Selbsterfahrung

Liebe oder Eifersucht

Auf dem Weg durch unsere Erfahrungen, besonders unsere Beziehungen miteinander, begegnen wir stets der Liebe und der Eifersucht. Sie scheinen miteinander verbunden wie Licht und Schatten und wir leiden darunter.

Doch eines Tages stolpern wir als Suchende auf dem Weg der Selbst-Erkenntnis über die Existenz von zwei Seinszuständen, zwei Welten: einer vorübergehenden, vergänglichen, in welcher die Gesetze des Gleichgewichtes zwischen Geben und Nehmen gestört sind. Und einer Welt des Lichtes, der Fülle, der Vollkommenheit und Harmonie, einer Welt, da Friede herrscht und tiefe Freude.

Die Erinnerung an dieses verlorene Paradies, erweckt unsere Sehnsucht und wir beschließen, die Brücke zu suchen, die in den ursprünglichen Seinszustand, ins Licht führt … in die Mitte der ewigen Flamme unseres Bewusstseins, dorthin, wo es keine Schatten gibt.

Da dieser Weg jedoch direkt durch uns hindurch führt, müssen wir wieder den vielen Schatten und auch der Eifersucht begegnen. Der Grund der Eifersucht ist meistens die Angst, wir seien minderwertig, etwas könne doch nicht in Ordnung sein mit uns, ein Anderer bekomme, was uns eigentlich zustehe …

Wir nehmen mit dunklem Verstande wahr, wie alles begrenzt ist – so auch Liebe und Freude – es gibt nicht genug für alle. Die Reaktion auf das Gefühl der Minderwertigkeit ist oft Zorn auf jene Person, die uns die Liebe, die gewünschte Sache wegnimmt, oft auch auf die Person, deren Aufmerksamkeit wir ersehnen.

Eine Mischung von Gefühlen wie Angst, Zorn und Trauer stellt sich ein und unser Ego – unser falsches Ich – verwandelt sie mental in unser persönliches Drama. Kräfte werden wirksam, die unser Drama in Gang halten, gewürzt mit dem sicheren Glauben, wir seien doch im Recht. So wird die Illusion mit weiteren Illusionen genährt.

Bis wir uns an einem Punkt auf den Wegen der Selbsterkenntnis
ehrlich und offen die Fragen stellen:
Warum wünschen wir, was wir wünschen?
Warum wollen wir für jemanden einzigartig und besonders sein?
Was wollen wir eigentlich von dem Anderen bekommen?
Was kann uns überhaupt jemand geben? Oder nehmen?

Alles, was uns begegnet, will uns immer zu uns selbst führen, um uns von dem falschen Teil in uns zu befreien, jenem Teil, den wir selbst geschaffen haben und der uns jetzt gefangen hält. Schatten sind es, aus denen Gefühle der Trennung entstehen, des Neides und der Eifersucht. Es ist ein abgetrenntes Selbst oder Ich, das unser Leben so kompliziert macht und das erwartet, dass andere für uns tun, was wir nur selbst tun können.

Ohne ein Ich – ein Ego, wie es in dieser Welt entsteht – wird das Leben leicht und einfach. Spontane Freude und Einfachheit sind authentische Merkmale der menschlichen Natur. Damit wir uns aus dem Griff der Schatten befreien, müssen wir still werden und bereitwillig in die Versöhnung treten mit allem – und alles, uns selbst und was unsere Welt ausmacht, annehmen und verstehen.

Unsere Fähigkeit, in innerer Besinnung alle Bewegtheiten zu beobachten, ist der Weg, auf den Buddha hingewiesen hat, als Weg zur Befreiung von all den unbewussten Impulsen, Gewohnheiten und Konventionen. Es ist der Weg, um das wahre Wesen von den Täuschungen der sinnlichen Welt zu erlösen. Es ist die Bedingung, dass sich der göttliche Same in uns mit der Kraft der göttlichen Liebe und Energie verbindet und zum ursprünglichen Zustand des Seins, der Leichtigkeit des Seins, zurückkehrt.

Auf diesem Wege verlieren die Eifersucht und alle anderen Schatten die Grundlage ihrer Existenz in uns.

Foto: Christel Achenbach
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