Gnosis

Jene, die diese Liebe nicht fühlen

Jene, die diese Liebe nicht fühlen,
wie sie sie mit sich reißt wie ein Fluss,
jene, die den Sonnenaufgang nicht trinken wie einen Becher Frühlingswasser
oder die den Sonnenuntergang in sich aufnehmen wie ein Abendessen,
jene, die sich nicht ändern wollen, lass sie schlafen …

Ich habe mein Gewand in Fetzen gerissen und es fortgeworfen.
Wenn du nicht vollkommen nackt bist,
hülle dein wunderschönes Gewand aus Worten um dich
und schlafe.
Rumi

Manchmal genügen ein paar Worte, um uns im Herzen zu berühren, damit etwas in uns aufwallt.

Manchmal ist es nur ein subtiles Gefühl, das im Hintergrund vibriert, und manchmal ist es sehr mächtig, wie eine Flut, die aufbricht, wenn man einen Damm öffnet.

Und es gibt keine Worte, um dieses Gefühl genau zu beschreiben. Aber manchmal müssen wir, muss die Kraft, die uns durchdringt und bewegt, in Worten Gestalt annehmen, damit sie weiter fließen, vielleicht abweichen, umkehren, oder sich in mehrere Richtungen verzweigen kann.

Denn dieser ewige Strom bahnt sich selbst immer irgendwo seinen Weg, im Morgenrot der aufgehenden Sonne oder im Geräusch und der Frische des Quellwassers.

Wir können ihn nicht fangen noch aufhalten, nur durch uns hindurch lassen. Und am besten werden wir es können, wenn wir uns selbst vergessen. Er wird dann anfangen zu fließen wohin er soll, ändernd, was geändert werden muss, und wir werden wach stehen, in Stille und Dankbarkeit.

Wenn wir ihm in Selbstvergessenheit treu bleiben, wird er uns nicht erlauben einzuschlafen, aber auch nicht andere, die noch schlafen, zu stören. Wir werden leise, auf den Zehenspitzen der Schönheit eines neuen Tages entgegen schreiten, um ihn mit denjenigen, die schon wach auf uns warten, willkommen zu heißen.
Dazu müssen wir bereit sein. Wir müssen alles Überflüssige, wie auch den Wunsch danach, lassen. Sonst wird der Strom des Lichtes uns nicht erreichen und durchdringen, obwohl es uns vielleicht scheinen möchte, als seien wir ein Teil von ihm, während wir erfolglos versuchen, ihn mit hohlen Worten zu ergreifen.
Aber wenn sein Ruf in uns dauerhaft Wohnung genommen hat, wird uns niemand zu sagen brauchen, was zu tun und was zu lassen ist. Alles wird klar sein, denn er wird uns führen, und wir werden bereit sein, ihm zu folgen.

Wir werden dann selbst der ewige Strom des Lebens sein, der empfängt, gibt und erneuert.

Gemäldeausschnitt: Tina Juretzek
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