Poesie Lyrik

Masada

Wenn du dann stehst wo es still ist dass du
es merkst wenn das Denken aufhört und
das Hören anfängt wenn das Hören aufhört
und das Sehen anfängt wenn ein Vogel
fliegt wenn du als schwarzer Vogel gleitest
und schreist wenn du zu sprechen ansetzt
in der klaren Luft und von nichts sprechen
kannst als dem Licht so als wäre es das erste
Licht wenn du einen Schatten auf den Fels
wirfst und sagst mein Schatten bleibt
und der Fels vergeht wenn für jetzt wahr ist
dass es gut ist den ganzen Einsatz zu wagen
kannst du die Wüste mit Namen nennen

Dieses Gedicht von Daniela Danz trägt für mich eine große Weite in sich, etwas Freies, Ungebundenes, und wiederum auch etwas Einsames – das Ur-Individuelle, mit dem wir hier auf dieser Welt gezeichnet sind. Darin könnte größte Freude, doch auch unendliche Trauer liegen. Oder ist es vielmehr ein staunendes Schweigen, angesichts dessen, WAS IST? Ein Schweigen in dem Sinne, dass nichts mehr dazu gesagt werden kann?

Das erinnert an die immer gleiche Frage von Menschheitsbeginn an den Weltenschöpfer: „Wer bist DU?” Und seine Antwort ist:

„Ich bin, der ich bin.”

Foto: Christel Achenbach
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