Selbsterfahrung

Reinkarnation? Mein Erlebnis.

Bei Kriegsende war ich 14 Jahre alt. Unser Haus in Frankfurt war zerbombt. Wir lebten unter sehr ärmlichen Umständen in einem kleinen Dorf, meine Großmutter, meine Mutter, meine Geschwister und ich. Ich half den Bauern bei der Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern. In dieser Zeit trat bei mir eine schwere Atemnot auf, insbesondere, wenn das Gras frisch gemäht war und bei den Erntearbeiten. Im Jahre 1947 verschlimmerte es sich so sehr, dass jedes Atemholen zur Kraftanstrengung wurde. Ich konnte kaum noch schlafen. Hinzu kam, dass unsere fünfköpfige Familie nicht genug zu essen hatte.

Eines Tages, nach nächtelangem Wachsein und wenig Essen, war ich am Ende meiner Kräfte. Ich kämpfte um Luft und es tauchte die bohrende Frage auf: Wo bleibt die Gerechtigkeit Gottes? Warum muss ich so leiden und eventuell an Atemnot sterben? Was habe ich getan? Dabei fielen mir andere schwere Schicksale ein, zum Beispiel Menschen, die als Krüppel geboren wurden. Wo ist die Gerechtigkeit?

Das bohrende Warum war die letzte Bewegtheit in mir, als ich vom Wachbewusstsein ins Unbewusste fiel. Ich fiel gleichsam in eine Dunkelheit. Plötzlich sah ich „mich” in einer anderen Zeit. Ich sah, wie in einer starken emotionalen Bewegtheit eine schlimme Tat begangen wurde. Ich wusste, fühlte und empfand im Innersten: Das war ich. Das kurze Erlebnis löste sich schnell wieder auf und ich fand mich wieder am Tisch sitzend, den Kopf auf ein Kissen gestützt. Das fragende, bohrende, quälende Warum war verschwunden. Eine Wahrheit erfüllte mich: Man lebt nicht nur einmal, und das Schicksal, das ich erleide, ist die Folge aus Vergangenem.

Ich wurde zu einem suchenden Menschen. Heute weiß ich etwas vom Karmagesetz. Ich kann das, was zu mir gehört, annehmen. Denn es liegt eine Aufgabe darin verborgen. Wir haben die Möglichkeit, alles in ein höheres Licht zu stellen. Schon die Bemühung darum lässt in mir etwas aufleuchten, das nicht mehr dem Gesetz untersteht. Wir können den Schicksalskreislauf seelisch verlassen. Es gibt eine höhere Oktave des Menschseins. Alle bitteren Erfahrungen sollen uns dazu reif machen, dem Ruf dorthin zu folgen.

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