Bild: Jakob Böhme
14. September 2021 von Cornelia Vierkant

Jakob Böhme

Zu Fragen der Seele (auch im Tod)

Eine Auswahl von Charles Waldemar

Gottes Geist offenbart sich von Ewigkeit zu Ewigkeit immer selber.
Er ist Sucher und Finder zugleich. Und was er findet, findet er in großer Kraft. Er findet nur, wer sich selbst verleugnet.
Das höchste Mysterium ist in euch selbst zu finden, aber nicht in eurer Vernunft, die muss tot sein.
Lasst euch keine Furcht schrecken, so werdet ihr Gottes Wunder im einen Geist wirken.
Die echte Seele urständet im Feuerleben, denn ohne die Feuerquelle besteht kein Geist.
Aber die Seele, die in ihrem Begehren versinkt und sich nicht selbst sucht, sondern Gottes Liebe, sie ist in ihrem Feuer wie tot.
Auch kann der verderbte Leib nicht das Ewige besitzen, er ist dem Feuer anheim gefalllen.
Aber der neue Mensch, in Gott geboren, wird das Ewige besitzen, denn er hat Gott in Christo angezogen.

Das Feuer Gottes brennt, aber verzehrt nicht!
Es ist die Liebe, die Sanftmut, die Demut, das ist Gottes Leben und der heiligen Seele Leben.

Die Seele ist ein Feuerprinzip.
Im Geist ist sie das Bildnis Gottes.
Die Seele ist eine Feuerkugel mit einem Lichtauge.

Seele und Geist sind nicht zu trennen.
Es ist ein ewiges Band.
Wenn das Blut hinläuft und der Leib stirbt, bleibt das Band in
Ewigkeit.

Der Leib gehört nicht zum Wesen der Seele.
Es sind zwei Wesen. Der Leib ist der Seele Spiegel und Wohnhaus.

Der Glaube ist Essen von Gottes Liebe.
Im inneren Blut des Herzens ist das innere Feuer.
Der Geist schwebt über dem Herzen.
Der rechte Feuerschmied sitzt im Herzen und führt sein Regiment mit dem Geist im Kopf. Da wohnt seine Heimstatt – das Gemüt und die fünf Sinne.

Die Seele sitzt im inneren Prinzip. Aber sie regiert auch im Äußeren als ein Gestirn. Und das Äußere muss sich von ihr bändigen lassen, wenn die Seele sich in Gott versenkt.

Du hast in deiner Seele zwei Augen. Eines sieht die Ewigkeit und das andere in die Natur.
Senke deinen Willen in die Demut vor Gott.
Oh, wie fröhlich wird die Seele, wenn ihre Angstqual des Feuers Gottes Licht kostet!

Menschenkind, lass` es dir gesagt sein, führe dein Leben vorsichtig!

Lass` der Seele Geist Herr sein, so wirst du allhier wohl gefochten sein, denn es ist allhier eine kurze Zeit.

Die Seele ist aus Gottes Mund ausgegangen und geht im Sterben des Leibes wieder in Gottes Mund. Sie ist vor allem Übel in Gott geboren, wer will sie finden?
Niemand, als Gottes Geist.

Ihr fragt, ob sich die abgeschiedene Seele um menschliche Wesen kümmert?
Es sind drei Wege von derlei Seelen zu verstehen, mit drei Unterschieden.
Als erstes, die Seelen, die noch nicht den Himmel erreicht haben, diese haben noch das menschliche Wesen mit den Werken an sich. Sie forschen nach der Ursache ihres Verhaltens.
Und so dann das Irdische noch in ihr steht, bekümmert sie sich wohl um Kinder und Freunde, das währt so lange, bis sie in ihre Ruhe versinkt.
Dann ist es alles hin mit seinem Kummer und Sorgen und hat auch kein Wissen mehr davon.
Aber ein weiteres ist:
Ein lebendiger Mensch hat seine solche Gewalt, dass er mag mit seinem Geiste in den Himmel zu den abgeschiedenen Seelen reichen und sie ja erwecken in Fragen oder herzlicher Begierde; aber er muss ernst sein, es gehört Glauben dazu, ein Prinzip zu zersprengen.
Was aber die lebendigen frommen Seelen anbelangt, die ihre Werke mit ihrem Geist und willen zu ihnen schicken, des erfreuen sie sich auch und sind auch so kühn, dass die dem Menschen magisch im Schlafe erscheinen und ihnen gute Wege zeigen und oft Künste offenbaren, die in der Seele liegen.
Denn die Träume sind alle magisch.
Eine weitere Art der abgeschiedenen Seele, ist die als im Schoß Abrahams in Christo mit himmlischer Wesenheit; dieselbe kann niemand rege machen; sie wollen denn selber, dass sie zu einer Seele Gunst tragen, welche auch ihresgleichen ist, diese nehmen sich um irdische Dinge auch gar nicht an, es sei denn, dass es zu Gottes Ehre gereiche, so sind sie unverdrossen auf magische Art etwas zu offenbaren.
Was Gott in Christo ist, das sind wir auch in Christo in Gott, seine rechten Kinder; darum sollen wir ihm auch unseren Geist in seine Hände befehlen, so können wir auch durch den Tod ins Leben mit Christo in Gott eingehen.

Foto: Beate Bachmann auf Pixabay

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