Kunst

Schönheit

Was ist schön? Zu allen Zeiten hat diese Frage die Menschen beschäftigt. Mancher Künstler trägt ein Bild dessen, was schön ist, in sich und versucht, es zu verwirklichen – oder er verweigert sich ihm und stellt Abweichendes dar, aber auch das vor dem Hintergrund des inneren Bildes. Philosophen haben sich über die Schönheit Gedanken gemacht und für uns persönlich ist Schönheit meist ebenfalls ein tiefes inneres Bedürfnis. Doch: Was ist schön, was ist Schönheit?

Neurologen haben sich damit befasst. Ein Kunstmuseum in St. Gallen bot Besuchern einen „Datenhandschuh” an, mittels dessen die emotionale und kognitive Erregbarkeit aufgezeichnet werden kann. Das Bild, das am eingehendsten betrachtet wurde, ist dann, „wissenschaftlich” nachgewiesen, schön, am schönsten.

Der Neurobiologe Semir Zeki kommt, wie es in der Ästhetiktheorie schon oft ausgeführt worden ist, zu dem scheinbar paradoxen Ergebnis, dass das Schöne seinen Reiz auch darin hat, dass es nie ganz zu fassen ist.

Was im Gehirn abläuft, wenn wir Schönes wahrnehmen, sagt noch nichts über den Begriff von Schönheit an sich aus. Goethe hatte zu dieser Frage den Satz geprägt: „Kunst ist die Sprache des Unaussprechlichen” – und er meinte damit auch – das Schöne.

Das Wort schön umschreibt man als „glänzend, rein, ansehnlich”. Es gehört zu der Wortgruppe „schauen, sehen, betrachten, zeigen, auf Etwas achten”. Im ursprünglichen Sinn hatte es die Bedeutung „das Innere (Geistige) sehen”. Wie bei vielen Begriffen mit einem einst spirituellen Hintergrund hat sich der Begriff Schönheit veräußerlicht und so gelangte er in die Nähe von „Schein”. Dieses Wort ist mit dem Begriff Schönheit verwandt. Schein wird definiert als „Glanz, Abglanz, Schatten, trügerisches Bild, von dem keine Wirkung ausgeht”.

Der chinesische Eingeweihte Lao Tse sagte in seinem Tao Te King: „Wir wissen, Schönheit wird als Schönheit nur erkannt, wenn Nichtschönheit bewusst wird.”

Aber wir schließen die Augen vor dieser Wahrheit, weil wir das Hässliche nicht sehen wollen. Es stört uns in unserem Wohlbefinden, sowohl was die Natur angeht, als auch die Weltgeschehnisse und das, was Menschen sich gegenseitig antun. Und so lieben wir auch den blinden Fleck in unserem eigenen Herzen, der nichts Negatives wahrnehmen will.

Kafka sagt in seinen Aphorismen:

„Das Böse ist manchmal in der Hand wie ein Werkzeug; erkannt oder unerkannt lässt es sich, wenn man den Willen hat, ohne Widerspruch zur Seite legen.” Und weiter: „Es gibt zwei menschliche Hauptsünden, aus welcher sich alle ableiten: Ungeduld und Lässigkeit. Wegen der Ungeduld sind wir aus dem Paradies vertrieben worden, wegen der Lässigkeit kehren wir nicht zurück.”

Schauen wir doch voll Mut in unsere Seele und sagen „ja” zu unseren Fehlern. Das ist der Anfang zur Heimkehr in das göttliche Lebensfeld im Jetzt. Knüpfen wir an die uns gegebene Aufgabe an: Im Weiblichen, das in uns lebt, Hüterin des Herzenslichtes zu sein; und im Männlichen das Denken von den allzu verführerischen Angeboten frei zu halten und auf das Spirituelle hin zu lenken. So ergänzen sich beide Pole in uns, der weibliche und der männliche, zu einer Einheit ohne „Schein”, zu der Schönheit, die unvergänglich ist, auch wenn sie nicht mit einem „Datenhandschuh” nachgewiesen werden kann.

H. Bosch: Gemäldedetail
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