Literatur

Palast der Winde

In dem Historienroman „Palast der Winde” von Mary. M Kaye, der im Indien des 19. Jahrhundert spielt, spricht der Protagonist in besonderen Lebenssituationen folgende Worte:
„Herr, vergib drei Sünden, die ich begehe:
Du bist überall, aber ich bete hier zu Dir.
Du hast keine Gestalt, aber ich bete zu Dir in Gestalt der Berge.
Du bedarfst keine Anbetung, aber ich schicke Dir mein Gebet und meine Verehrung.”
Welche Gedanken kommen mir zu diesen Worten?
Wenn er sagt: „Du bist überall” wird damit zum Ausdruck gebracht, dass die göttliche Kraft transzendent ist, also zu jeder Zeit und überall anwesend ist und der Mensch einen Zugang zu ihr über die Rose seines Herzens finden kann.
Wenn es heißt: „Du hast keine Gestalt, aber ich bete zu Dir in Gestalt der Berge”, die in dem Roman dem Bild des Palastes der Winde entsprechen, wird deutlich, dass der Mensch, mit einem Sensorium der Sinne ausgestattet ist, und sich vordergründig eines Objektes der Anbetung in der stofflichen Welt bedient. Bis er nach vielen Erfahrungen erkennt, dass alle Stofferscheinungen endlich sind, und er Gott oder die göttliche Kraft nicht mehr außen sucht und sich dann eine unstoffliche, spirituelle Kraft in seinem Innern mitteilen kann. Dann erhält die gestaltlose Gestalt ihre sprechende, geistige Form.
Mit der Erkenntnis, dass die göttliche Kraft keiner Anbetung bedarf, wird ihr der hohe geistige Stellenwert eingeräumt, vor der jedes menschliche Wesen in innerer Verehrung verweilen kann.

Foto: Frank Saß
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