Selbsterfahrung

In der Gegenwart gibt es keine Angst

Man kann sich an Angst erinnern, und man kann die Erinnerung an diese Angst beobachten. In der Vergangenheit hatte man Angst, und man kann sie wiedererwecken. Aber das ist nicht wirklich dasselbe; denn Angst stellt sich immer erst einen Moment später ein, sie besteht nicht im Augenblick des Geschehens. Es ist die Reaktion auf das Geschehen, die man Angst nennt. Aber im Augenblick großer Gefahr, wenn man etwas gegenübersteht, das Angst macht, gibt es keine Angst. Da ist gar nichts.
Krischnamurti „Fragen und Antworten”

Das ist kein Traum mehr. Ich sitze am Steuer meines Fahrzeugs kurz nach dem Aufprall. Mein Körper ist verletzt, ich kann mich nicht bewegen; mein Kind weint bitterlich, es steht unter Schock.

Kurz vor dem Zusammenstoß hatte ich das Steuer meines Lebens angesichts großer Gefahr an die Seele übergeben. Ich spürte keine Angst, keine Panik und keine Verzweifelung. Nur eine klare Frage entstand: „Wo ist jetzt meine Seele, und was wird mit ihr sein, wenn mein Körper stirbt?” Ich verlangte nach ihr und betete um Schutz. Die Seele übernahm die Führung. Ihre Kräfte wurden belebt, und um uns herum entstand eine leuchtende Kugel aus einem unsichtbaren Stoff.

Ich bin voller Erstaunen! So sind wir also gerettet! In diese Kugel konnten keine zerstörerischen Kräfte eindringen. Ein Wunder, eine Rettung, eine Freude …

Mich durchdringt noch immer eine strahlende Freude, wenn ich daran denke. Diese Freude hat ihren Ursprung in der Seele. Die Seele hat bei dem Unfall so stark von sich gezeugt, dass ich diese Tatsache nicht mehr zur Seite schieben kann. Ich konnte meine Verbindung mit der Seele spüren und die Berührung von schützenden Strömen und seelischen Kräften erleben.

Ich war bis dahin ein starkes und robustes System, das versucht hatte, den geistigen Weg aus eigenen Kräften zu gehen und zu bestimmen. Durch den Aufprall wurde ich zur Ruhe gebracht. Ich bin gelassen und entspannt. Die befreienden Energien dringen bis zum gebrochenen Knochen durch.

Ich habe erfahren: die Seele ist unsterblich und mächtig. Auch in meinem alltäglichen Leben kann ich der Verbindung mit ihr meine Aufmerksamkeit schenken. Diese Verbindung ist wie ein Seil, das in mein Leben reicht, unabhängig davon, ob ich mir auch bewusst bin, wie reich und fromm, wie dankbar und glücklich mein Leben sein kann.

Das Bewusstsein bereitet sich auf andere Wahrnehmungen vor. Es gibt viele solcher kleinen Schritte der Vorbereitung, aber allein in der Erfahrung kann ich von dem einem zum anderen Ufer springen, zur innerlichen Quelle. Das geschieht ohne Zwang oder Anstrengung, ohne Erwartungen und Absichten der Ich-Persönlichkeit, sondern von einem Sprung zum anderen unter der seelischen Führung.

In Augenblicken, in denen mein Bewusstsein erleuchtet ist, erlebe ich die Vergeblichkeit eigener Ansprüche zur Selbstrealisierung auf dem Weg zu Gott. Ich bin, so wie ich bin, in Übereinstimmung mit meinem wahren Zustand.

Wenn wir tatsächlich so im Nachhinein etwas erleben, fallen jegliche Ideen, Vorstellungen und Anstrengungen wie eine alte gebrauchte Haut, wie eine Rüstung ab, die keine Bedeutung mehr haben.

Angst gibt es in der Gegenwart nicht.

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