Selbsterfahrung

Sommerabend

Nach einem langen Arbeitstag beschließen wir, noch ein wenig Luft zu schnappen. Ein lauer Wind weht. Es duftet nach Honigklee, nach reifen Ähren. Ich mag diesen Weg am Waldrand mit seinem weich bemoosten Teppich. Die Kiefern strahlen eine angenehme Wärme ab nach diesem heißen Sommertag. Wir gehen schweigend, nehmen dankbar die Stille auf. Das Zirpen der Grillen vermischt sich mit den ersten Vogelstimmen, die ihr Abendlied singen. Eine Bank am Waldrand lädt zum Verweilen ein.

Zeitlosigkeit und Ruhe, begleitet von einer fast schmerzhaften Sehnsucht. Es ist still, so still. Ein seltsamer Zauber hält mich umfangen, so, als wäre ich genau dort, wo diese Sehnsucht herrührt. Wie aus einer Quelle strömt eine innige Kraft empor, die mein ganzes Wesen umfängt. In Momenten des Stillewerdens und Lauschens nach Innen findet die Ewigkeit eine Tür im Herzen, kann sie uns berühren. Dieser Augenblick lässt eine Gewissheit in mir zurück: Da ist noch etwas anderes, das gehört werden will.

Langsam taucht der Himmel in abendliches Blau und verschwimmt mit dem kalkweißen Gestein des Weges. Wir machen uns auf den Heimweg.

Foto: Ch. Achenbach
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