Schicksal der Patarener am Gardasee

Nach einer kurzen Reise in das Land der Katharer in den französischen Pyrenäen reiste ich an den Gardasee, um dort gemeinsam mit meiner Familie einige Tage zu verbringen. Ich hatte bereits viel Literatur über die Katharer gelesen. Ihr Bestreben war, sich den Weg in eine göttliche Welt wieder zurück zu bahnen, die von ihrer aktuellen Lebenswelt stark zu unterscheiden war. Dies sei durch eine intensive Reinigung des Herzens, der Gedanken und des Handelns möglich. Die reine und bescheidene Lebensweise der Katharer zog nicht nur bürgerliche Landsleute in ihren Bann, sondern war bei auch bei den Adeligen im Languedoc im 12. und 13. Jahrhundert hoch angesehen. Die zunehmende Beliebtheit sowie der große Einfluss auf das Volk und die Adeligen führten schließlich im 13. Jahrhundert zu einer grausamen Verfolgung durch die päpstliche Inquisition. Der Papst fürchtete eine weitere Ausdehnung und damit einen Machtverlust der Kirche.
Ich war sehr erstaunt, als ich unvermutet in dem kleinen Ort Sirmione am Gardasee beim Besichtigen einer Scaligerburg auf weitere Spuren der Katharer stieß. Auf der Halbinsel und auch in anderen Teilen Oberitaliens hatten sich viele Anhänger der katharischen Lehre, die in Italien Patarener/Pateriner hießen, angesiedelt. Dort befanden sich auch viele Katharer, die aus den Pyrenäen vor der Verfolgung der päpstlichen und adeligen Garden geflüchtet waren. Doch auch in Sirmione ereilte sie ein ähnliches Schicksal wie ihre Glaubensbrüder in Südfrankreich. Im Dument-Reiseführer heißt es sinngemäß, dass die Scaligeri (Herren von Verona, Erbauer der Scalierburgen am Gardasee) 1276 auf Geheiß des Papstes den Ort Sirmione überfielen und dort ein Blutbad anrichteten. So wurden also die harmlosen Patarener, die weder nach Macht noch Reichtum strebten, unschuldig auf Grund des machtstrebenden Papstes ermordet.
Ich war also zufällig und unbeabsichtigt den Spuren der Katharer / Patarener nach Oberitalien an den Gardasee gefolgt (Hinweis: auf dem Foto ist stellvertretend für alle Scaligerburgen die Burg in Malcesine abgebildet).

Foto: Angela Klangthal
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