Gnosis

Plädoyer für eine „geozentrische” Sicht, für Selbst-Liebe und eine mögliche kommende Welt

Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht mir nicht darum, die räumliche Anordnung und die Bewegungen des kopernikanischen heliozentrischen Weltbildes in Frage zu stellen oder einem Ego-Narzissmus das Wort zu reden. Worum es mir geht, ist, das ptolemäische geozentrische Weltbild als eine für bestimmte Menschen sehr interessante Innenschau zu beschreiben und anzuempfehlen.

Ich möchte ein Plädoyer für diese Schau, ein Plädoyer für eine Reise zu einem ganz anderen Menschsein halten.

Warum?

Seit längerer Zeit driften außerordentlich viele Menschen in eine exzentrische Weltsicht ab. Ihr Wohl, ihr Sein, ihre Sicht sind nicht mehr in ihrem eigenen Mittelpunkt ansiedelt. Sie sind auch nicht im Mittelpunkt ihrer Familie, im Mittelpunkt des Seins ihrer Nachbarn zu finden, sondern in fernen mentalen Objektwelten, in fernen abstrakten Systemen.

Auch eine mentale esoterische Weltsicht unterscheidet sich hiervon nicht wesentlich. Denn das Heil kommt auch hier meist von Außen: vom Guru, vom levitierten Wasser, vom energetisierten Heilmittel und Ähnlichem.

Fast alle Menschen sind inzwischen fern ab von ihrem eigenen Seinszentrum. Genauso weit, wie der Kopf vom Zentrum des Körpers entfernt ist.

Das Zentrum unserer komplexen Körperstruktur liegt nach meiner Sicht dort, wo sich im sichtbaren Körper das Herz befindet. Dieses Zentrum kann und wird irgendwann alles erleuchten und allen Irrtum beseitigen.

Die alten semitischen Beschreibungen des menschlichen Weltinnenraums in der Bibel erwähnen, dass sich das Zentrum des geistigen Menschen im Bereich des Herzens befindet. Ruach, der Geist, wohnt im Herzen. Er ruft uns zu einer Reise zum Mittelpunkt „der Erde”, und das bedeutet hier: zum Mittelpunkt unserer körperlichen Struktur. Bei dieser Reise geht es um die Betrachtung von Schleiern, die Planetenbahnen ähneln. Es sind Bahnen um den Mittelpunkt herum. Es geht um die Entschleierung einer Welt, der menschlichen Innenwelt. Das ist eine ganz andere Welt, als wir sie normalerweise kennen. Wenn diese Reise zum Mittelpunkt „der Erde” erfolgreich ist, wird sie mit einer neuen „Erde” und einem neuen „Himmel” in dem kleinen kugeligen Kosmos bekrönt. Wir sind dann in die wahre Welt des Menschen eingetreten. In der uralten semitischen Sehnsucht wird sie Olam Ha-Ba genannt, die kommende Welt.

Wer die Reise nach Innen, in sein wirkliches menschliches Sein, antritt und sich selber kennen lernt, findet das Licht und die Wärme verströmende Liebe des zentralen Herzens.

Selbst-Liebe ist dann keine Ego-Liebe, sondern das Erblicken der zentralen Sonne. Sie ist automatisch eins mit der vollkommen gleichartigen zentralen Sonne in den anderen menschlichen Kosmen.

Die sichtbare äußere Sonne unseres jetzigen Körperbewusstseins liegt weit von unserer Erde entfernt. Ihre Strahlen nähren unseren jetzigen Körper. Sie lassen die Pflanzen wachsen, auch das Plankton, und ermöglichen unsere Atmung in einer Objektwelt, die uns das „Objektive” suchen lässt.

Unbemerkt von dem durch das Äußere gebildeten Bewusstsein erleuchtet jedoch unsere Zentralsonne das circa 20 Meter große kugelförmige menschliche „Haus”, in dem wir wohnen.

Unser Körper, die „Erde”, Terra, hat ein Bewusstsein hervor gebracht, das von Abtrennung gekennzeichnet ist. Und weil wir so abgetrennt fühlen, wahrnehmen und denken, glauben wir auch so schnell, das alles Wesentliche irgendwo anders sei!

Aber das ist nicht so!

Alles Wesentliche ist mitten in uns!

Deshalb erwähnen die unverfälschten semitischen Reisebeschreibungen in diesen Weltinnenraum auch, dass wir keine Vermittler in unserer „Beziehung zu Gott” benötigen, sondern nur Treue gegenüber dem inneren Quell der zentralen Sonne im Herzen.

Wenn ein Mensch anfängt, mehr als sein auf der Abtrennung beruhendes Körperbewusstsein zu beachten, kann er die Reise in seine wirkliche Innenwelt beginnen und der Umhüllungen um seinen jetzigen Körper gewahr werden, die das Bewusstsein wie undurchdringliche Schleier umnebeln.

Wenden wir einmal das ptolemäische Weltbild analog auf uns an, um die Schleier zu bezeichnen und die Entschleierung anzudeuten:

Als 7 Schleier erscheinen die 7 Sphären dem Menschen zumeist.

Die herkömmliche Wirksamkeit des nach Außen gerichteten Lebens ist in den üblichen astrologischen Systemen beschrieben und soll hier nicht mein Thema sein.

Bei der Reise in die Weltinnenwelt erscheinen drei „rote Schichten”, zwei „weiße Schichten” und zwei „schwarze Schichten”.

Die drei roten Schichten sind die der „Mondbahn”, der „Venusbahn” und der „Merkurbahn”

Sie bewirken Wandlung, Begehren und Lebenswahrnehmung als grundlegende Entflammungsprozesse in dem kleinen Kosmos.

Um unsere jetzige „Erde” rotiert gleich einem Satelliten der „Mond”. Er entflammt in uns das sich wandelnde Leben. Unser körperliches und energetisches Sein ist von fortwährenden Wandlungen gekennzeichnet.. Der „Mond” lässt uns „lunisch”, launisch sein. Er bewirkt es auch, dass der sich nach Außen orientierende Mensch Geburt, Bewegung und Tod erfährt.

Würden wir „geozentrisch” leben, ausgerichtet auf die Zentralsonne im Herzen, dann würden wir die äußeren Schichten in unserem „Haus” als Schleier und Umhüllungen erkennen, die den wahren Lichtquell der zentralen Sonne verdunkeln.

Die auf den „Mond” folgende Schicht oder Umhüllung ist die „Venus-Schicht”, ebenso wie die Venus, von der Erde aus gesehen, der nächste Planet ist. Auch sie repräsentiert ein fundamentales Seinsprinzip, und zwar das der Verbindung. Alles, was zum Begehren gehört oder was zu einer Synthese führt, beruht auf diesem fundamentalen Seins- und Energieprinzip.

Als hierauf folgende weitere Schicht erscheint die des „Merkur”. Sie bestimmt das Körpergesamtbewusstsein, das aus Teilen zusammengesetzte Bewusstsein, welches durch die Nerven ermöglicht wird. Es ist der dritte Teil des fundamentalen körperlichen irdischen Seins.

Diese ersten drei den sterblichen Menschen umhüllenden Schichten hat man wegen ihrer fundamentalen Funktion in Bezug auf die Verbindung von „Haus” und „Hausbewohner” „feurig-energetisierend” genannt.

Bei der Reise nach Innen energetisieren sie durch Wandlung, Begehren und Lebenswahrnehmung einen Prozess der Verwandlung, der in der Alchemie „die rote Arbeit” genannt wird.

Die nunmehr folgenden, etwas weiter entfernten Schichten sind die Bahnen der „Sonne” und des „Mars”. Sie werden in der nach Außen gerichteten Astrologie üblicherweise als feurig bezeichnet. Nicht aber bei der Reise nach Innen! Bei ihr ermöglichen sie die alchemische Bleichung/Weißung/Klärung.

Um die Erde, unseren jetzigen Körper, zu heiligen, müssen die Schichten in unserem kugeligen Haus klar werden. Dazu muss neben einem Energie- und Seinsprinzip noch etwas existieren, was eine Durchsicht (Dia-gnosis) ermöglicht. Im dem 20 Meter großen Haus des sterblichen Menschen muss neben Energie auch Durchsichtigkeit, Klarheit vorhanden sein.

Während durch das Begehren auf Grund der Venusschicht Farben entstehen, geht es in den Schichten von Sonne und Mars darum, ein durchsichtiges klares Weiß im Haus des Menschen hervor zu bringen, so dass alle Trennung auf der „Erde” aufgelöst werden kann. Bewegung und Verströmung von Mars- und Sonnenschicht wirken durch ihre Klarheit vereinigend. In der Alchemie wird diese Arbeit „die weiße Arbeit” genannt. Bei ihr lernen wir auf der Reise in die kommende Welt unsere ewige Hütte immer besser kennen.

Die von unserem Körper aus gesehenen am weitesten entfernten Ebenen in unserem kugeligen Haus sind die „Jupiter- und Saturnbahnen”. Diese äußersten Schichten stellen bei der Reise nach Innen „das schwarze Werk” der Alchemie dar, welches gewährleistet, dass die Zentralsonne wieder das ganze Haus erleuchten wird. Die in der Alchemie Schwärzung oder Einkohlung genannte Arbeit löscht in diesen Schichten des menschlichen Hauses alle Lichter, die durch das auf das Äußere gerichtete Denken entstanden sind. Die „Sterne” fallen vom Himmel.

Das reale Verlöschen dieser Lichter geschieht in der „Saturn-Schicht”, während die „Jupiter-Schicht” die selbstreflektorische Beobachtung hierbei ermöglicht. Dadurch verändert sich auch das Bewusstsein im sterblichen Körper. Ein neues Bewusstsein tritt an die Stelle des Ego.

Die äußeren Schichten des menschlichen Kosmos, in denen die Einkohlung stattfindet, beginnen jetzt, ein neues Licht widerzuspiegeln. An die Stelle der bisherigen, auf das Äußere gerichteten Gedankenlichter, die vom irdischen Ego geprägt sind, tritt das Licht der inneren Zentralsonne. Es formt sich in den äußeren Schichten dadurch das „Zeichen des Menschensohnes”.

Fast jeder von uns kennt die psychologischen Wahrheiten, dass wir Eigen- und Selbstliebe brauchen, um andere Wesen und Menschen lieben und etwas von der Schönheit unseres jetzigen Seins erschauen zu können.

Wie viel mehr bekommt aber derjenige geschenkt, der die Fülle eines Menschseins erblicken darf, das zur Auferstehung in der kommenden Welt führt! Er kann von dieser wunderbaren Welt berichten, und zwar in dem Maß, in dem die Schleier der jetzigen Welt von ihm weichen.

Licht über Licht wird offenbar, sobald die menschlichen Kugeln die zentrale Sonne des Innersten durchscheinen lassen bzw. spiegeln. Botschafter der Innenlichtwelten überbringen uns zu dieser Reise die Einladung des inneren Lichtes.

Gemälde von Bettina Runge: Feueräther
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