Poesie Lyrik

Sehnsucht und Wiedererkennen

Als ich vor einigen Monaten die Kolumne über Suhrawardi las, erinnerte ich mich an einen Text des indischen Mystikers Kabir:

„Etwas Wundervolles …
Ich habe etwas so Seltenes gefunden, etwas so Wundervolles,
dass niemand seinen Wert ermessen kann.
Es ist farblos und eins; es ist ewig und unteilbar;
die Wogen des Wandels überspülen es niemals; es erfüllt jedes Gefäß.
Es hat kein Gewicht, es hat keinen Preis; niemand kann es je bemessen;
niemand kann es zählen, es ist nicht zu erkennen durch Rede oder Erörterung.
Es ist nicht schwer und ist nicht leicht.
Es gibt keinen Prüfstein in einer der Welten, der seinen Wert offenbaren könnte.
Ich lebe in ihm, es lebt in mir, und wir sind eins, wie Wasser vermischt mit Wasser.
Wer es kennt, der kann niemals sterben – wer es nicht kennt, der stirbt immer wieder.”

Ist dies nicht der Klang der ursprünglichen Seele? Ähnelt dies nicht den Hymnen Laotses auf Tao? Dieser Text hat mich immer wieder angezogen. So oft habe ich ihn gelesen, wollte ihn verstehen und konnte ihn nicht begreifen. Doch die Zeilen Kabirs haben „etwas” in mir berührt, das spürte ich.

Irgendwann wurde mir die Essenz des Textes geschenkt. Nicht als Wissen, nicht im intellektuellen Durchdringen. Als eine Erkenntnis aus dem Herzen. In der Erkenntnis liegen ein Wiedererkennen und eine Sehnsucht. Das Ewige in uns, das seit unendlichen Zeiten auf uns wartet, ruft uns zu einem Weg.

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