Poesie Lyrik

Licht im August

Licht im August – ein Buchtitel, der immer wieder in mir auftaucht, wie eingeprägt, eingebrannt in mein Gedächtnis, und nur der Titel.

August, ein Feiertag; bin auf einem leichten Spaziergang durch die Nachbarschaft, beschleunige ein wenig meine Schritte, um die Gleise zu überqueren kurz vor dem nahenden Zug.

Während die Ohren betäubt sind vom Lärm – es muss ein Güterzug sein -, geht mein Blick hinüber zu einer Menschengruppe vor dem Gefängnisgebäude, wohl Besucher mit Geschenken.

Ich gehe weiter, mein Blick in der Ferne und ein wohliges Gefühl von Sonne auf meiner Haut.

Und meine Seele – sie hat den Moment festgehalten, Bild und Ton sind in sie gedrungen, einer Botschaft gleich.

Ich kenne dieses Gefühl in meinem Herzen. Es kann mehr oder weniger stark sein, aber die Botschaft ist ähnlich. Worte können sie nur schwer beschreiben, doch ich habe keine andere Wahl, ich will’s versuchen.

Was erst wie ein Bündel von nicht passenden Fragmenten aussieht, die nur durch angestrengtes Denken einen gewissen Sinn bekommen – für die Seele ist’s klar und einfach und in einem Augenblick offen.

Die Seele will es uns erklären, wenn wir Interesse zeigen, also bereit sind, ihre Sprache zu lernen.

Es ist die Sprache des Herzens, es ist das Wort des Anfangs.
Die vergessene Sprache eines Urbewohners in uns, der da in Gefangenschaft liegt, wer weiß, seit wann.

Und er will frei sein. Er will weder Geschenke, noch Besuche, noch Kuchen für Feiertage.

Nur Licht.

Das ist die Nahrung, die er zum Leben braucht. Das Licht des Anbeginns.

Und während die kostbare Fülle des Lichts die weiten Räume des Universums füllt (und du musst nichts bezahlen dafür), lebt doch dieser Urbewohner, das Kind des Lichtes, vom Licht getrennt durch Wände ohne Fenster. – Doch es gibt tatsächlich ein Tor, das geöffnet werden kann – von uns.

Ist das möglich?
Unser Verstand weigert sich, die Nachricht zu empfangen.
Wer weiß, wie oft wir den Schlag des scharfen Schwertes der Erkenntnis zu vermeiden gewusst haben. Aber diesmal streifte er uns.

Wir sind noch nicht bereit zu gehen. – Wer hat die Schlüssel zum Kerker? Doch wir können auch nicht mehr so tun, als ob wir nur Besucher oder zufällige Passanten wären.

Und aller Lärm von Gedanken und Emotionen – er ist wie ein vorüber rasender Zug – kann das einmal Geweckte in unserem Herzen nicht mehr dauerhaft unterdrücken.
Er, der Urbewohner, wartet in der Dunkelheit und sehnt sich nach Freiheit; und keinen gibt es, der ihm helfen könnte -außer mir, außer dir.

Und plötzlich begreifst du, warum das Schwert zwei Schneiden hat, dieses Schwert der Einsicht.
Obwohl es schmerzt, willst du ihm jetzt nicht mehr ausweichen.
Es ist kein Opfer.
Es ist eher wie die Hingabe an ein unvermeidlich Freudiges.
Es ist das Einzige, was sinnvoll zu tun ist.
Es ist der Grund, warum du jetzt hier bist, und alles andere auch – der August und das Licht im August.

Foto: Hermann Achenbach
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