des Geistes kann geschaut werden.

Die Spannkraft für diese Wanderung stammt aus dem inneren Ruf des Geistes, der im Herzen erklingt und mich mit der Kraft der Ewigkeit verbindet. Er gibt die Impulse für den Aufstieg.

Ein Aufatmen geht durch das Wesen, die Horizonte sind frei.
Das Empfinden einer in sich geschlossenen und zugleich offenen Welt im eigenen Inneren, das Bewusstsein der eigenen geistigen Struktur, die sich einem Umfassenderen angleicht, entsteht. Körper, Seele und Geist vereinigen sich zu neuem Werden.

Ich wünsche mir, dass viele diese neue Lebensmöglichkeit ergreifen, dass sie Goldsucher werden, die nach dem Gold des Geistes forschen. Ich erlebe Wegstationen, an denen sich neues Empfinden und Denken formen.

Wohl werden wir nicht ermessen, wie weit wir unseren Spiralengang in die Höhe führen können.

Sicher ist, dass wir mit den gesammelten Erfahrungen dieses Aufstieges, mit unseren Einsichten und Visionen wieder hinuntergehen und sie anderen pilgernden Menschenseelen mitteilen. Wir können sie ermuntern, den Spiralengang auf sich zu nehmen.

Foto: Hermann Achenbach
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