22. Januar 2019 von Frank Saß

Shankara – Das Kleinod der Unterscheidung

Wenn ich auf eine einsame Insel verbannt würde und nur eine handvoll Bücher mitnehmen dürfte, gehörte dazu sicherlich das Buch „Das Kleinod der Unterscheidung“ des indischen Weisen Shankara.

Er lebte von 788 bis 820 und gilt als einer der größten Heiligen und Philosphen des Hinduismus. Sein Werk ist eine der heiligen Schriften Indiens.

Zentral in dieser Schrift stehen die Begriffe: Atman und Brahman.

Atman könnte man als das im Menschen verborgene Göttliche und Unsterbliche bezeichnen und Brahman als das universelle Göttliche, den göttlichen Geist, der das All erschaffen hat..

Atman ist auch die Weltseele, von Brahman ausgeatmet, um die Schöpfung zu beseelen.

Für den nach Erleuchtung strebenden Menschen ist die Erkenntnis des innewohnenden Atman der erste Schritt, die Brücke zu der Erfahrung: Atman und Brahman sind Eins.

Der Atman ist im Grunde auch der Christus in uns, der spricht: „Der Vater und ich sind Eins“

 

Es folgen einige Zitate aus der Schrift: „Das Kleinod der Unterscheidung“

aus der deutschen Übersetzung des O.W.Barth-Programms im Scherz Verlages.

 

Der Atman ist ohne Geburt und Tod. Er wächst nicht und vergeht nicht. Er ist unwandelbar. Er vergeht nicht, wenn der Körper sich auflöst.

Das Wesen des Atman ist reines Bewusstsein.

 

Der Atman ist der Zuschauer, das unendliche Bewusstsein.

 

Wenn das Denken beherrscht und der Intellekt rein und in Ruhe gehalten wird, ist der Atman unmittelbar im eigenen Innern zu erfahren. Erkenne den Atman als das wirkliche Selbst. Dann wirst du das uferlose Meer der Weltlichkeit überqueren, dessen Wellen Geburt und Tod sind. Lebe im Wissen um die Identität mit Brahman und sei gesegnet.

 

Der Mensch lebt in Fesseln, weil er durch Unwissenheit das, was Nicht-Atman ist, für sein wirkliches Selbst hält. Daraus folgt das Leiden von Geburt und Tod. In seiner Unwissenheit identifiziert der Mensch sich mit seinem Körper und hält das Vergängliche für wirklich.

 

Nur das scharfe Schwert der Erkenntnis kann diese Bindung durchschneiden. Es wird geschmiedet von der Unterscheidung und geschärft durch die Reinheit des Herzens und durch die göttliche Gnade.

 

Der Mensch muß voller Hingabe die Pflichten des Lebens erfüllen. Dies reinigt sein Herz. Ein Mensch, dessen Herz rein ist, erfährt den Atman.

 

Der Weise, der Befreiung von den Fesseln sucht, muß zwischen Atman und Nicht-Atman unterscheiden. Auf diese Weise kann er den Atman erfahren als Unendliches Sein, Unendliche Weisheit und Unendliche Liebe. So findet er Seligkeit.

 

Der Atman wohnt in Inneren. Er ist frei von Bindungen und jenseits aller Tätigkeit.

Die Seele, die so allein im Atman verharren kann, ist wirklich frei.

 

Der Unwissende identifiziert sich mit dem Körper. Du Narr, höre auf, dich mit diesem Bündel von Haut, Fleisch und Knochen zu identifizieren. Identifiziere dich mit Brahman, dem Absoluten, dem Atman in alle Sein. So kannst du höchsten Frieden erlangen.

 

Foto: Gemälde von Raja Ravi Varma

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