Wissenschaft

Organtransplantation und Wesensveränderung

Kürzlich erschien ein Artikel in der Zeitschrift Hörzu unter der bezeichnenden Überschrift „Pumpstation – neue Medikamente fürs Herz”. Die Auffassung ist offenbar weit verbreitet, dass der menschliche Körper einschließlich seiner Organe aus einem Ersatzteillager bedient werden kann wie etwa ein Auto. Die Technik wird immer weiter verfeinert, so dass auch Organtransplantationen bald keine ernsthaften Probleme mehr bieten.

Wissenschaftliche Untersuchungen über Herztransplantationen an verschiedenen amerikanischen Krankenhäuser sind nun aber zu dem Schluss gekommen, dass unsere Herzzellen – und wahrscheinlich unsere Zellen überhaupt – über ein eigenes Gedächtnis verfügen. Man spricht von einem eigenen „Herzcode” und hat festgestellt, dass das Herz eine eigene Energiestrahlung hat, die man noch in einer gewissen Entfernung von außen messen kann.

In seinem Buch „Heilung aus dem Herzen” berichtet Paul Pearsall über die Folgen einer Herztransplantation von einem Unfallopfer für den Empfänger. Die Mutter des jungen Mannes berichtete über ihre Verwunderung, dass ihr spanisch sprechender Sohn nach Erwachen aus der Narkose als erstes sagte, es sei alles „paletti”, ein Ausdruck, den sie weder kannte noch jemals zuvor von ihm gehört habe. Es stellte sich heraus, dass der Spender diesen Ausdruck immer gegenüber seiner Frau benutzte. Weitere Veränderungen stellten sich bei dem jungen Mann ein: er wurde vom gesundheitsbewussten Vegetarier zum Genießer von Fleisch und fettreicher Nahrung, vom Heavy-Matal-Fan zum Liebhaber von Rock’n Roll der 50er Jahre – ganz wie der Spender, der als Student in einer Rock’n Roll-Band gespielt hatte. Und er wurde neuerdings von Albträumen heimgesucht, in denen bedrohliche Lichter auf ihn zukommen – wie die Autoscheinwerfer in der Unfallnacht auf den Spender.

Es gibt eine ganze Reihe ähnlicher Berichte, auch von Empfängern von Spendernieren. Und das lässt uns fragen, was solche charakterlichen Veränderungen hervorruft. Sicherlich greift die Definition, unser Herz als eine Pumpstation anzusehen, die lediglich für den Kreislauf unseres Blutes und die Versorgung unseres Körpers mit dem notwendigen Sauerstoff zu sorgen hat, viel zu kurz. Auch die Definition des Momentes des klinischen Todes als sogenannte Nulllinie unseres Gehirns erscheint in diesem Zusammenhang nur als eine Notlösung.

Mir scheint, dass hier ein uraltes Wissen um die Bedeutung unseres Herzens verloren gegangen ist. Wie schon die uralten Jägervölker versuchten, über das Herz ihrer Jagdbeute sich deren Mut und Stärke einzuverleiben, so lebt offenbar der Spender im Empfänger in gewisser Weise weiter, scheint er sich mit ihm wesensmäßig, karmisch zu verbinden. Auch die Immunabwehr des Spenderorgans erscheint mir nicht nur als ein rein physischer, unerwünschter Nebeneffekt solcher Eingriffe, sondern vielmehr als eine seelische Schutzfunktion gegenüber einem Eingriff in das eigene Wesen mit seinen besonderen Erfahrungen und Einsichten – der Ernte eines Lebens.

Sicherlich ist der Wunsch nach lebensverlängernden Maßnahmen der modernen Medizin verständlich. Dabei ist aber auch zu bedenken, welche Folgen solche Eingriffe für Spender und Empfänger haben können. Organtransplantationen sind eben kein bloßer Ersatzteilhandel.

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