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27. April 2011 von Cornelia Vierkant

Japan 2011 – Mensch und Erde

Spätestens seit dem Tsunami in Japan im März 2011 fühlt sich die Menschheit äußerlich und innerlich in ihrer Sicherheit bedroht. Diese Wirkung zeigt sich bei vor allem bei Heranwachsenden. Das gesamte Geschehen wurde als Schock erlebt.

Es ist seit langem bekannt, dass sich der Erdkörper in steter Veränderung befindet und dass mit Katastrophen gerechnet werden muss. Aber die Wucht des Tsunami übertraf alle Befürchtungen, zumal eine reale atomare Bedrohung zu den Folgen gehört.

Lange hatte man in einer gewissen Ungläubigkeit den allgemeinen Warnungen gegenüber verharrt. Denn es war doch, abgesehen von verschiedenen Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit und dem Tsunami im Indischen Ozean 2004, den man noch mehr oder weniger als eine Einzelerscheinung ansah, wieder ruhiger geworden. Ach ja, da war 2010 noch die Aschwolke, die sich von Island über mehrere Länder ergoss. Diese Erscheinung hatte ebenfalls ein unangenehmes, nachdenkliches Echo bei vielen hervorgerufen. Aber ehrlich gesagt, vergessen wir gern unliebsame Ereignisse.

Jetzt allerdings: Sollte die Erde wirklich in größeren Bestehenswehen liegen? Sollte ein dramatisches Zeitalter begonnen haben? Wie viel Zeit bleibt mir dann noch, um den Sinn dieser Geschehnisse für mein eigenes Leben zu begreifen? Wenn tatsächlich eine Zeit nicht nur der materiellen Unsicherheiten, sondern auch einer allgemeinen Gefährdung des Lebens angebrochen sein sollte, worauf soll ich mich dann konzentrieren? Was hat Vorrang?

Die Griechen haben die uralte Aufforderung formuliert: „Mensch, erkenne dich selbst“. Wenn es mir gelingen würde, mich wirklich zu erkennen, würde ich wissen, was ich zu tun habe. Doch wie kann ich das bewerkstelligen, mich umfassend zu erkennen?

Ich habe einen sichtbaren stofflichen Körper, wie auch die Erde einen wunderbaren materiellen Körper besitzt. Und ebenso wie die Erde bin auch ich von feinstofflichen Sphären umgeben und durchdrungen. Und mein inneres Wissen sagt, dass es etwas Unsterbliches in mir gibt. Ich denke, dass das auch bei der Erde der Fall ist. Etwas Göttlich-Geistiges, das nicht dem Verfall unterliegt.

Mensch und Erde entsprechen einander. Von alters her wurde der Mensch Mikrokosmos genannt auf Grund seiner Entsprechung zum Erdkosmos. Eine kleine Welt in der großen Welt.

Mein Körper unterliegt Krankheiten, dem Verfall und schließlich dem Tod. Wie ist es mit der Erde? Auch sie ist anfällig für Beeinträchtigungen. Wir können die Störungen im Naturhaushalt beobachten. Ist das Geschehen in Japan nicht ein Zeichen für das gestörte Verhältnis des Menschen zu den Naturreichen? Der Mensch, intelligent und großartig in seinen Erfindungen und technischen Entwicklungen, greift tief in das natürliche Gleichgewicht ein.

Aus der psychosomatischen Medizin wissen wir, dass unser Denken und Fühlen sich auf den körperlichen Zustand auswirkt. So liegt es nicht fern, anzunehmen, dass die Erde auf das Gedankenleben und das emotionale Treiben der Menschheit reagiert, ja reagieren muss.

Mensch und Erde leben in einer Schicksalsgemeinschaft. Haben wir bislang meist Einzelschicksale in unser Bewusstsein aufgenommen und mitunter auch das Schicksal des einen oder anderen Volkes, so tritt uns jetzt das Menschheits- und Erdenschicksal näher.

Was bedeutet das alles für die Sinnfindung in meinem Leben? Gelingt es mir, meine Individualität als Ganzes wahrzunehmen, als Mikrokosmos? Wenn das möglich wäre, würde ich im selben Augenblick auch einen Eindruck von der Gesamtsituation auf dieser Erde empfangen. Das Große spiegelt sich im Kleinen, das Kleine im Großen. Es ist die Wirksamkeit des Hologramms.

Doch selbst wenn mir ein solcher Eindruck noch nicht möglich ist, kann ich eins tun: Ich kann einen Weg gehen, auf dem ich mich abstimme auf das Höchste, das in mir ist: auf den unsterblichen Aspekt in meinem Wesen. Was wird dann geschehen? Etwas von meinem Bemühen überträgt sich überall hin. Hölderlin hat dies tief empfunden und in seinem Gedicht „Der gefesselte Strom“ ausgedrückt. Sobald ich mich dem göttlichen Ursprung zuwende, „regt im Busen der Erde sich Freude wieder“.

Ich kann etwas beitragen zum Fortbestehen des Lebens, indem ich dem Ewigen in mir Raum gebe.

Mein Weg teilt sich allem mit, unmittelbar. Aussagen im Bereich der Quantenphilosophie bestätigen das. Ein alles verbindendes Hintergrundfeld macht alles überall gegenwärtig. Für andere, die meinem Bemühen nahe stehen, wird es dann leichter, ihre Lebensaufgabe ebenfalls zu erkennen und neue Wege zu suchen. So kann ich dazu beitragen, dass sich eine Bewusstseinsgemeinschaft auf einer höheren Ebene bildet. Es liegt an mir, das hora est zu sprechen.

Die innerste Stimme, die Stimme aus dem Unsterblichen möchte durch uns erklingen. Es liegt an mir, ihr durch mein Leben Ausdruck zu verleihen. Darauf wartet auch die Erde.

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