Bild: Memento mori
15. September 2020 von Gudrun Wegeleben

Memento mori

In seinem Buch „Labyrinth der Welt und Paradies des Herzens“ hat der evangelische
Theologe Johann Amos Comenius (1592-1670) beschrieben, wie der Tod mitten durch
die Welt schleicht und irgendeinen Menschen völlig unerwartet mit seinem Pfeil trifft.
Comenius lebte während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648), wo es allen Men-
schen bewusst war, dass sie jederzeit durch äußere Gewalt umkommen konnten.
„Memento mori“stand über dieser Zeit.
Welches Bewusstsein haben wir Menschen des 21.Jahrhunderts von der ständigen
Nähe des Todes? Die Corona-Pandemie ist plötzlich in unsere satte Spaß- Reise-
und Konsumgesellschaft eingebrochen und hat uns alle wieder mit diesem existentiellen
Lebensthema konfrontiert. Trotz der Anstrengungen der Wissenschaftler
und trotz aller Schutzmaßnahmen (wogegen nichts gesagt sein soll) ist es bis jetzt
nicht gelungen, die Unberechenbarkeit des Coronavirus einzudämmen. Die Angst
vor dem Tod hat bewusst oder ins Unterbewusstsein verdrängt alle gepackt.
„Lasst uns essen und trinken und lustig sein, denn morgen sind wir tot“. Dieser
Spruch aus dem Dreißigjährigen Krieg könnte für die jüngeren Menschen stehen,
die in Parties eng beieinander sind oder sogar mit Würfelspiel
herausfinden wollen, wen das Virus als nächsten trifft.
Auf was dürfen wir noch vertrauen, wenn viele Lebensgewohnheiten, die uns vor
der Erkenntnis der inneren Leere bewahrten, zerbrechen?
Comenius, der der böhmisch-mährischen Brüdergemeine angehörte, war tief
religiös. Er wurde in den Kriegswirren aus seiner Heimat vertrieben, verlor Frau und
Kinder, Besitz und Ansehen. Bei einem holländischen Kaufmann fand er Obdach und
Schutz. Er hat uns trotz aller widrigen Lebensumstände viele wertvolle pädagogische
und religionsphilosophische Schriften hinterlassen.
In seinem Buch „Unum Necessarium“schreibt er, dass, wenn das Schicksal dem Menschen
Bequemlichkeit, Ansehen und Besitz, ja den eigenen Leib nimmt, dann sollte
man alles dahinfahren lassen. „Nur Gott darfst du nicht verlieren. Er ist das höchste
Gut und das ewige Leben.“
Wer kann heute noch aus solch einem Gottvertrauen leben, und alle äußeren und
inneren Verluste, die die Coronazeit mit sich bringen kann, ohne Angst oder Aufbe-
gehren ertragen?

Foto: Pixabay

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